Emil-Abderhalden-Straße: Initiative mit vier Vorschlägen für Umbenennung

12. November 2013 | Vermischtes | 1 Kommentar

Eine Initiative von Professoren, die sich um die Umbenennung der Emil-Abderhalden-Straße bemüht, hat nun im Rahmen der Beigeordnetenkonferenz erste Namensvorschläge unterbreitet.

Demnach könnte die Straße künftig nach Anton Wilhelm Amo benannt werden, den ersten schwarzafrikanischen Studenten an der Uni Halle. Zweiter Vorschlag ist Adolph Goldschmidt, der erste jüdische Professor an der Uni Halle, der 1904 in sein Amt eingeführt wurde und ein Mitbegründer der deutschen Kunstgeschichte in den USA ist. Dritter Vorschlag ist Leopold Zunz, der 1821 an der Universität Halle zum Doktor der Philosophie promovierte. Vorgeschlagen wurde zudem eine Benennung nach Guido Kisch, einer vor 40 durch die Nazis vertriebenen Hochschullehrer der Uni Halle.

Die Professoreninitiative hatte die Umbenennung wegen der Geschichte Abderhaldens vorangetrieben. „Für uns ist es wirklich ein Problem als wissenschaftler, dass wir unsere internationalen Partner unter dieser Adresse empfangen müssen“, meinte Prof. Johannes Varwick. Abderhalden habe zum Establishment des nationalsozialistischen Regimes gehört und sei ein Vorreiter der nationalsozialistischen Gesundheitspolitik gewesen. Als Leopoldina-Präsident sei er verantwortlich gewesen, dass jüdische Mitglieder ausgeschlossen worden sind, „teilweise in vorauseilendem Gehorsam“, so Varwick. Auch seine wissenschaftichen Leistungen seien nicht immer sauber gewesen. Man wolle mit der Umbenennung keinesfalls die zweifelsohne auch vorhandenen Leistungen schmälern, so Varwick. Der dem neuen Namen wolle man ein Zeichen für Internationalität setzen, so Prof. Gunnar Brands.

„Ich freue mich riesig, dass sich eine Gruppe zusammengeschlossen hat, die in die Stadt hinein wirkt“, so Oberbürgermeister Bernd Wiegand. „Lange Zeit war das nicht so“, meint Wiegand mit Blick auf das Verhältnis zwischen Stadt und Uni in der Vergangenheit. Wiegand regte deshalb an, dass sich Stimmen aus der Uni auch weiterhin in das Stadtgeschehen einbringen. Im Dezember will Wiegand im Stadtrat einen beschluss herbeiführen. Zuvor wird sich am 4. Dezember der Kulturausschuss mit der Umbenennung befassen, dann sind auch Vertreter der Leopoldina eingeladen.

Abderhalden war Mitglied im NS-Lehrerbund, hat 1934 den Wahlaufruf „Wissenschaftler hinter Adolf Hitler“ unterzeichnet und verantwortete in seiner Zeit als Präsident der Leopoldina den Ausschluss jüdischer Mitglieder. Abderhalden sah eine Sterilisierung von „erblich belasteten“ Menschen als notwendig an. Er forderte eine „rassisch reine“ Gesellschaft und. Behinderte waren für ihn nur „Ballastexistenzen“ ohne Lebensanspruch.

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