Die Franckeschen Stiftungen auf dem Weg zum Weltkulturerbe

24. Januar 2013 | Vermischtes | 2 Kommentare

Die Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale) haben ein großes Ziel: sie wollen UNESCO-Weltkulturbe werden. Am Donnerstag traf sich zum ersten Mal das achtköpfige Nomination-Team unter Leitung von Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh. Mitglied sind weiterhin der Kuratoriumsvorsitzende Helmut Obst und Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke, Landtagspräsident Detlef Gürth, Cornelia Pieper (Staatsministerin im Auswärtigen Amt), Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand, Ilse Junkermann (Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland), Uni-Rektor Prof. Dr. Udo Sträter und Prof. Dr. Harald Meller (Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie).

In der ersten Sitzung haben sich die Mitglieder des Nomination-Teams erst einmal einen Überblick verschafft und einen Zeitplan aufgestellt. Denn die Zeit ist knapp, wie Kultusminister Dorgerloh erläuterte. Bereits im April 2014 muss der Antrag in seinem Ministerium vorliegen. Spätestens zum 1. Februar 2015 muss dann laut Dorgerloh der Antrag in Paris sein. „Von daher haben wir hier nicht viel Zeit zu verlieren“, meinte der Minister. „Das gibt dem Antragsprozess nochmal Nachdruck und Schwung“, sagte Stiftungs-Direktor Thomas Müller-Bahlke zur Aufstellung des Teams. Die Mitglieder würden zudem frische Ideen mit einbringen.

Als Kernzone für den Antrag sollen das Waisenhaus und die Gebäude am Lindenhof eingereicht werden. Daneben gebe es eine Pufferzone, „die das zu schützende Gut umgibt, so Müller-Bahlke. Die Kriterien 4 und 6 der Unesco würden angestrebt. „Die Güter stellen ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften dar, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Geschichte der Menschheit versinnbildlichen“, steht in Punkt vier. „Wir sind der Auffassung, dass das für die Franckeschen Stiftungen in herausragender Weise gilt“, erklärte der Stiftungs-Direktor. In Kriterium sechs geht es um: „6.Die Güter sind in unmittelbarer oder erkennbarer Weise mit Ereignissen oder überlieferten Lebensformen, mit Ideen oder Glaubensbekenntnissen oder mit künstlerischen oder literarischen Werken von außergewöhnlicher universeller Bedeutung verknüpft.“

Neun Fachgutachter aus fünf Wissenschaftsdisziplinen sollen Gutachten aufstellen und ihre Expertenanalysen vorstellen, die den Antrag der Stiftungen begründen und unterstützen sollen. Themenfelder sind: Weltgeschichte und internationale Vorbildwirkung, Waisenhäuser und Sozialfürsorge, Pädagogik und Schulgeschichte, Stadtarchitektur und Raumkonzepte, Kunstgeschichte und Ikonografie der Bauten, Bautechnische Genese und Baumaterialität, Kommunikation und Medialität sowie weltweite Auswirkungen und Rezeptionen.

Dorgerloh stellte heraus, dass Deutschland im Maßstab die meisten Welterbestätten habe. Bereits jetzt hat Sachsen-Anhalt vier Welterbestätten und das Biosphärenreservat. „Aber es gibt sehr wenig originäre Stätten des Protestantismus“, meinte Dorgerloh. Das sei einer der Gründe weshalb man glaube, erfolgreich sein zu können. Dorgerloh lobte daneben die Arbeitsgruppe, die den Antrag unterstützt. Mitglieder sind hier Ingo Mundt (Referatsleiter im Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt), Wolfram Neumann (Beigeordneter für Wirtschaft und Arbeit der Stadt Halle), Hildegard Winter (Referat Denkmalschutz und UNESCO-Welterbe des Landesverwaltungsamtes), Dr. Ulrike Wendland (Leiterin der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie), Dr. Penelope Willard (stellv. Direktorin der Franckeschen Stiftungen) und PD Dr. Holger Zaunstöck (UNESCO-Beauftragter der Franckeschen Stiftungen). 250.000 Euro aus dem Landeshaushalt stehen zur Unterstützung des Antrages bereit. Allein schon durch das Bewerbungsverfahren wolle man laut Dorgerloh deutlich machen, dass es sich bei den Stiftungen nicht nur um einen „kulturellen Leuchtturm besonderer Güte“ handele, sondern auch ein internationales Netzwerk dahinter stehe. Staatsministerin Cornelia Pieper hob hervor, es sei wichtig Synergien zwischen Stadt, Land und Bund schaffen. Ihr Ministerium, das Auswärtige Amt, ist zuständig für das Unesco-Welterbekomitee. Bislang sei man sehr erfolgreich in der Unesco für Deutschland tätig.

Die Initiatoren geben sich dabei zuversichtlich. Die Frage nach dem Scheitern habe man sich nicht gestellt, erklärte Dorgerloh. Wenn man ein etwaiges Scheitern im Kopf habe könne man nicht erfolgreich sein. Wichtig sei es, die Protestantismuskarte auszuspielen. „Wir sind überzeugt, dass wir gut sind“, meinte Landtagspräsident Gürth. „Aber wird müssen es überzeugend rüberbringen.“ Zwar sind 1400 Objekte international auf der Vorschlagsliste. „Uns schreckt da keine Konkurrenz, weil wir eine gute Bewerbung abgeben werden“, meinte Kultusminister Dorgerloh dazu. Die Hochstraße selbst wird zwar Thema sei, das werde man auch der Nominierungskommission aus Paris erklärt werden müssen. „Doch die Brücke ist schon da und muss nicht wie in Dresden neu gebaut werden.“

Doch was bringt so ein Titel überhaupt? Geld gibt es nicht, dafür mehr Arbeit. „Wir erhoffen uns zusätzliche Aufmerksamkeit beim Publikum“, meinte Stiftungs-Direktor Thomas Müller-Bahlke. Er will auf diese weise touristische Potentiale ausbauen. „Die Franckeschen Stiftungen sind längst nicht so bekannt wie es ihrer Bedeutung entspricht.“ Hauptmotiv es sei, die Stiftungen internationale bekannter zu machen. „Francke wäre begeistert“, meinte Dorgerloh. „Für Halle bringt es viel“, ergänzte Staatsministerin Cornelia Pieper. Halle habe viel zu bieten, „aber das wissen noch zu wenige.“

Der Theologe August Hermann Francke (1663-1727) hatte die damals „Glauchschen Anstalten mit nur 4 Talern und 16 Groschen im Jahr 1695 gegründet.

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