Die Blocknummern von Halle-Neustadt

28. August 2015 | Vermischtes | 13 Kommentare

Zu DDR-Zeiten gehörten sie zum Alltag in Halle-Neustadt: die Blocknummern. In der für 100.000 Einwohner gebauten Plattenstadt wurde bei Bau und Planung komplett auf Straßennamen verzichtet, stattdessen wurden die Häuser im Uhrzeigersinn durchnummeriert. Arbeiter der Zukunft bräuchten keine altertümlichen Straßennamen mehr, so die Meinung der Planer. Für Besucher war es oft ein Albtraum.

Begonnen wurde mit der Durchnummerierung östlich des S-Bahnbahnhofes. Die Hochhausscheiben erhielten dabei die Nummern 007-013. Es folgten: Poliklink 016 und Post 023.

Die Wohnblöcke entlang der Magistrale wurden von 031 bis 045 nummeriert, das Sportzentrum einschließlich DVZ bekam die 051-081. Weitere Nummerierungen in der Neustadt:
– Wohnkomplex IV: 101-168
– Wohnkomplex III: 201-296
– Saaleaue bis Feuerwache: 311-399
– Wohnkomplex II: 401-499
– Teichstraße: 501-536
– Wohnkomplex I: 601-699
– Wohnkomplex V+VI: 700-800
– Versorgungsgebiet ab 1000

Mit der Wende kam ein Umdenken. Denn die Blocknummern ließen eines vermissen: ein „Heimatgefühl“. Auch die für Außenstehende verwirrend wirkende Durchnummerierung trug nicht förderlich dazu bei, nach der Grenzöffnung und der Sanierung von Häusern in der halleschen Innenstadt, neue Mieter anzuziehen.

Wegen der ungünstigen Grundwasserlage wurden die Pläne für den Bau Halle-Neustadts zunächst verworfen, aber dann doch bald umgesetzt. Heute sorgen zahlreiche Pumpen dafür, dass Halle-Neustadt „auf dem Trockenen“ liegt. Der Grundstein für das Neubaugebiet wurde 1963 mit dem Bau des Plattenwerkes eröffnet. Die ersten Mieter konnten im August 1965 ihre Wohnungen im „blauen Wunder“, dem ersten Neustädter Wohnblock, beziehen, einen Monat später öffnete die erste Schule ihre Pforten.

Das nicht jeder Block in Halle-Neustadt gleich aussieht, ist Richard Paulick zu verdanken. Nach seinen Vorstellungen wurden in Neustadt Wohnungen mit verschiedenen Grundrissen gebaut. Große Grünflächen zwischen den Blocks prägten das Bild der damals eigenständigen Arbeiterstadt.

Das größte Aufsehen erregte Halle-Neustadt 1981 mit dem Kreuzworträtselmord. Ein 7jähriger Junge verschwand spurlos, seine Leiche fand man 2 Wochen später an der Bahnstrecke Halle-Leipzig. Mit großem Aufwand suchte die Polizei nach dem Mörder und holte von jedem Halle-Neustädter Schriftproben ein. Unter den über 500.000 Schriftproben fand sich schließlich auch eine heiße Spur, so dass der Täter nach 10 Monaten dingfest gemacht werden konnte.

Print Friendly, PDF & Email

Startseite Foren Die Blocknummern von Halle-Neustadt

Dieses Thema enthält 13 Antworten und 13 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Anonym vor 4 Jahre.

Ansicht von 14 Beiträgen - 1 bis 14 (von insgesamt 14)
  • Autor
    Beiträge
  • #170824

    Zu DDR-Zeiten gehörten sie zum Alltag in Halle-Neustadt: die Blocknummern. In der für 100.000 Einwohner gebauten Plattenstadt wurde bei Bau und Planun
    [Der komplette Artikel: Die Blocknummern von Halle-Neustadt]

    #170825

    Anonym

    An dieser Bauweise krankt Ha-Neu immer noch, ich bin neulich ‚rumgeirrt und brauchte ewig zum Ziel.
    Bei Besuchen von Freundinnen in Halle- Neustadt vor meinem Rückzug aus Mecklenburg fing meine kleine Tochter an zu heulen und sagte:“ Hier dauert das Suchen ja länger als das Besuchen! Und hier wolln wir hinziehen?“

    #170826

    Mit 30 Jahren Abstand avancieren auch schon die Blocknummern „zur Heimat“ in Halle-Neustadt. Was würden wohl die Mannemer sagen, wenn man denen ihre geliebten Quadrate klaut? Den Ami sind Blöcknummern auch nicht unbekannt. Die gehen sogar noch einen Schritt weiter und vergeben den Stadtstraßen Nummern. Was soll also die Aufregung?

    #170827

    In den USA sind Block- und Straßennummern aber systematisch angeordnet, nicht so willkürlich wie in Halle-Neustadt. Da weiß man genau, in welche Richtung man geht, bzw. gehen muss.

    #170828

    der wesentliche Unterschied zu den „Mannheimer Quadraten“ ist aber, dass diese im Gegensatz zu Ha-Neu logisch und nachvollziehbar aufgebaut sind.
    Das „Neustädter Modell“ war zu verwirrend.

    Letztlich war Neustadt eine Fehlplanung, gebaut im Hochwassergebiet, auf ausreichend Parkplätze wurde keine Rücksicht genommen (Individualverkehr passte nicht zum neuen sozialistischen Menschen), ein echtes Stadtzentrum gab es nicht und ausreichend Infrastruktur zum Wohnen auch nicht.
    Weshalb z.B. der Friedhof zwischen Zscherben und Nietleben gelegt wurde, erschließt sich mir bis heute nicht.
    In den letzten 25 Jahren gab es zwar einige Verbesserungen, Grundlegende Probleme bleiben aber, weil die politisch Verantwortlichen nachhaltige städtebauliche Lösungen (großflächigen Rückbau) gescheut haben.

    #170829

    Welches war das James Bond haus 007 ??

    #170830

    Anonym

    @ braegel

    Gerade Parkplätze gibt es in Neustadt doch mehr als genug, an jeder Ecke befindet sich ein großer Parkplatz. Das Problem ist wohl heute eher das jede Familie mind. 2, teilweise auch 3 Autos haben muss. Die Situation ist aber immer noch tausend mal entspannter als im Lutherviertel, wo die Plätze zu 150% überbucht sind und man warten muss bis Lieschen Müller zur Nachtschicht fährt.

    #170831

    Ich finde auch, dass HaNeu verwirrend strukturiert ist.

    #170832

    „Das „Neustädter Modell“ war zu verwirrend.“ … und wird/ wurde mit zunehmenden Alter noch verwirrender!

    #170833

    @10010110

    Du kannst die USA nicht mit der DDR vergleichen (und deren Beschriftungssystem für Wohneinheiten eh nicht)! Das wäre mal wieder der bekannte Äpfel- Birnen – Vergleich.

    #170834

    Die Parkplätze reichen jetzt vielleicht. 1993 sah das aber ganz anders aus.
    Rechnerisch reichten sie schon 1989 nicht. Der Neustädter parkte den Trabbi aber brav in einer der vielen Garagenanlagen und radelte da mit dem Fahrrad hin.

    #170835

    Selten so einen Stuss gelesen!
    Was hat denn Heimatgefühl mit dem Straßennamen zu tun? Man fühlt sich doch da heimisch, wo das Umfeld stimmt. Ob die Wohnung in Ordnung ist, man Freunde und vernünftige Nachbarn hat, Einkaufs- und sonstige Versorgungsmöglickeiten hat, …
    In Neustadt hatte jeder WK, zumindest die ersten WKs, Kaufhalle, Ambu + Apotheke, Kindereinrichtungen + Schule, Post, Sparkasse, Friseur, … Dass man einen kommunalen Friedhof nicht im Zentrum errichtet, dürfte doch Usus sein.
    Sicher, es war etwas verwirrend, dass die 100er Blöcke nicht im I. WK waren und dass der II. WK 500er und 600er Blöcke hatte. Aber wer das nicht nach einer gewissen Zeit mitbekommen hatte, ist schon geistig sehr minderbemittelt.
    Man konnte zwar, wenn jemand nach einem bestimmten Block fragte nicht genau sagen, wo der ist, aber man konnte ihm die Richtung und ungefähre Lage weisen mit dem Hinweis, da nochmal nachzufragen.
    Die Straßennamen stiften doch mehr Verwirrung. ZB Zerster Straße ist in Neustadt, Roßlauer in Silberhöhe (auch erst nach 90 umbenannt), Dessauer in Frohe Zukunft (alt); Tulpenstraße Nietleben, Rosenstraße Innenstadt (beides alt), Azaleenstraße Neustadt, …
    Das Größte haben sich die Stadtblödis mit Ernst-BaRlach-Weg erlaubt, indem da die Schilder in zigfacher Ausfertigung mit ERNST-BALACH-Weg aufgehängt wurden. Reines Beschäftigungsprogramm für Beamte (hab nichts gegen die, die tun doch nichts)

    #170836

    Ich lach mich immer halb schlapp, wenn hier jemand gegen „Beamte“ der Stadtverwaltung zu Felde zieht.
    Sorry, aber mach dich besser erst mal kundig, wer in Sa.-Anh. und speziell in der Stadtverwaltung Halle überhaupt verbeamtet wurde… da würde dir der Seifensieder aufgehen…

    #171005

    Anonym

    Welches war das James Bond haus 007 ??

    Steht schon im Artikel: Scheibe A – heute: Neustädter Passage 18

Ansicht von 14 Beiträgen - 1 bis 14 (von insgesamt 14)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.