Denkmalgeschütztes Haus an der Ulrichskirche wird abgerissen

18. April 2013 | Vermischtes | 14 Kommentare

Der 18. April ist der offizielle Tag des Denkmals. Just an diesem Datum geht es in der Innenstadt von Halle (Saale) einem denkmalgeschützten Haus an den Kragen.

Der 1702 erbaute Komplex Kleine Märkerstraße 5/6 und Christian-Wolff-Straße 6 und 4 wird derzeit dem Erdboden gleich gemacht. Vor zwei Jahren hatte der Arbeitskreis Innenstadt bereits Schlimmes für das Areal befürchtet und mit einer Aktion gegen den weiteren Verfall protestiert. Ohne Erfolg, der Abbruchgreifer frisst sich unaufhörlich durch das Gemäuer. Immerhin, das Gebäudeteil zur Kleinen Märkerstraße hin soll stehen bleiben und saniert werden, in der Baulücke ist ein Neubau geplant.

Seit Jahren standen die Gebäude leer. Dabei haben sie eine bewegte Geschichte hinter sich. Im markanten Eckhaus wohnte Philosophie-Professor Theodor Christoph Ursinus. Dieses wurde 1834 von Seilermeister Friedrich Hensel erworben, der noch im gleichen Jahr das anschließende Nebengebäude (Nr. 6) errichten ließ. Hier wurde Lampenöl hergestellt und deshalb ist nach AKI-Angaben das Gebäude auch kulturgeschichtlich interessant. Es besitzt im Erdgeschoss, neben der Tordurchfahrt, unter anderem einen wohl aus brandschutztechnischen Gründen mit Spitzbogen-Gewölbe versehenen Raum für eine Rüböl-Raffinerie. Im saalartigen Obergeschoss befanden sich dagegen die „Spinnbahnen“ für die Seilherstellung. Das Eckhaus (Nr. 5) wurde 1890 im Stil der Zeit verändert (Fassadenstuck, Dachgiebel und Innenausstattung). Auf den anschließenden Grundstücken an der heutigen Christian-Wolff-Straße entstanden ab 1895 für die Kaffeerösterei und Großhandelsfirma Fr. Hensel & Haenert Fabrik-, Lager- und Bürobauten, die heute noch erhalten sind.

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