Bürgerforum: Heide-Nord und Lettin auf dem Weg in die Zukunft

25. Juni 2014 | Vermischtes | 1 Kommentar

Es ist schon Jahre her, als es die letzte große Zusammenkunft zwischen Stadtverwaltung und Bürgern von Lettin und Heide-Nord gab. Unter der damaligen Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler fand hier letztmals vor 8 Jahren eine große Bürgerversammlung statt.
Plattenbau Heide-Nord
Zeit also, sich einmal wieder zusammenzusetzen. Aus diesem Grund lud die Bürgerinitiative Lettin/Heide-Nord am Dienstagabend in die Halleschen Behindertenwerkstätten ein. „Wir sind ein loser Zusammenschluss von Bürgern, die daran interessiert, dass Lettin und Heide-Nord liebenswert bleiben und wollen es noch liebenswerter zu machen“, sagte Wolfgang Heinrich zum Einstieg. Der frühere Baudezernent ist in Lettin sehr engagiert. Jeder könne mitmachen. Voraussetzungen seien offene Augen und offene Ohren. Heinrich berichtete kurz über einige Erfolge. So seien viele Bürger aus den verschiedenen Vereinen in die Initiative engagiert. Diese stimmen untereinander die Termine der Vereine ab, so dass man sich bei Veranstaltungen nicht gegenseitig die Gäste wegnimmt. Zudem hob er hervor, dass die WG Freiheit bereits ihre kompletten Bestände in Heide-Nord, 470 Wohnungen, saniert hat. „Das erwarten wir von anderen auch.“ „Der Rückbau bei uns ist abgeschlossen“, berichtete WG-Vorstand Dirk Neumann. Mit 1.740 Wohnungen, davon 500 saniert, ist die HWG der größte Vermieter. Im Bootsweg solle im kommenden Jahr saniert werden, allerdings wird die HWG auch weiter abreißen. Eine Unternehmensvertreterin berichtete zu Sorgen wegen steigender Mietpreise, dass diese bei der HWG bei den unsanierten Platten seit 2010 bei 3.38 Euro pro Quadratmeter eingefroren seien. „Wir nennen das Frohe Eiszeit.“

Eine Vertreterin der Bürgerinitiative sprach aber auch einige Probleme an. So schloss in diesem Jahr die Sparkassen-Filiale in der Heideringpassage. Der Sparkassenvorstand habe mitgeteilt, dass er keinen Anlass zu weiteren Gesprächen sieht. „Das ist wie ein Fausthieb“, sagte sie. Ihre Befürchtung ist, dass das Aus für weitere Geschäfte droht. Diese gehe auch mit einem fatalen Sponsoren- und Kulturverlust einher. Ein weiteres Problem sei die geringe Wahlbeteiligung. „Die Leute glauben nicht mehr an Erfolge der lokalen Politik und das ihre Interessen von der Politik erkannt werden.“ Der 2. Wohnkomplex in Heide-Nord habe kein eigenes Wahllokal, die älteren Bürger müssten weite Wege auf sich nehmen. Oberbürgermeister Bernd Wiegand sagte eine Suche nach einem neuen und barrierefreien Wahllokal zu.
Ziel der Bürgerinitiative sei es, wieder Optimismus reinzubringen, hieß es. Heide-Nord sei zudem von großer Kinderarmut betroffen. 53 Prozent der Kinder im Stadtteil würden in Bedarfsgemeinschaften leben. Immerhin bleibe man als Initiative an den Problemen dran, sagte sie. Und so habe man erreicht, dass die leerstehenden Kindertagesstätten 2016 abgerissen werden.

Als problematisch erachtet die Initiative auch das ehemalige Einkaufszentrum „Lettiner Einkaufsoase“ im 2. WK, das leersteht. Einen Zustand, den man in der Heidering-Passage verhindern will. Diese müsse stärker kulturelles, wirtschaftliches und soziales Zentrum sein. Hier sagte der Investor auf dem Bürgerforum Unterstützung zu. Für ihn ist es ein Hauptproblem, dass die meisten großen Ketten auf große Verkaufsflächen aus sind. Deshalb versuche er schon seit einem halben Jahr vergeblich, eine Drogeriekette an Land zu ziehen. Für ihn ist deshalb die einzige Chance, weg vom Einkaufszentrum hin zu einem kulturellen und sozialen Zentrum. Auch Platz für Kinderbetreuung und Begegnungsstätten kann er sich hier vorstellen. Zudem wird die Bürgerinitiative hier einen Inforaum einrichten.

Anwohnerin Simone Beck lebt seit zwei Monaten in Heide-Nord. Sie beklagte, dass sie seit Wochen versuche, mit Kita, Hort und Schule Kontakt aufzunehmen wegen Plätzen für ihren vierjährigen Sohn und die sechsjährige Tochter. Dies sei bisher gescheitert, an der Erreichbarkeit müsse sich dringend etwas verbessern.

Einige Akteure vor Ort stellten sich vor. 140 Mitglieder stark ist zum Beispiel der VfB 07 Lettin, der zweitälteste Verein in Halle. 100 Mitglieder stark ist der Tischtennisclub Eintracht Halle. Beide Vereine wollen künftig enger zusammenarbeiten. So wurde zusammen mit der Stadt vereinbart, die Sporthalle der Grundschule Heideschule gemeinsam zu nutzen. Die Stadt habe schon zugesagt, auch Zeiten habe man schon abgestimmt, heißt es von den Vereinen.

Ein Vertreter der Schulfördervereins meldete sich zu Wort. Er berichtete, dass die Elterninitiative Klassenräume gemalert habe. Durch den beständigen Druck sei es auch gelungen, die Sporthalle zu sanieren. Dies zeige, dass man etwas bewegen kann, wenn ma sich zusammen tut. Allerdings äußerte er noch den Wunsch, die Alarmanlage zu reparieren. Neu im Viertel ist zudem die evangelische Grundschule, die im Herbst mit einer ersten Klasse startet. Wie die Vorsitzende des Schulvereines, Melanie Holtemöller, sagte, wolle man auch ein Sprachenprofil erarbeiten. Der Standort sei gut geeignet, weil er auch ausbaufähig sei. Denn Ziel sei es, irgendwann auch eine weiterführende Schulform anbieten zu können.

Die Feuerwehr Lettin trug einige Sorgen der Anwohner vor. So habe Lettin keinen Spielplatz. Der Zustand der Grünflächen lasse auch zu Wünschen übrig, es werde nur eine Straßenseite gereinigt und der bauliche Zustand des Blumenauwegs sei auch nicht optimal. Auch zur Verbesserung der Hochwassersituation sei noch nichts getan worden. Problematisch sei auch, dass der 2. WK nur eine Zufahrt habe. Wenn diese gesperrt sei, sei der Wohnkomplex verkehrlich abgeschnitten. Doch auch positives konnte die Feuerwehr berichten. Ihr Gelände wird größer, es finden auch bauliche Arbeiten wie die Sanierung der Umkleiden statt. Daneben hat Lettin ein weiteres Feuerwehrfahrzeug bekommen.

Einem Anwohner aus der Nordstraße stößt der Zustand der alten Schule sauer auf, die seit 20 Jahren leer steht und dem Verfall preisgegeben ist. Unangenehm seien die Hinterlassenschaften der drei Pferdehöfe. Auf Fußwegen und Straßen würden die Pferdeäpfel liegen. Und in der Nordstraße werde gerast. Das brachte auch andere Anwohner dazu, sich zu melden. So werde auch im Blumenauweg zu schnell gefahren. Das will die Polizei einmal kontrollieren, wurde auf dem Bürgerforum zugesagt.

Parkende Laster vor ihrem Wohnzimmerfenster sah eine Anwohnerin aus dem Kolkturmring als Problem an. Ein Anwohner aus der Fischerstecherstraße beklagte, dass zwar der Rasen gemäht werde, doch die Maht liegenbleibe und mit der Zeit unangenehm rieche. Zudem bemängelte er die fehlende Beleuchtung im Verbindungsweg zwischen Fischerring und Saalering. Die Leiterin der Heidegrundschule bemängelte, dass ein Teil der Schule seit Ewigkeiten zugemauert sei. Eine Frau beklagte die zunehmende Taubenproblematik am Hagebuttenplatz. Auch der leerstehende ehemalige Jugendclub war Ziel der Kritik. Eine Anwohnerin beklagte daneben die schlechte ÖPNV-Anbindung des zweiten Wohnkomplexes. Der Bus halte nur am nördlichen Rand des Wohngebiets und nicht dort, wo die Menschen wohnen.

Am 2. September um 19 Uhr soll es ein weiteres Bürgerforum für Lettin und Heide-Nord geben. Auch dann wieder bei den Halleschen Behindertenwerkstätten. Dann will die Stadt ihre Planungen für den Stadtteil vorstellen.

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