Bischöfe zum Osterfest

18. April 2014 | Vermischtes | Keine Kommentare

Neben Weihnachten ist Ostern eines der wichtigsten christlichen Fest. Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), sowie Gerhard Feier, Bischof des Bistums Magdeburg, zudem auch Halle (Saale) gehört, äußern sich nun zu den Feiertagen.

Ilse Junkermann
„Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen…“ Jedes Jahr neu ist es wie ein Wunder: mit einem Mal sind die Bäume grün. Noch vor kurzem standen sie kahl und grau. Öde sah alles aus. Und nun, in wenigen Tagen, haben sie alle ihr grünes Kleid angelegt: die Bäume, die Erde, alles wird grün – und bunt! Ja, Farbe kommt in die Welt. Leicht und schön kann das Leben sein. Der Frühling beschwingt mich jedes Jahr aufs Neue! Und wenn ich dann noch die Sonne auf meinem Gesicht spüre und den leichten warmen Frühlingswind, dann wird mir leicht. Das tut so gut. Neues Leben bricht auf! So werde ich jedes Jahr bestärkt, dass es möglich ist, neu anzufangen. Das hoffe ich ja auch für mein Leben. Mein persönliches. Aber auch für das Leben in meinem Land. Und erst recht in Europa. Im Moment hoffe ich das am meisten für die Ukraine.

Wie sehr brauche ich diese Hoffnung, wenn ich die Gewaltausbrüche in der Ukraine sehe – wer kann sie stoppen? Wie schnell kann der Funke der Gewalt überspringen und zu einem Flächenbrand werden! Wie viel verbrannte Erde und traumatisierte Menschen würde er hinterlassen! Und wir erleben es weltweit. Mir wird schwindelig bei den Bildern und Zahlen von den Bürgerkriegen in Syrien, in Zentralafrika, in Nigeria. Vom Hunger in den Flüchtlingslagern. Allein im Südsudan sind 100.000 Menschen vom Tod bedroht! Nimmt denn die kalte Zeit von Gewalt und Gegengewalt nie ein Ende?
Wie sehr brauche ich diese Hoffnung: „Alle Knospen springen auf…“

Am Ostermorgen lässt Gott neues Leben aufspringen aus dem grauen Tod. „Christ ist erstanden!“ So singen wir in vielen Osternachtfeiern. „Er ist wahrhaftig auferstanden“, so bekräftigen wir es auf den Friedhöfen am Ostermorgen. Ja, diese Botschaft stärkt unsere Hoffnung: das Leben wird siegen. Der Tod kommt mit allen seinen Helfershelfern an sein Ende. Seine Allmacht ist schon gebrochen. Das stärkt meine Gewissheit: Jesus wird gequält. Er könnte sich wehren. Aber verzichtet auf Gewalt. Er ist ein Gott des Lebens und des Friedens.

Und er braucht uns als Werkzeuge seines Friedens. Er braucht uns an der Seite der Flüchtlinge. Nicht in ihrem Nacken. Der Gott des Lebens braucht uns an der Seite von denen, die Angst haben vor Krieg. Er braucht Menschen, auch Regierungen, die suchen, was dem Frieden dient. Die vermitteln. Uneigennützig. Die in Chancen denken und nicht in Fronten.
Frieden ist möglich. Neues Leben ist möglich. So wie jedes Jahr Frühling möglich ist.

„Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen…!“

Das ist die Botschaft der Auferstehung und die wünsche ich Ihnen. Auch ganz persönlich. Frohe Ostern!

Gerhard Feige:
Intensiver und selbstloser leben

Ostern ist für Christen der älteste und wichtigste Feiertag – das Fest aller Feste. Da geht es weniger um holdes Frühlingserwachen, als vielmehr um Tod und Leben.

Was aber ist das Leben? Wir erfahren es sehr unterschiedlich: Manche sind des Lebens müde, satt und überdrüssig, andere können vom Leben nicht genug bekommen. Dahin zu vegetieren wäre auch schon Leben. Meistens aber wollen wir erfüllt und sinnvoll leben. Das Herz soll jung und der Geist frisch bleiben. Selbst in aussichtslosen Situationen klammern sich viele noch an das Leben und wünschten, es ginge weiter – wie auch immer. Der Mensch – ein einziger Schrei nach Leben!

Enttäuscht müssen wir jedoch feststellen: Letztendlich scheitert das Leben aller am Tod. Dem kann sich niemand entziehen. Man kann diese Tatsache solange wie möglich verdrängen und sich ins Leben mit seinen Freuden und Genüssen stürzen. Man kann heroisch dieses Schicksal annehmen, sich sagen: „So ist nun einmal der Lauf der Dinge“, und versuchen, dennoch aus seinem Leben etwas zu machen. Man kann aber auch sich gläubig darauf einlassen, was uns die christliche Osterbotschaft zumutet. Und was ist das?

Vor etwa 2000 Jahren – so heißt es da – sei Jesus von Nazareth, der Gekreuzigte aus Palästina, zu neuem Leben auferstanden beziehungsweise von Gott auferweckt. Der Tod habe dadurch seinen letzten Schrecken verloren und das irdische Dasein einen neuen Sinn bekommen.

Für unzählige Christen ist das seitdem keine theoretische Weltanschauung oder fromme Faselei, keine fadenscheinige Vertröstung auf ein Jenseits oder ein Aufruf zur Passivität, sondern Halt für ihr Leben und Motivation ihres Handelns. Im Vertrauen darauf versuchen viele immer wieder, ihr Leben optimistisch anzugehen, Not und Leid – so gut es geht – positiv zu verarbeiten und sich dafür einzusetzen, dass die Lebensverhältnisse gerechter und die zwischenmenschlichen Beziehungen liebevoller werden. Die Initiativen „Netzwerk Leben“, „Partnerschaftsaktion Ost“ und „Flüchtlingshilfe Sachsen-Anhalt“ sind nur drei Beispiele aus unserem Bistum, in denen das zum Ausdruck kommt. Aber auch Einrichtungen für Behinderte oder Demenzkranke, Hospizdienste und Palliativstationen zeigen das auf besondere Weise. Und wie viele mühen sich fast selbstverständlich darum, anderen auf die Beine zu helfen oder ihnen das Leben erträglicher zu machen.

Unser Leben – so wage auch ich zu glauben und zu hoffen – ist nicht dazu bestimmt, im Nichts zu versinken; es ist auf Größeres angelegt. Wir haben eine Zukunft über den Tod hinaus. Damit kann man vielleicht nicht nur beruhigter sterben, sondern auch intensiver, verantwortungsbewusster und selbstloser leben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein anregendes Osterfest und eine große Zuversicht!

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben