Bildung im Vorübergehen: Georg Wilhelm Friedrich Hegel

13. November 2014 | Vermischtes | Keine Kommentare

Auch in diesem Monat wird im Rahmen des Projekts „Bildung im Vorübergehen“ wieder eine hallesche Straße durch die Bürgerstiftung mit Zusatzschildern versehen. Diesmal wird auf diese Weise an Georg Wilhelm Friedrich Hegel erinnert.
hegel
Am Freitag, 14. November 2014, werden die Schilder um 11 Uhr, an der Hegelstraße/Ecke Fischer-von-Erlach-
Straße angebracht. Sie wurden gespendet von Monika und Bernd Sänger, Martina und Reinhard Schmitt, Prof. Dr. Maria Nühlen und Jochen Ehmke, Daniel Schad und Dr. Stephan Wansa.

Mit seinen Werken hat Hegel maßgeblich das philosophische Denken seiner Zeit und darüber hinaus beeinflusst. Hegel war Hauslehrer, Redakteur in Bamberg, Gymnasialdirektor in Nürnberg, Professor in Heidelberg, Jena und Berlin und »Preußischer Staatsphilosoph«. Neben Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Wilhelm Joseph Ritter von Schelling ist er ein Hauptvertreter der Philosophie des deutschen Idealismus.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831)
Von den drei „Weisen“ des „deutschen (spekulativen) Idealismus“, Fichte, Schelling und Hegel, gilt Letzterer als der wirkungsmächtigste Denker seiner Zeit und über diese hinaus. Seine schulbildende Kraft ist in einem noch bestehenden „Hegelianismus“ manifest. Der „Starphilosoph“ Hegel hat ein bis heute nicht überbotenes und seinem Anspruch nach nicht überbietbares letztes großes Philosophiesystem hinterlassen, mit dem „diese Geschichte der Philosophie beschlossen“ sei.

Zeittafel
1770 27. August: Geburt Hegels in Stuttgart.
1774;1776 Besuch der deutschen Schule und des Gymnasiums in Stuttgart.
1788 Studium der Theologie am Tübinger Stift.
1790 Promotion zum Magister der Philosophie.
1793 Magister der Theologie und Konsistorialexamen; Hofmeisterstellen (Hauslehrer) in Bern und Frankfurt.
1798 Erste (anonym) veröffentlichte politische Streitschrift.
1801 Habilitation zum Privatdozenten für das Fach Philosophie an der Universität Jena;
erste kritisch-philosophische Abhandlungen.
1805 Ernennung zum außerordentlichen Professor der Philosophie.
1807 Veröffentlichung der „Phänomenologie des Geistes“; Redaktionsleitung der „Bamberger Zeitung“.
1808 Rektor des Gymnasiums in Nürnberg.
1812-1816 Erscheinen der „Wissenschaft der Logik“ in drei Bänden; Professur in Heidelberg.
1817 Erscheinen der „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse“.
1818 Bis zum Tode Professor der Philosophie (Nachfolger Fichtes) an der Universität Berlin.
1820 Erscheinen der „Grundlinien der Philosophie des Rechts“.
1829 Rektor der Universität und stellvertretender Regierungsbevollmächtigter.
1831 14. November: unerwarteter Tod während der Cholera-Epidemie.

Hegels philosophisches System
Das philosophische System Hegels ist niedergelegt in den (auch für Fachleute) schwer verständlichen Hauptwerken: seiner „Phänomenologie des Geistes“, „Wissenschaft der Logik“, „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften“ und der „Philosophie des Rechts“. Grob zusammengefasst kann sich seiner philosophischen Grundintention mit folgendem Gedankenstrang angenähert werden: 1. Ein Prinzip der Wirklichkeit ist Dialektik, der Widerstreit und die Versöhnung des Widerstreits. 2. Wirklichkeit gründet im Absoluten. 3. Die philosophische Reflexion der Wirklichkeit wird zur „absoluten Wissenschaft“ und damit zur philosophischen Theologie, denn das Absolute ist Gott und der absolute Geist (gleichbedeutende Termini). 4. Die Welt ist die Weise, wie Gott (der absolute Geist) sich darstellt, ist folglich ihrem Wesen nach selbst Geist, sichtbar gewordener Geist. 5. Um die Wirklichkeit (Welt) begreifen zu können, muß die Sichtweise Gottes eingenommen werden; Hegel wird der Weltgeist in Person.
Hegels Wirkung
Erst nach Hegels Tod und dem (vorläufigen) Ende der „Kantischen Periode“ entfaltete sich sein Einfluss, der bereits durch seine Vorlesungen auf die Schüler wirkte. An den Universitäten bildete sich eine Hegelschule aus, die die philosophische Landschaft über mehrere Jahrzehnte dominierte. So auch an der Alma mater halensis durch Hermann Friedrich Wilhelm Hinrichs, Karl Rosenkranz, Julius Schaller, Johann George Mußmann und insbesondere Johann Eduard Erdmann, welcher „der begrifflichen Gedankenfolge der Lehre Hegels zu langdauernder Herrschaft in Halle verhalf.“ Hegel-Interpretation und Hegel-Kritik sind in einer kaum überschaubaren Literatur, in philosophischen Fachzeitschriften und Hegel-Kongressen lebendig.

Ingomar Kloos Halle/S., Oktober 2014

Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie (1805/06). Erstdruck in: Georg Wilhelm Friedrich Hegel’s
Werke. Vollständige Ausgabe durch einen Verein von Freunden des Verewigten. Vorlesungen über die
Geschichte der Philosophie. Hrsg. v. Karl Ludwig Michelet, Berlin 1833–1836, „Resultat“.
Kugler, Franz Theodor: Das Wissen des 20. Jahrhunderts. Bildungslexikon. Rheda 1931.
Stammler, Gerhard: „Hallesche Vertreter der Philosophie seit der Vereinigung mit Wittenberg“ in: 250 Jahre
Universität Halle. Streifzüge durch ihre Geschichte in Forschung und Lehre. Halle 1944.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben