Bergzoo Halle soll zur Erlebniswelt werden

27. September 2015 | Vermischtes | 26 Kommentare

Ein neuer Zoo-Eingang an der Seebener Straße, ein größeres Elefanten-Gehege als Savannenlandschaft mit Hängebrücke, bessere Gastronomie, neue Tiere wie Berglöwen … das sind nur einige der Ideen, mit denen der hallesche Bergzoo aufgewertet und mehr Besucher anlocken soll. Am Sonntag haben Oberbürgermeister Bernd Wiegand und Zoo-Direktor Dennis Müller die Grundzüge des Konzepts „Bergzoo 2031“ interessierten Hallensern vorgestellt.

„Wir haben intensiv gearbeitet“, sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand. Eine spannende Aufgabe sei es gewesen. Leider habe es in den vergangenen Jahren ein solches Konzept nicht gegeben. Doch das sei wichtig „um zu wissen, wohin es geht.“ Jetzt gelte es zu überlegen, welche Mittel bereitgestellt werden müssen. Wiegand hofft dabei auf Sponsoren. Denn allein die erste Phase der Realisierung wird mehrere Millionen Euro verschlingen. „Der Zoo soll ein überregionales Aushängeschild werden“, ergänzte Zoo-Chef Dennis Müller. Mann wolle den Zoo in den Gesamttourismus der Stadt einbinden, es stecke viel Potential darin.

Ausgemacht wurden etliche Handlungsfelder, um die jetzigen Besucherzahlen von 330.000 im Jahr zu erhöhen. So gebe es im Zoo einen vielfältigen Tierbestand ohne ein konsequentes Gesamtkonzept, die modernen Tieranlagen seien oft technisch und ohne funktionales Anlagedesign, die Zoopädagogik sei in die Tierpräsentation nicht eingebunden und es gebe am Saaleingang von der Seebener Straße aus keine Zooattraktionen, umriss Müller einige der Problempunkte. Unzureichend sei die Parkplatzsituation. Ebenfalls unbefriedigend sei der Leerstand etlicher Gebäude wie der Reilschen Villa an der Reilstraße neben dem Haupteingang.

Doch Potentiale gebe es viele, meint Müller. Der Zoo habe ein starkes Profil mit langjähriger Tradition, darauf könne man aufbauen. Er sei der einzige Bergzoo, es gebe eine große Tiernähe. Nötig sei die Integration passiver Lernelemente in die Tierpräsentation, um denn Zoo auch als außerschulischen Lernort wieder stärker herauszubilden. Die vielfältige Tierkultur und die bestehenden Großtiere will Müller gern erhalten. Eine moderne touristische Infrastruktur mit moderner Gastronomie und Spielplätzen sei nötig.
plätze, Barrierefrei

Die wohl markanteste Neuerung soll die Aufwertung des Eingangs an der Seebener Straße sein. „Das ist für mich das Essentielle“ so Müller. Hier ist ein Neubau samt „Erlebnis-Aufzug“ vorgesehen. Als Vorbild hat man sich hier den Multimedia-Fahrstuhl des neuen World-Trade-Centers genommen, in dem auf Bildschirmen das Stadtbild visualisiert wird. Das sei auch für Halle denkbar. So könnte die Stadtentwicklung visuell dargestellt werden. Eine Kletterlandschaft soll den Bergzoo-Charakter herausstellen. Zudem könnte an der Emil-Eichhorn-Straße ein neues Parkhaus für 120 Fahrzeuge entstehen. „Schon jetzt ist der Bereich an sonnigen Tagen überfüllt“, stellt OB Wiegand die Notwendigkeit heraus.

Das jetzige Elefantengehege unweit des Nebeneingangs soll vergrößert und zu einer Art Savannenlandschaft umgestaltet werden. Besucher können über eine Hängebrücke die Dickhäuter beobachten. Sorgen von Besuchern, die Tiere könnten dadurch gestresst werden, wies Zoo-Chef Müller zurück. Es gebe Erfahrungen aus anderen Zoos, daneben haben Elefanten keine Feinde die sie aus der Luft angreifen, insofern sei eine Hängebrücke unbedenklich. Denkbar wäre zudem eine „Vergesellschaftlichung“. Die Elefanten könnten beispielsweise mit Nashörnern in der gemeinsamen Anlage gehalten werden.

Der neue Zoo-Chef will zudem auf Themenwelten setzen. „Erlebbarmachung durch Inszenierung“, nennt er dies. Neben den schon erwähnten Savannen zählen dazu unter dem Motto „Feuer und Eis“ Patagonien, die Regenwälder als „Grüne Lunge der Erde“ sowie verschiedene Gebirgsszenerien unter dem Motto „Auf den Dächern der Welt“. Insbesondere Patagonien könne zum Alleinstellungsmerkmal werden. Durch den Zusammenschluss der Anlagen für Pinguine, Seebären und Flamingos könnte mehr Platz geschaffen werden. Vorgesehen ist auch ein Themenhaus Philippinenhaus, Ameisenbär und Tapir können ebenfalls zusammen gehalten werden. Die Themenwelten sollen jedoch erst in der zweiten Phase von 2021 bis 2031 realisiert werden.

„Wir brauchen neue Arten mit Besucherattraktivität“, meint Müller auch. So stimmte er einer Bürgermeinung zu, wonach die Haustier-Strecke im Zoo nicht zielführend sei. Und so will Müller auch das Wappentier des Bergzoos zurückholen. „Viele denken, das ist ein normaler Löwe im Logo. Es ist aber ein Berglöwe.“ Und genau jene gibt es im Bergzoo eben nicht mehr. Potentiale sieht Müller auch in derzeit ungenutzten Bereich am Südhang, hier schwebt ihm eine Äthopienanlage mit Steinböcken und Pavianen vor.

Ein Punkt ist auch die gastronomische Versorgung. Die alten Verträge sind gekündigt, zum 1.1.2016 soll der neue Betreiber beginnen. Auf dezentrale gastronomische Bereiche will der Zoo in Zukunft setzen, auch die Reilsche Villa hier mit einbeziehen.

Dass es voran geht, das freute die Teilnehmer der Informationsveranstaltung. Sie hatten allerdings auch Hinweise parat, die man nun aufnehmen werde, so Wiegand. Ein Mann beispielsweise äußerte Bedenken zum Parkhaus in der Emil-Eichhorn-Straße. Er fürchtet dadurch eine Überlastung der Seebener Straße. Eine Frau warnte davor, die gleichen Fehler wie Leipzig zu machen. Das Gondwana-Land dort sehe zwar toll aus, man sehe aber kaum Tiere. „Ich will nicht, dass die Anlage wichtige wird als die Tiere“, mahnte sie an. „Wir wollen das tiernahe Erlebnis erhalten“, reagierte Müller hierauf. Eine weitere Frau wollte wissen, was denn die Mitarbeiter vom Konzept halten. Denen habe er es schon ausführlich vorgestellt, so Müller. Und eine Mitarbeiterin ergänzte sogleich, sie haben bereits Gutes erwartet und sei noch einmal positiv vom Konzept überrascht gewesen. Große, attraktive Tiere vermisste ein Besucher, wie Hyänen, Flusspferde oder Wölfe. Doch laut Zoo-Chef Müller sei dies wegen der begrenzten Platzverhältnisse nicht mehr möglich. Die Haltungsbedingungen hätten sich geändert. Ein anderer Mann hatte Befürchtungen, dass das Geld nicht reicht und nur Teile umgesetzt werden. OB Wiegand erklärte, damit das Konzept funktioniere, dürfe es keine Abstriche geben. Er gehe aber von einer Finanzierbarkeit aus. Auf die Finanzierung selbst ging er trotz Nachfragen nicht ein. Dem Vernehmen nach sollen Zooeigene Immobilien wie ein Wohnhaus und das Kinogebäude veräußert werden, auch ist eine Kreditaufnahme geplant. „Das ist Sache des Aufsichtsrates“, so Wiegand.

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  • Autor
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  • #177269

    Ich habe, ehrlich gesagt, die Nase voll von Baustellen in Halle.

    Das gilt auch für den Zoo.

    Wie sollen – in den nächsten Jahren – die Besucherzahlen erhöht werden, wenn mit dem Ziel 2031 viele Millionen Euro in langwierige Baumaßnahmen gesteckt werden?!?

    Der Zoo soll mal lieber dafür sorgen, dass nicht Tiere bei Paarungsversuchen und Geburten draufgehen. Dort würde ich absolute Professionalität erwarten, nicht in der Selbstdarstellung der Zooleitung und Vermarktung!

    MannoD

    #189720

    Magdeburger Zoo rüstet auch auf:
    Rund 1,5 Millionen Euro fließen in den Bau einer neuen Zoogaststätte in Magdeburg. Am 18.11.15 wurde Richtfest gefeiert.

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