Aus für Medienwissenschaften in Halle droht: Uni will Bereich dichtmachen

5. Februar 2014 | Vermischtes | 5 Kommentare

Die Medienwissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stehen vor dem Aus. Das Rektorat wolle die Einschreibungen in die verschiedenen Studienprogramme (Bachelor und drei Masterprogramme) der Medien- und Kommunikationswissenschaften zum Wintersemester 2014/15 einstellen, heißt es vom zuständigen Departement. Damit würde das Mitteldeutsche Multimediazentrum (MMZ) zudem seinen größten Mieter verlieren.

Mit dieser Maßnahme solle das Auslaufen der Studienprogramme und damit die Schließung des Departments eingeleitet werden. Dieser Prozess werde sich dann noch vier bis fünf Jahre hinziehen. Dagegen protestiere man als Department „Medien- und Kommunikationswissenschaften“ aufs Schärfste, es sei eine diese willkürliche Einstellung der Studiengänge.

Anlass für diese Maßnahme seien die geplanten Kürzungen in den Haushalten der Fakultäten, die durch die Kürzungen der Zuweisungen des Landes an die Hochschulen in Sachsen-Anhalt ausgelöst wurden. Bereits in dem Papier des Wirtschafts- und Wissenschaftsministeriums, sei die Schließung der Medien- und Kommunikationswissenschaften als ein möglicher Schritt zur Konsolidierung der Finanzen vorgesehen. Das Papier, dessen Kenntnis Minister Möllring zunächst bestritt und das dann als ‚aus dem Ministerium entwendet‘ gekennzeichnet wurde, werde nun offensichtlich zur Handlungsmaxime des Rektorates.

Das Department bietete sich als ‚Kürzungsopfer‘ scheinbar deshalb an, weil am Department in kurzer Abfolge drei Professuren aus Altersgründen neu besetzt werden müssten. Dies scheine die einzige Rationalität in der geplanten Maßnahme des Rektorates zu sein. Dieses Vorgehen berücksichtige in keiner Weise die Leistungen des Institutes in Forschung und Lehre, die hohe Auslastung des NC-Studiengangs und die exorbitant hohe Verbleiberquote der Studierenden sowie insbesondere die Leistungen für die Kooperationen von Hochschule und Medienpraxis, wie sie die Wissenschaftsratsgutachten des Jahres 2013 als beispielhaft gelobt haben. Das Land habe den Medienstandort Halle stets als einen zentralen Eckpunkt seiner Medienpolitik angesehen. Der Medienstandort Halle würde somit erheblich beschädigt. Auch die Universität selbst würde durch die Selbstamputation eines zukunftsorientierten Studienprogramms mit seinen zahlreichen Lehrexporten in die Fächer Sprechwissenschaft, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Geschichte, Archäologie und Denkmalpflege erheblichen Schaden nehmen.

In der seit längerer Zeit anhaltenden Diskussion um die Strukturen der Hochschulen des Landes sei das Department stets hingehalten worden. Zunächst sollte das Gutachten des Wissenschaftsrates abgewartet werden. Als dieses für das Department sehr positiv ausfiel, waren es die abzuwartenden Strukturvorschläge des Wissenschaftsministeriums, die es abzuwarten galt. Diese liegen immer noch nicht vor, dennoch greife das Rektorat der noch zu führenden Diskussion um zukunftsorientierte Strukturen in den Fakultäten durch diesen Einstellungsbeschluss vor, ohne auch nur mit den Betroffenen gesprochen zu haben.
Das Department erwartet eine sachorientierte Diskussion der Strukturen der Universität in Forschung und Lehre unter Berücksichtigung der Auslastungen der Studiengänge, der von der Universität selbst aufgestellten Leistungskriterien und der besonderen Bedeutung der Studiengänge für die Hochschullandschaft des Landes.

Der Einschätzung des ‚aus seinem Hause entwendeten Papiers‘ durch Minister Möllring kann aus heutiger Sicht nochmals zugestimmt werden, als er sinngemäß ausführte: Dieses Papier könne schon deshalb nicht von ihm stammen, weil die darin enthaltenen Aussagen und Pläne ‚schwachsinnig‘ seien.

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