Angst vor Abschiebung: Flüchtling in der Silberhöhe springt aus dem Fenster

21. Januar 2016 | Vermischtes | 6 Kommentare

Am Dienstag und Mittwoch hat Sachsen-Anhalt Sammelabschiebungen durchgeführt, mehr als 130 Menschen in ihre Heimat am Balkan zurückgeschickt. Aus Angst vor der drohenden Abschiebung ist im halleschen Stadtteil Silberhöhe offenbar ein Mann aus dem Kosovo aus dem Fenster gesprungen, teilte der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt mit. Der Mann sei mit schweren Knochenbrüchen ins Krankenhaus gekommen. Der Vorfall zeige, wie groß die Verzweiflung der Menschen ist, die in angeblich so „sichere Herkunftsstaaten“ abgeschoben werden, erklärt der Flüchtlingsrat.

„Die Menschenrechtslage in den Balkan-Ländern ist desolat, Minderheiten werden systematisch ausgegrenzt und diskriminiert. Die EU-Kommission selbst hat wiederholt festgestellt, dass Roma in ihrer Heimat unter menschenunwürdiger Diskriminierung leiden.“, so Stefanie Mürbe, Sprecherin vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt. Als Teil der Asylrechtsverschärfungen dürfen Abschiebungen nicht mehr angekündigt werden. Die Praxis der unangekündigten Nacht- und Nebel-Abschiebungen verschärfe die Gefahr von Folgetraumatisierungen und Suizid-Versuchen. „Die Menschen, darunter Familien mit Kindern, müssen täglich und jede Nacht damit rechnen, abgeschoben zu werden. Die ständige Angst bedeutet eine enorme psychische Belastung.“, betont Mürbe.

„Die Landesregierung ist gefordert, an einem fairen Umgang mit den Geflüchteten festzuhalten und humanitäre Härtefälle zu berücksichtigen“, so Mürbe. In den kommenden Tagen seien weitere Sammelabschiebungen aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen über den Flughafen Halle/Leipzig zu befürchten.

„Statt aktionistische Maßnahmen auf Kosten der Menschenrechte zu betreiben, die nur dazu dienen, Handlungsfähigkeit zu beweisen und dem Druck von Rechts nachzugeben, müssen auf allen Ebene endlich langfristig wirksame Maßnahmen für die erfolgreiche Aufnahme schutzsuchender Menschen ergriffen werden. Abschiebungen, Abschottung und populistische Instrumentalisierungen sind keine Lösung“, fordert Stefanie Mürbe vom Flüchtlingsrat.

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