99 Jahre Stadtbad: Britta Steffen ist in das Bad verliebt

21. Februar 2015 | Vermischtes | Keine Kommentare

Kann es etwas schöneres geben, als wenn eine Olympiasiegerin sagt: „ich bin verliebt.“ Damit meint Britta Steffen nicht Paul Biedermann, sondern das hallesche Stadtbad. Zur Feier des 99. Stadtbad-Geburtstages überbrachte sie die Botschaft.

Das Bad sei ein Rohdiamant, der erhalten werden müsse, sagte die Schwimmerin, die seit zwei Jahren in der Saalestadt lebt. Zum Designpreis habe sie das tolle Bad zum ersten Mal gesehen. Zusammen mit Weltrekordlerin Karin Harzer (geboren Beyer) stand Britta Steffen im Rahmen einer kleinen Gesprächsrunde Rede und Antwort. So erfuhren die Gäste, dass für Britta Steffen das Wasser so etwas wie Schwerelosigkeit hat. Allerdings sei es auch ein einsamer Sport. Beim Fußball könne man miteinander reden, das sei während des Schwimmens nicht möglich. Dabei war für sie der Weg zum Schwimmstar gar nicht so vorgezeichnet. Bei einer Sichtung im Kindergarten wurde sie als zu klein und dünn aussortiert. Dafür wurde ihr Cousin ausgewählt. Mit ihm zusammen ging sie damals in die Schwimmhalle. Und der dortige Trainer gab ihr einen Badeanzug und gab damit auch den Auftakt zur Karriere. „Es ist manchmal besser unterschützt zu werden, und sich dann zu beweisen“, sagte Britta Steffen. Im Stadtbad schwimmen gelernt hat Karin Harzer. Mit 14 kam sie auf die Sportschule. Damals ging es von Halle aus immer mit dem Zug nach Leipzig, um dort im 50-Meter-Becken zu trainieren. 1958 wurde Harzer erste Sportlerin des Jahres in der DDR. Und nach ihrem Karriereende wurde sie Schwimmlehrerin. Tausende Hallenser haben bei ihr im Stadtbad schwimmen gelernt.

Im Rahmen der Geburtstagsfeier gab es auch öffentliche Trainingseinheiten der Slalom- und Wildwasserkanuten des Böllberger Sportvereins. Im warmen Wasser des Stadtbades trainieren die Nachwuchskanuten jeden Winter das sichere Aussteigen aus dem Boot bei Kenterungen und die Kenterrolle unter Aufsicht von erfahrenen Sportlern des Vereines. Ein weiterer Höhepunkt war das KUNSTWIEGEN. Die durch den Förderverein Zukunft Stadtbad wieder instand gesetzte historische Personenwaage erhielt fünf weitere Kunstwiegekarten. Gestaltet wurden sie von Ulrike Steinke, Lucie Göpfert, Markus Färber, Alexander Schmidt und Moritz Götze.

Das Stadtbad wurde zwischen 1913 bis 1916 von Wilhelm Jost erbaut, der auch für den Wasserturm Süd, die alte Minol-Tankstelle in Trotha und das Trafohaus am Stadtpark verantwortlich ist. Entstanden ist das Bad zu einer Zeit, als es kaum fließend Wasser gab. Deutschlandweit hatten die Volksbäder dank der Hygieneausstellung 1883 ihren Durchbruch. In Halle sollte es aber etwas länger dauern. Das Stadtparlament stritt lange darum, schon damals war Geld knapp. So waren die Stadtverordneten damals der Meinung, im Sommer badet man in der Saale und im Winter gar nicht. Doch letzten Endes fiel die Entscheidung für den Bau und damit auch für ein modernes und aufwendiges Gebäude, das auf dem Gelände der alten Stadtgärtnerei errichtet wurde. Neben Frauen- und Männerhalle gab es auch eine Unterteilung in Arm und Reich, eine Sauna gehörte zum Angebot und selbst eine Hundebrause war geplant. Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Sportvereinen gab es auch damals schon. In alten Zeitungen ist von einem Kampf der Vereine gegen das neue Bad zu lesen. Denn die Nutzungsgebühren sollten für sie von 80 auf 300 Mark pro Stunde steigen, für Schwimmfeste am Wochenende sogar auf 1.200 Mark. Die Männerhalle verlor 1986 ihr Tonnengewölbe und wurde durch Wellbleche ersetzt, auch die unteren Umkleidekabinen wurden abgebrochen. Auch der Jüngling auf dem Turm fehlt heute.

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