Herbstsynode: Kirchenkreis stimmt Haushalt ab und streicht Pfarrstellen

10. November 2012 | Vermischtes | 2 Kommentare

„Die blanken Zahlen können mich bannen und traurig machen“, befand Superintendent Hans-Jürgen Kant am Samstag auf der Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Halle-Saalkreis. Denn nicht nur die Städte und Landkreise klagen über den Einwohnerschwund und sinkende Finanzen. Auch die Kirchen trifft es hart, das zeigte sich auch in den Beschlüssen der Herbstsynode. Der Weg für den Wegfall von einem Viertel der Stellen im Kirchenkreis bis 2025 wurde frei gemacht. Denn die Zahl der Einwohner im Territorium des Kirchenkreises Halle-Saalkreis, der neben Halle und dem nördlichen Saalekreis auch Teile des Salzlandkreises bei Könnern umfasst, wird von aktuell 380.000 auf 279.000 sinken und damit auch die Zahl der Gläubigen. Prognosen zufolge wird die Zahl der Gemeindemitglieder von jetzt 31.000 auf nur noch 22.300 im Jahr 2025 zurückgehen. Der Kirchenkreis will darauf vorbereitet sein.

Rotstift bei Pfarrstellen
Den Rotstift setzt der Kirchenkreis unter anderem bei den Pfarrstellen an. Bei zwei Enthaltungen wurden die Kürzungen durchgewunken. So wird die Pfarrstelle in Alsleben nach dem Ende des Entsendungsdienstes der derzeitigen Pfarrerin aufgehoben, die Gemeinde Alsleben sowie die Kirchspiele Beesenlaublingen, Strenznaundorf und Peißen-Bebitz werden künftig von der Pfarrstelle Könnern mitbetreut. Die Gemeindereform im Saalekreis hat zur Folge, dass es eine neue Pfarrstelle Ostrau geben wird, die aus der bisherigen Pfarrstelle Löbejün hervorgeht – Löbejün wird künftig der Pfarrstelle Wettin zugeschlagen.

Halles größter Stadtteil Halle-Neustadt hat künftig keine eigene Pfarrstelle mehr. Sobald der Neustädter Pfarrer Holger Herfurth in den Ruhestand geht, wird die Pfarrstelle Nietleben um Neustadt, Angersdorf und Zscherben erweitert und in Halle-Neustadt-Nietleben umbenannt.

Aufgehoben wird auch die Pfarrstelle in Reideburg. Die Gemeinden Reideburg und Büschdorf werden Lochau zugeschlagen, Christus und Diemitz kommen zur Pfarrstelle Johannes.

Auch die Pfarrstelle Müllerdorf wird ersatzlos gestrichen. Die Kirchspiele Müllerdorf-Benkendorf und Salzmünde werden der Pfarrstelle in Schochwitz zugeordnet. Zugleich werden die Kirchgemeinden Bennstedt, Köchstedt und Langenbogen mit der Pfarrstelle Teutschenthal zugeordnet.

Diese Schritte bedeuten auch, dass künftig weitere Pfarrhäuser leer bleiben. „Schmerzliche Prozesse. Sie machen traurig, weil Dinge zu Ende gehen, die in absehbarer Zeit so nie wieder kommen“, sagte Superintendent Hans-Jürgen Kant.

Etat hat 9,5 Millionen Euro
Der evangelische Kirchenkreis Halle-Saalkreis hat am Samstag außerdem den Haushaltsplan für das kommende Jahr beschlossen. Der Etat hat einen Umfang von 9,5 Millionen Euro, gegenüber 10,7 Millionen Euro im laufenden Jahr. Mit 4,5 Millionen Euro macht ein Großteil davon Personalkosten aus. 1,2 Millionen Euro sind für den Baulastenfond bestimmt.

10.000 Euro an der Marktkirche will der Kirchenkreis im kommenden Jahr für die Cityarbeit ausgeben. In die Gehörlosenarbeit fließen 16.185 Euro. 13.685 Euro erhält die Kreisdiakoniestelle der Stadtmission. Die Krankenhausseelsorge wird mit 2.500 Euro unterstützt. Für die Straffälligen- und Strafentlassenenseelsorge gibt es 4.000 Euro. Mit 10.270 Euro wird die Polizei-Seelsorge unterstützt, die Notfallseelsorge erhält 1.000 Euro. Außerdem stehen 35.000 Euro für den Projektmittelfond bereit. Für die Arbeit mit Kindern, Familien, Jugendlichen und Frauen werden 5.950 Euro bereitgestellt, für die Kirchenmusik 1.700 Euro. Für kirchenmusikalische Projekte auf dem Land gibt es 10.000 Euro, für den Religionsunterricht 16.200 Euro, die Öffentlichkeitsarbeit 58.000 Euro, die Ökumene 12.000 Euro und die Regionalarbeit 10.000 Euro.

Auch verschiedene Einrichtungen in der Region werden gefördert. Wie im laufenden Jahr bekommt die Stadtmission 35.000 Euro. Der Zweckverband des Kirchenkreises mit Beratungsstelle erhält 36.700 Euro gegenüber 15.000 Euro im laufenden Jahr. Für die Bahnhofsmission gibt der Kirchenkreis 45.000 Euro. Die Telefonseelsorge wird mit 15.000 Euro unterstützt, die Diakonische Begegnungsstätte mit 25.000 und die Villa Jühling mit 5.600 Euro. Mit weniger Geld müssen die Stiftung Petersberg (7.500 statt 15.000 Euro) und die Freien Schulen (20.000 statt 25.000 Euro) auskommen. Neu dabei mit einer Unterstützung von 5.000 Euro ist das evangelische Freizeitheim in Schönburg, hier ist der Kirchenkreis Mitglied im Trägerverein.

Beschlossen wurde auf der Synode außerdem die Einrichtung einer Kreisstelle (75%) für Religionsunterricht. Die Stelle kann entweder durch Pfarrer oder ordinierte Gemeindepädagogin besetzt werden und wird vorerst auf 6 Jahre befristet.

Daneben entschieden sich die Synodalen im Rahmen des Zwei-Prozent-Appells syrische Flüchtlinge zu unterstützen.

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