Denkmalschutz: Ausschüsse stimmen für Saalhorn-Sicherung auf der Saline

10. Juni 2015 | Vermischtes | 11 Kommentare

Die weitere Notsicherung des historischen Saalhorn-Magazins auf der Saline in Halle (Saale), dessen Zustand sich immer mehr verschlechtert, rückt näher. Der Planungsschuss und der Bauausschuss stimmten einer Dringlichkeitsvorlage der Stadtverwaltung und damit der dringend notwendigen baulichen Sicherung zu.
saline-saalhorn_istzustand
Allerdings ging die Zustimmung nicht ganz ohne Widerspruch vonstatten. Insbesondere die CDU störte sich. „Ich tue mich schwer 660.000 euro in Gebäude zu investieren, was nicht in Halle gewachsen ist und was mal eine Lagerhalle für Salz war“, so CDU-Rat Christoph Bernstiel. „Wir haben eine Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler. Denn es gebe weder ein kokretes Konzept, noch sei klar wo die Mittel für den notwendigen dritten Bauabschnitt herkommen sollen. Wenn das passiert, können wir uns gleich bei Mario Barth bewerben“, so Bernstiel mit Blick auf eine Show des Comedians bei RTL zur Stueergeldverschwendung, in der Halle schon einmal wegen des Hafens Thema war. „Es geht um eine Identiätsfrage für die Stadt“, meinte Swen Knöchel (Linke), deshalb sollte man das Thema nicht vom Tisch wischen. Er kritisierte allerdings, dass die Stadt immer nur scheibchenweise herausrückt, was geplant sei. „Die Stadt sollte mal deutlich machen, was sie mit dem Areal vor hat.“ Christian Feigl (Grüne) sprach von einem „wichtigen Baudenkmal“, weshalb ihn die Sicherung freue.

Vor vier Jahren wurde am Saalhorn auf einer Hälfte zumindest das Dach teilweise erneuert, auch Balken wurden ausgetauscht. Seit dem passierte allerdings nicht viel. 662.000 Euro sollen investiert werden, allerdings nur in die Notsicherung. Damit soll unter anderem der Porphyrsockel saniert werden. Auch alte Haustechnik wird demontiert, Dächer und Wände erneuert, Betonbanketten eingebaut und eine Bohrpfahlgründung eines Pfeilers an der Durchfahrt gesetzt. Doch die eigentlich nötige umfassende Sanierung lässt auf sich warten. „Im Nachgang zur Sicherung sollen am Saalhornmagazin noch weitere Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen vorgenommen werden“, informiert Baudezernent Uwe Stäglin. Der weitere Ausbau und die Darstellung der Kosten können laut Stäglin aber erst auf Grundlage eines bestätigten Konzepts erfolgen. Eine Sanierung sei in einem dritten Bauabschnitt vorgesehen. Für weitere Sanierungsmaßnahmen wurde deshalb für die Gesamtmaßnahme Halloren- und Salinemuseum (Saalhornmagazin, Großsiedehallen, Kaue, Siede- und Uhrenhaus), ein Kostenvolumen von 1,95 Mio Euro Gesamtwertumfang mit einer Förderung von 1,3 Mio. Euro mit Programmjahr 2015 im Städtebauförderprogramm „Stadtumbau Ost“ beantragt.
saline-saalhorn_planung
Die Bruderschaft der Halloren hat sich selbst ein ehrgeiziges Ziel gesteckt, die Sanierung des Gebäudes soll bis zum Jahr 2021 abgeschlossen sein. Erste Planungen sehen vor, dass im Saalhorn ein Festsaal entsteht, der dann nicht nur von der Bruderschaft genutzt werden soll, sondern auch für städtische Veranstaltungen zur Verfügung steht. Aber auch Teile des Museums sollen dort untergebracht werden, so der Silberschatz der Halloren. Dieser besteht aus 94 silbernen Trinkgefäßen, zwei silbernen Gürtelketten sowie der Amtskette des regierenden Vorstehers und soll jetzt in die UNESCO-Liste Immaterielles Kulturerbe aufgenommen werden.

Über die Geschichte des Saalhorns
saline-saalhorn_istzustand_2Das Saalhorn wurde um 1820 bei Breitenbach gebaut und 1845/46 nach Halle gebracht worden. Es diente jahrelang als Salzlager, wurde in den Jahren immer wieder umgebaut. Bis 1994 war das Saalhorn als Lagerhalle in Betrieb. Die Umsetzung des Magazins vom Saalhorn nach Halle hing wohl mit dem industriellen Aufschwung seit etwa 1830 in Halle zusammen. In dieser Zeit begann die Entwicklung Halles zu einer Großstadt, in der der Handel und die Infrastruktur ausgebaut wurden. Die neue Lagerhalle führte fortan die Bezeichnung Saalhorn(er)magazin. Dieser auf einem Porphyr-Fundament stehender Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach war an seinem Ostgiebel ursprünglich mit einem zur Saale führendem Steg zur Verladung des Salzes versehen. Während den letzten Umbauten wurde 1932, mittig durch das Gebäude, eine Eisenbahndurchfahrt mit zwei Toren geschaffen. Dadurch wurde das Gefüge des Fachwerkbaus empfindlich gestört. Im Zuge des Einbaus einer Sichteranlage zwischen dem Groß-Siedehaus (1933/34) und dem Saalhornmagazin wurde der nördliche Teil des Gebäudes auf einer Länge von 8,65 Meter entfernt. Nach Schließung der Saline 1964 nutzte eine Großhandelsgesellschaft bis 1994 das Magazin zu Lagerzwecken. Der ständige Kontakt mit Salz, aber auch seit über 30 Jahren unterlassenen Erhaltungsmaßnahmen führten dazu, dass das Saalhornmagazin in einem baulich sehr gefährdeten Zustand ist. Dennoch ist das Gebäude, besonders nach den umfangreichen Abrissen der Salineanlagen in den 60er und 70er Jahren, eines der wichtigsten Zeugnisse der halleschen Salzproduktionsanlagen.

Print Friendly, PDF & Email

Startseite Foren 662.000 Euro für dringende Saalhorn-Sicherung auf der Saline

Ansicht von 12 Beiträgen - 1 bis 12 (von insgesamt 12)
  • Autor
    Beiträge
  • #157014

    Der Zustand des historischen Saalhorn-Magazins auf der Saline in Halle (Saale) verschlechtert sich immer mehr. In einer Dringlichkeitsvorlage der Stad
    [Der komplette Artikel: 662.000 Euro für dringende Saalhorn-Sicherung auf der Saline]

    #157015

    Hauptsache es bleibt nicht nur bei der Notsicherung!

    #157017

    Hätte man ihn doch abgerissen.

    #157018

    Anonym

    Da zeigt sich das Thema Dringlichkeit wieder. Hier oder Sicherung von Schule und Bildung. Das Geld ist nur einmal vorhanden. Man muss sich entscheiden, was ist wichtiger. Das ist wie im Eigenheim, dichte ich die Fenster ab oder brauche ich ein neues Gartentor?

    #157265

    Wir könnten auch die Friedhöhe platt machen, sind es doch ebenso nur Orte der Vergangenheit.

    #157345

    Anonym

    Diese 600.000 Euro könnten aber die Schüler der Rainstr. genauso dringend brauchen.

    #157459

    Da die historische Ansicht Saalekahn, Ankerhof, Palais´S und Saline sowieso durch das MMZ kaputt gemacht wurde, würde sich nach meiner Meinung auch die Wiederherstellung des Saalhorns nicht lohnen.

    #157505

    Wie wäre es denn, den architektonischen Schandfleck und die geschmackliche Verirrung, mit Namen MMZ abzureißen.
    Oder warten wir doch die nächste Flut ab, die unser GröBaZ demnächst, in nicht allzu ferner Zeit, also bald wieder erwartet.

    Vor 20 Jahren hätte man da wirklich was schönes planen können, was zur Belebung der Innenstadt beigetragen hätte.

    #157538

    Architektonisch finde ich das MMZ durchaus gelungen.

    #157621

    Die da drin arbeiten aber nicht. Da beschwerte sich doch mal einer, dass sich die Fenster nicht öffnen lassen. Oder dass der Kubus unheimlich viel Heizenergie frisst. Ich glaube Architektur umfasst nicht nur die äußere Hülle.
    „Unter anderem lassen sich Fenster nicht öffnen, weshalb die Klimaanlagen ständig laufen müssen. Auch die großen Flurbereiche sind ein Problem. Jetzt soll ein Sonnenschutzsystem an den Fenstern nachgerüstet werden, damit sich die Räume bei praller Sonne nicht so aufheizen.“

    MMZ in Halle (Saale) bleibt Fass ohne Boden

    #157631

    @farbspektrum inzwischen wurden im MMZ neue Zwischenwände eingezogen, um genau das Problem der großen ungenutzten Bereiche zu reduzieren.

    #157635

    Enrico, ich weiß, das hat aber nichts mit dem ursprünglichen Architektenentwurf zu tun. Mein Einwand bezog sich auf „gelungen“.
    Die Stadt hatte ja auch eine Klage gegen den Architekten wegen Planungsmängeln angestrengt.

Ansicht von 12 Beiträgen - 1 bis 12 (von insgesamt 12)
  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.