17. Juni: Gedenken an den Volksaufstand in Halle (Saale)

17. Juni 2013 | Vermischtes | 4 Kommentare

Vor 60 Jahren erhoben sich die Hallenser gegen das DDR-Regime. Mit einer Gedenkstunde im „Roten Ochsen“ wurde am Montag an die Opfer des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 erinnert.

Unter anderem legten Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand und Landrat Frank Bannert Kränze nieder. Wiegand kritisierte das Verwischen von Tatsachen und das Verdrehen von Meinungen zur damaligen Zeit. „Die Güter Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit und die Möglichkeit zu jedem Ort an jeder Stelle zu diskutieren, zu sprechen, Meinungen zu sammeln, aber auch in eine neue Richtung zu bewegen gibt unsere Gesellschaft.“ Landrat Bannert wies darauf hin, dass heute 9 von 10 Schülern nichts mehr mit dem Volksaufstand anzufangen wissen. „Das ist schlimm“, so Bannert, „weil eine Demokratie nur so stark ist wie die Demokraten selber.“ Weiter sagte er: „wir müssen begreifen, dass das Erinnern eine Geisteshaltung ist, die wichtig ist.“ Wichtig sei es dafür zu sorgen, dass sich etwas nie wiederhole.

Im halleschen Ratshof ist zudem noch bis zum 5. Juli die Ausstellung „Wir wollen freie Menschen sein! Der DDR-Volksaufstand vom 17. Juni 1953“ zu sehen. Die Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur wird vom Verein Zeitgeschichte(n) präsentiert. Autor der Ausstellungstexte ist der renommierte Historiker und Publizist Dr. Stefan Wolle. Für die Exposition wurden Fotos und Dokumente aus 25 Archiven ausgewählt. Neben Bildikonen, die in das öffentliche Gedächtnis eingegangen sind, präsentiert die Schau weithin unbekannte Bilder aus allen Regionen der DDR.

In Halle waren am 17. Juni 1953 mehrere in den Morgenstunden tausend Arbeiter und Angestellte vom Waggonbau Ammendorf zum Marktplatz gezogen, besetzten unter anderem die Staatsanwaltschaft. Viele Arbeiter anderer Betrieb schlossen sich entweder dem Demonstrationszug an oder legten ihre Arbeit nieder. Bei der Befreiung von Häftlingen aus dem Gefängnis „Roter Ochse“ gab es durch Schüsse der Wachmannschaften erste Tote. Sowjetische Panzer riegelten anschließend die Zufahrtsstraßen zum Gefängnis ab. Trotz Verhängung des Kriegsrechtes durch den sowjetischen Stadtkommandanten hatten sich am Nachmittag des 17. Juni mehr als 60.000 Menschen auf dem Hallmarkt versammelt.

Thematisiert wurde auch der Tod von Gerhard Schmidt, der eigentlich durch Polizeikugeln der Staatsmacht starb. Doch die DDR inszenierte seine Beisetzung als pompöses Staatsbegräbnis und verbreitete die Mär, Schmidt sei von „faschistischen Provokateuren“ erschossen worden.

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