125 Jahre Südfriedhof in Halle (Saale)

16. September 2012 | Vermischtes | Keine Kommentare

Ein kleiner Park, drumherum Plattenbauten: so hätte es wohl beinahe an der Huttenstraße in Halle (Saale) ausgesehen. „Es gab Überlegungen, den Südfriedhof an die Kasseler Bahn zu verlegen“, sagte Halles Baudezernent Uwe Stäglin. Doch dazu kam es nicht. Und so gibt es hier im Quartier weiterhin eine „grüne Oase“, wie Stäglin hervorhob. Ein wichtiger Ort, nicht nur um Abschied zu nehmen, sondern auch um einmal zu entspannen. Dass der Friedhof weiterhin hier zu finden ist und nicht am Stadtrand, ist für Stäglin wichtig: „Friedhöfe gehören genauso zu Stadt dazu wie Schulen, Kitas und Fabriken.“

Es war der 11. Dezember 1887, als Gustav Staude als damaliger Oberbürgermeister das Areal eröffnete. Wegen der zunehmenden Bevölkerungszahl und damit zwangsläufig später einhergehender Beerdigungen war der neue Friedhof – ebenso wie der kurz vorher eröffnete Nordfriedhof – dringend nötig. Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Erweiterungen.

Am Sonntag nun wurde das 125jährige Bestehen gefeiert. Der Verein für Friedhofskultur hatte dazu eingeladen und veranstaltete nach einem kurzen Festakt in der Feierhalle Führungen über das Gelände. In der Hand dabei: die neue Broschüre mit den hundert bedeutendsten Grabmalen auf dem Friedhof. Über die Stadtgrenzen hinaus berühmte Personen sind hier kaum dabei. Doch die kommunistische Widerstandskämpferin Martha Brautzsch hat hier ihre letzte Ruhstätte gefunden. Zu DDR-Zeiten wurde noch ein Kult daraus gemacht, dass sie von „faschistischen Mörderbanden“ 1946 umgebracht wurde. Doch neueste Forschungen haben ergeben, dass es marodierende Sowjettruppen waren, denen Brautzsch zum Opfer fiel. Auch sonst ist hier viel Geschichte aus der DDR zu spüren, beispielsweise den Gräbern der Sowjetsoldaten und der deutschen Antifaschisten. Beim Friedhofsverein hat wohl niemand mit dem riesigen Ansturm gerechnet. Um die 250 Hallenser waren zu den vier Führungen am Sonntagnachmittag gekommen.

Ein besonderes Highlight zum Jubiläum ist eine Münze, die durch den Dresdener Künstler Peter Götz Güttler hergestellt wurde. Die Umrisse der Feierhalle und ein Friedhofsplan sind auf der Vorderseite zu sehen, umrahmt vom Schriftzug „125 Jahre Südfriedhof“. Für die Rückseite hat sich der Verein für die Grabstätte des 1910 verstorbenen Rittergutsbesitzers Reinhold Rusche entschieden. 55 Euro kostet eine Medaille. Sie wurde in einer Auflage von 80 Stück hergestellt.

Obwohl der Südfriedhof größtenteils instand gesetzt wurde, bleibt noch ein Punkt zu tun. Vor wenigen Tagen ist die Ausschreibung für das Sozialgebäude veröffentlicht. 300.000 Euro soll die Sanierung kosten.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben