Regenbogenflaggen für mehr Toleranz: CSD auf dem Markt wurde gefeiert

7. September 2013 | Veranstaltungen | Keine Kommentare

Um kurz nach elf wurde sie gehisst: die Regenbogenfahne auf dem Marktplatz in Halle (Saale). Mit diesem symbolischen Akt wurde der Christopher Street Day 2013 eröffnet.

Der Machtwechsel im Rathaus machte sich auch hier bemerkbar. Denn nach Jahren nahm auch ein Stadtoberhaupt wieder an diesem Akt teil. Oberbürgermeister Bernd Wiegand, der sich bereits im vergangenen Jahr – damals noch als Dezernent – beteiligte, hisste diesmal auch in seiner neuen Funktion persönlich die Flagge. Wiegand hatte zudem die Schirmherrschaft übernommen. Auch die „Schwestern der perpetuellen Indulgenz“ und Baudezernent Uwe Stäglin beteiligten am Aufziehen die Flaggen.

Den ganzen Tag über gab es ein buntes Bühnenprogramm, welches mit Ständen von Vereinen, Institutionen, Parteien und Gastronomie umrahmt wurde. Auf der Bühne standen eine Bigband, der Kölner Musiker und Kabarettist Holger Edmaier, die Band ZeitNah und die Berliner Band Die Kusinen. Vereine wie der Schwul-lesbische Sportverein Saaleperlen, die Aids-Hilfe und die Initiative „Ich weiß was ich tu“ präsentierten sich. Zudem stand eine Diskussionsrunde mit den Bundestagskandidaten an. Gekommen waren Petra Sitte (Linke), Karamba Diaby (SPD), Sebastian Kranich (Grüne), Cornelia Pieper (FDP) und Stephan Schurig (Piraten). Die CDU hatte abgesagt. Dafür schauten Sozialminister Norbert Bischof (SPD) und Justizministerin Angela Kolb (SPD) als Privatpersonen auf dem Fest vorbei.

Im Rahmen des CSD wurden auch Forderungen aufgestellt. So wird eine Ergänzung der Gleichbehandlungsartikel im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und in der Landesverfassung von Sachsen-Anhalt um das Verbot der Benachteiligung aufgrund der sexuellen Identität gefordert. Daneben geht es um eine vollständige rechtliche Gleichstellung von Eingetragenen Lebenspartner_innen mit Eheleuten, z.B. beim Einkommenssteuerrecht und beim Recht auf Gründung einer Familie (gemeinsames Adoptionsrecht und gleichberechtigter Zugang zur Insemination) mit dem Ziel einer Öffnung der Ehe für Menschen gleichen Geschlechts. Ausgesprochen wird sich für die Verabschiedung eines gesamtgesellschaftlichen Aktionsplans für Akzeptanz von Lesben und Schwulen, Bi, Trans- und Intersexuellen (LSBTI) und gegen Homo- und Transphobie auf Bundes- und Landesebene, der auch die Bildungspolitik umfasst. Auch die vollständige Rehabilitierung der Menschen, die nach 1945 in beiden deutschen Staaten wegen ihrer Homosexualität verurteilt und ihrer Freiheit beraubt wurden, Einrichtung eines Entschädigungsfonds und Aufhebung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1957, das den § 175 in seiner nationalsozialistischen Fassung für rechtmäßig erklärte, wird gefordert. Mit Blick auf teilweise ausbleibende Zahlungen der Stadt, die Vereine an den Rand des Ruins bringt, wird sich auch für die Bereitstellung auskömmlicher und kontinuierlicher finanzieller Mittel gefordert für Projekte und Organisationen, die der Beratung und Unterstützung von LSBTI dienen oder die in den Bereichen Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit und Bildung zur Vielfalt der Lebensweisen lesbischer, schwuler, bi-, trans- und intersexueller Menschen tätig sind.

Organisiert hatten den CSD das Begegnungs- und Beratungs-Zentrum “lebensart” e.V. und AIDS-Hilfe Halle/Sachsen-Anhalt Süd e. V.


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