INDUSTRIEGEBIETSKINDER: Theaterfestival im Gasometer am Holzplatz startet

28. Mai 2015 | Veranstaltungen | Keine Kommentare

Vom 29. Mai bis 7. Juni lädt das Thalia Theater Halle zum Festival INDUSTRIEGEBIETSKINDER in die spektakuläre Kulisse des Gasometer Halle am Holzplatz in Halle (Saale) ein.

Zum Auftakt des Festivals zeigt das Thalia Theater am Freitag, den 29. Mai um 20:00 Uhr die Hallenser Produktion und Uraufführung NEU STATT STERBEN. Bereits ab 18.30 Uhr gibt es als Vorprogramm ein Konzert mit „mixtAPE“ und einen Walkact „Die Dicke“ (beides Eintritt frei). Um 19:45 Uhr wird das Festival eröffnet.

Ab 22:00 Uhr heizt die Band „EastboundClikk“ im Gasometer ein und im Anschluss klingt der Abend mit einer Party und den DJs „DJEK Pauer“ und „Rolandson inna YardieStyle aus“.

Ebenfalls an diesem Wochenende werden die Produktionen der Partnertheater zu sehen sein, die auch Stücke zu ehemaligen Industriestandorten entwickelten: „Ach je die Welt“ (Dortmund-Hörde) – eine Produktion des Kinder- und Jugendtheaters Dortmund und „The Working Dead – Ein hartes Stück Arbeit“ (Berlin-Oberschöneweide) – eine Produktion des Theater Strahl Berlin.
neustadtleben
NEU STATT STERBEN
Text und Regie: Katharina Brankatschk
Uraufführung und Premiere am Freitag, 29.05., 20:00 Uhr
Fast zwei Jahre Vorlaufzeit hatte NEU STATT STERBEN. Interviews wurden geführt, Zeitzeugenberichte ausgewertet, mit Jugendlichen aus der Region diskutiert. Wie empfinden ihre Bewohner die einstige „Stadt der Zukunft“? Was bleibt heute von einer Stadt, deren ideologischer und wirtschaftlicher Hintergrund weggebrochen sind? Als Antwort entstand im Rahmen des Festivals „Industriegebietskinder“ NEU STATT STERBEN, das wohl nicht zuletzt auch die Arbeit der Autorin und Regisseurin Katharina Brankatschk aufzeigt: Eine junge Frau hat den Auftrag, ein Theaterstück über Halle-Neustadt zu schreiben. Mag sie in Halle wohnen – von der Betonsiedlung im Westen der Stadt hat sie keinen Schimmer. Vom Paulusviertel aus macht sie sich also auf den Weg in die ehemalige Chemiearbeiterstadt, trifft dort auf Pioniere von gestern, Sozialarbeiter von heute und Rentner von morgen, die alle vor der gleichen Frage stehen: Wie soll es mit Halle-Neustadt weitergehen? Selbst ein Plattenbau lässt es sich nicht nehmen, sich höchstpersönlich zu Wort zu melden. Voller Nostalgie und Zuversicht, Perspektivlosigkeit und Hoffnung begeben sie sich mit diesem Stück auf eine rasante Zeitreise durch 50 Jahre Halle-Neustadt und seine Bewohner. NEU STATT STERBEN ist Koproduktion des Thalia Theater Halle und neues theater Halle mit dem Studio Halle, dem Jugendchor der Oper Halle und mit Jugendlichen aus der Region und wird während des Festivals sieben Mal im Gasometer zu sehen sein. Eingebettet sind die Inszenierungen in ein breit gefächertes Rahmenprogramm mit Workshops von Graffiti bis Plattengießen, mit Zeitzeugengesprächen, Stadtführungen, Filmvorführungen und mit Musik von Protagonisten der lokalen Szene.


Gastspiel ACH JE DIE WELT (Kinder- und Jugendtheater Dortmund)

von Anne Lepper, Samstag, 30.5., 20:00 Uhr
Marie-Ann, fast 15 Jahre alt, sucht nach dem Glück. Glück, dass bedeutet für sie, von den Jungen die auf dieser Welt leben geliebt zu werden. Marc, Tobias und Christopher sind schon 15 und suchen Alfried Krupp und seinesgleichen. Sie haben Angst, dass es für sie keine Arbeit mehr geben wird. Alfried Krupp und seinesgleichen sind verschwunden und mit ihnen die Industrie. Wo ist der Platz für sie? Muss jetzt das ganze 20. Jahrhundert wiederholt werden? Sie gehen in den Klub der Söhne. Anne Lepper hat einen Text voller Zitate und Anspielungen geschaffen, der eine Suchbewegung abbildet. Eine Suchbewegung ohne Richtung. Die jugendlichen Helden irren über ein grenzenloses Meer von Möglichkeiten, wie Schiffe ohne Kompass. Popkultur und Kino bilden starke Bezugspunkte. Solange die Musik laut genug ist, hören wir nicht wie die Welt aus den Fugen bricht. „Die Figuren sind zu grotesk um wahr zu sein, aber genau durch diese Übertreibung beschreiben Leppers Blagen Realitäten der Verwahrlosung. Psychologisches Verständnis paart sich hier mit einer Freude an literarischen Übertreibungen ins Surreale.“ – so Till Briegleb über die Dramatikerin Anne Lepper in der Süddeutschen Zeitung 2015


Gastspiel THE WORKING DEAD – Ein hartes Stück Arbeit (Theater Strahl Berlin)

von Jörg Menke-Peitzmeyer, Sonntag, 31.5., 18:00 Uhr
Jenny, Finn und Thamara mit h: alle drei wachsen in Oberschöneweide auf und verbringen dort ihre Jugend. Auch für sie stellt sich die Frage: Was kommt nach der Schule? Thamara mit h möchte an der berühmten Palucca Schule in Dresden Balletttänzerin werden und dann als Erste Solotänzerin an die Staatsoper. Das dauert noch mindestens 4 Jahre. Finn will etwas zerstören. Er hat kein Bock mehr auf das ewige Erzählen von früher und der guten alten Zeit als die Industriehallen in Oberschöneweide noch in Betrieb waren. Er will alles wegsprengen. Dafür will er drei Jahre eine Ausbildung zum Sprengberechtigten machen. Und Jenny, Finns Freundin? Sie will eigentlich nur ein Dach über den Kopf, eine Familie und als Friseurin arbeiten. Das reicht ihr. In der Nacht zum 1. Mai sehen Finn und Jenny Untote durch eine der alten Werkhallen ziehen. Sie reden von Arbeit. Was bedeutet Arbeit? Was ist die Vergangenheit wert und wann wird sie zur Fessel? Finn begibt sich auf eine Entdeckungsreise durch Oberschöneweide und dessen Vergangenheit und gerät dabei in Konflikte mit seinem Vater und seinem Großvater. Sogar mit Jenny kommt es zum Bruch. Finn bandelt mit Thamara mit h an. Jenny bleibt alleine zurück. Jeder der Teenager trägt seinen eigenen Konflikt mit der Zukunft, den Eltern und der Heimat aus. Wird der große Knall am Ende der Ausweg sein oder gibt es noch eine andere Lösung?

(Foto: Falk Wenzel)

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