Händel-Herbst: Stadt und Land bekennen sich zu den Händelfestspielen

13. November 2013 | Veranstaltungen | Keine Kommentare

Am Mittwochabend startete in der Moritzkirche in Halle (Saale) die Konzertreihe „Händel-im-Herbst“. Zur Eröffnung bekannten sich Oberbürgermeister Bernd Wiegand und Kulturstaatssekretär Jan Hofmann zu den Händelfestspielen

Das Musikfestival musste in diesem Jahr wegen der Hochwasserkatastrophe abgesagt werden. „Die Tage im Juni haben die Stadt sehr bewegt“, sagte Wiegand in seiner Eröffnungsrede. Zusammen mit der Stiftung Händelhaus und Ministerpräsident Reiner Haseloff sei man „einhellig“ zu der Entscheidung gekommen, die Händelfestspiele ausfallen zu lassen. „Niemand wusste was passiert“, beschrieb Wiegand die Flutsituation mit steigenden Pegeln, „es war eine unabsehbare Situation.“ Auch im Nachhinein stehe er daher zur Entscheidung der Absage.

Kulturstaatssekretär Hofmann, der Ministerpräsident Haseloff – der zurzeit bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin ist – vertrat sagte, das Land erkenne die Entscheidung der Stadt zur Absage an. Denn viele Menschen seien in einer existenziellen Notlage gewesen. „Die Festspiele wurden nicht einfach so abgesagt.“ Auch Händel hätte die Entscheidung nachvollziehen und verstehen können, so Hofmann. Trotz der angespannten Haushaltslage gab Hofmann „ein klares Bekenntnis des Landes zu seinen Musikfestivals“ aus. Für das kommende Jahr seien die Mittel im Haushalt eingestellt, für die Jahre darauf bestünden schon Verpflichtungsermächtigungen.

Nach den Grußworten wurde es musikalisch mit der Hamburger Ratsmusik (ECHO Klassik-Preisträger). Es erklangen Johann Christian Schieferdeckers Geistliche Konzerte neben frühen Werken Händels. Schieferdecker taucht in der Musikgeschichtsschreibung meist nur als Fußnote auf. Als Organist an der Lübecker Marienkirche kann er auf eine Reihe von Kompositionen verweisen, wovon allerdings nur wenige erhalten sind. Im Konzert stellt das Ensemble der Hamburger Ratsmusik Schieferdeckers protestantisch inspirierte Musik aus seiner Lübecker Zeit Händels in Rom komponierten katholischen Kantaten gegenüber. Dieses Konzert sollte ursprünglich am 8. Juni 2013 in der Patronatskirche Ostrau stattfinden. Als Dank für die große Spendenbereitschaft durch das Publikum und der Sponsoren fand das Konzert bei freiem Eintritt statt.

Am 14. November 2013 erleben Besucher die „November Lounge – Neue Musik und Barock im Dialog“. Mitten im kalten November verwandelt sich dann das Steintor Varieté in eine gemütliche Lounge, in der man in Sesseln und auf Sofas mit einem Drink ein Konzert der Extraklasse erleben kann. Dabei werden die Grenzen zwischen Genres, Stilen und Epochen aufgebrochen: Jazzige Grooves treffen auf Minimal Music, barocke Melodien auf elektronische Klänge. In Verbindung mit dem außergewöhnlichen Raum- und Lichtkonzept entsteht das Erlebnis direkter Nähe zu Musikern und Musik in einer Atmosphäre, in der Neue Musik, Barock und DJ-Sounds aus New York, Dresden, San Francisco und Hamburg zum vibrierenden Puls der Metropolen verschmelzen.

Das Konzert „Cantate Italiane“ sollte ursprünglich am 9. Juni zu den Händel-Festspielen erklingen und wird nun am 15. November nachgeholt. Das italienische Ensemble La Risonanza unter Leitung von Fabio Bonizzoni musiziert weltliche Kantaten Händels, die er in Rom in jungen Jahren komponierte. In der jüngsten Vergangenheit begeisterten die italienischen Musiker Publikum und Presse mit einer großartigen Händel-Kantatenreihe, die für das Label Glossa eingespielt wurde. Eine andere Kantaten-Einspielung aus der CD-Reihe wurde mit dem ersten Preis des Stanley Sadie Handel Recording Prize 2010 ausgezeichnet.
Am letzten Tag der „Händel im Herbst“-Reihe steht neben der Oper „Almira“ das Konzert „Handel with Care“ auf dem Programm. Arien ohne Worte führt die Lautten Compagney Berlin unter Wolfgang Katschner in ihrem neuesten Händel-Projekt auf. Dabei handelt es sich um neue Instrumentalbearbeitungen berühmter Musikstücke aus Opern, Kantaten oder Oratorien Händels. Schon zu Händels Zeiten erschienen Dutzende von Instrumentalbearbeitungen Händel’scher Vokalwerke. Händel selbst ging sehr sorgfältig mit der Instrumentalbesetzung seiner Arien um und erzielte besonders mit den Blasinstrumenten in üblichen und weniger üblichen Kombinationen außergewöhnliche Klangfarben. „Handel with Care“ war ursprünglich für den 9. Juni geplant.

Bereits im Mai gab die Stiftung Händel-Haus das Vorkonzert und Herbst-Arrangement zu den Händel-Festspielen 2014 für den 16. und 17. November 2013 bekannt, bestehend aus einem Festkonzert und der Opernaufführung „Almira“. Im Konzert stehen William Christie, die Sopranistin Emmanuelle de Negri sowie Chor und Orchester von Les Arts Florissants auf der Bühne. Mit dem Halle-Debüt des Grand Seigneurs der Alten-Musik-Szene William Christie gehen die „Händel im Herbst“-Tage in die Chronik der Händel-Festspiele Halle ein. Seit Jahrzehnten zählt das Ensemble mit seinem franko-amerikanischen Dirigenten und Cembalisten zu den weltweit renommiertesten Formationen der Barockmusik. Viele begeisterte Fans reisen nach Frankreich und in die Musikzentren Europas, um dieses Ensemble live zu erleben. Der 1944 in Amerika geborene William Christie lebt seit 1971 in Frankreich und ist einer der profundesten Kenner der Barockmusik und im Besonderen der Werke Händels. William Christie gründete 1979 Les Arts Florissants, mit dem er schnell seinen ganz eigenen Stil etablierte. Die Musiker agieren nicht nur technisch, sondern auch emotional auf einem unglaublich hohen Niveau. Mit mehr als 70 CDs und zahlreichen Preisen dekoriert leistete Christie Pionierarbeit auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis. Aufgrund der großen Nachfrage sind nur noch wenige Karten verfügbar. Die Oper „Almira“ ist das früheste erhaltene Musiktheaterwerk Händels. Es ist ein Beispiel für die blühende deutsche Oper, wie sie sich vor allem in Hamburg und Leipzig im frühen 18. Jahrhundert großer Popularität erfreute. Das Libretto weist den für das hamburgische Theater der damaligen Zeit typischen Stilmix aus ernsten und komischen Szenen auf. „Die Sänger sind sämtlich sehr jung und vielversprechend. Das Händelfestspielorchester kommt, unter Leitung von Andreas Spering, schnell auf Touren und sorgt dafür, dass die kurzen Nummern, nach Bürgeropernart auf Deutsch, Italienisch und Französisch durcheinandergesungen, Farbe und Leben gewinnen. Es war ein großer Erfolg, das Publikum begeistert.“ (FAZ vom 25.06.2013)

Die Internationale Wissenschaftliche Konferenz findet parallel vom 14. bis 16. November statt und wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die öffentliche Mitgliederversammlung der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft e. V. schließt sich am letzten Tag der Konferenz um 14 Uhr an. Sowohl die Konferenz als auch die Mitgliederversammlung haben freien Eintritt.

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