Entdecke Halle: Stadtmuseum eröffnet neue Dauerausstellung

8. Mai 2013 | Veranstaltungen | 1 Kommentar

Unter dem Motto „Entdecke Halle“ eröffnet das Stadtmuseum in Halle (Saale) am 12. Mai seine neue Dauerausstellung. Los geht es mit einem Tag der offenen Tür von 11 bis 17 Uhr. Dabei wird unter anderem ein Symbolgebäck mit dem Stadtwappen geben, den Hallreiner. Puppenspiel, Musik und Schauhandwerk wird es geben.
„Endlich ist es soweit“, sagte Stadtsprecher Drago Bock. Immerhin sollte die Eröffnung eigentlich schon im vergangenen Jahr sein, hatte sich aber erheblich verzögert.

Jane Unger, seit März neue Museumschefin, lobte die engagierten Mitarbeiter, die dem Haus ein neues Fundament für die Ausstellung geben. Damit wolle man wuchern und den Ort wieder zu dem machen, was er sein kann: „der zentrale Ort der Stadtgeschichte in Halle.“ Die Titel der Ausstellungen sollen erfahrbar und erlebbar sein. „Das ist die Herausforderung, vor der wir hier stehen.“ Unger versprach ein starkes Museum mit Überraschungen. „Das ist einfach der Anspruch, den wir haben.“

Ausstellungskuratorin Susanne Feldmann hat die Schau konzipiert. Künftig wird sie als feste Mitarbeiterin tätig sein, auch ein Wunsch viele Stadträte. Wie Feldmann sagte, werde noch an allen Ecken bis zur letzten Sekunde vor der Eröffnung gewerkelt. Die lange Dauer der Erarbeitung begründete sie mit der Komplexität. Überlegt habe man sich, wie man im 21. Jahrhundert die Stadtgeschichte darstellen kann. Deshalb habe man die Schau in fünf Themenbereiche unterteilt. Im Ersten stehen Siedlungsgunst und -entwicklung der Stadt im Mittelpunkt. “Made in Halle” heißt der zweite Themenbereich mit Produkten, die aus Halle kommen und teilweise überregionale Bedeutung haben. Im dritten Bereich geht es mit dem Titel “Die Welt in Halle” darum, welche Beziehungen die Hallenser in alle Welt haben und welche Einflüsse von Außen die Entwicklung in Halle beeinflusst haben. Der vierte Bereich wird den Titel “Stadt als Gemeinschaft” tragen. Dabei sollen auch Personen gezeigt werden, die die Stadtgemeinschaft ausmachen wie beispielsweise eine Büste von Riebeck. “Halle im Herzen?!” widmet sich dem Thema Bilder von Halle, Ansichten und Eindrücke. Die Besucher können dabei auch ihren eigenen Eindruck von Halle übermitteln. Zunächst werden nur drei Themenbereiche eröffnet, für die zwei weiteren muss erst die 2. Ausstellungsetage saniert werden. Im Haushalt ist die Instandsetzung aber erst für 2017 vorgesehen.

Zu sehen sind mehr als 500 Objekte, so unter anderem ein Stadtmodell aus dem Jahr 1961, das die Stadt um 1600 zeigt. Ein FH-104-Modell der Siebel-Flugzeugwerke erinnert an die Flugzeug-Baugeschichte der Stadt. Die Kunsthochschule steuert einen restaurierten Keramikofen von Gustav Weidanz bei. Ein Zuckerhut erinnert an die „Zuckerbude“.

Der Straßenbahngeschichte wird sich auch gewidmet. Aus Zeiten, in denen der Straßenbahnfahrer noch an der Kurbel stand, wird dazu ein Schleifringfahrschalter der Firma Siemens Schuckert gezeigt. Das Exponat, dass für Beschleunigung und Bremsen der Trams zuständig war und aus den 1930er Jahren stammt, ist eine Dauerleihgabe des Vereins der halleschen Straßenbahnfreunde und wurde am Samstag von der Feuerwehr ins Museum gebracht. Auch ein Stück Fahrdraht mit doppelter Klemme aus den 1960ern wird zu sehen sein.

Zudem lebt die Waggonbautradition fort. 1948 wurden in Halle-Ammendorf die ersten Reisezugwaggons für die Sowjetunion gebaut. Anfang der 90er endete diese Tradition, wenige Jahre später war der komplette Waggonbau tot. Ein Modell eines Russland-Waggons wird in der Schau zu sehen sein. Jahrelang verstaubte es im Keller der ehemaligen Berufsschule des Waggonbaus Ammendorf in der Julius-Ebeling-Straße. Selbst im Inneren des Modells wurde Wert auf Details gelegt, nicht nur Sitze sondern auch Toiletten, Mini-Feuerlöscher und Gardinen gehören dazu, ebenso kleine Tischlampen – genauso wie das große Original. Und während von Halle aus nach Russland beziehungsweise die Sowjetunion geliefert wurde, gab es auch ein Geschenk aus Moskau: die dortigen Straßenbahnbauer schenkten Ernst Thälmann 1927 eine Freundschaftsfahne. Die kam 1954 ins Stadtmuseum, wurde nun restauriert und wird ebenso gezeigt.

Doch auch den Böcklin-Bonus-Heften widmet sich die Schau. Carlo Böcklin und Beate Bonus hatten 1911 vier Geschichten einer modernen Form des Kasperletheaters auf den Markt gebracht. Gedruckt wurden die Werke im Druckereigebäude, das heute als Standort für die neue Dauerausstellung des Museums dient.

Die Spatensammlung der früheren Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados wird ebenso zu sehen sein wie ein mittelalterliches Stadtmodell. Erinnert wird auch an die Fernsehgeschichte. So sind der graue Mantel von Kommissar Schmücke und die schwarze Lederjacke von Kommissar Schneider aus dem Polizeiruf ins Museum gewandert.

Die neue Dauerausstellung lädt zum Anfassen, Entdecken und gegenseitigen Austausch ein. Sie ist barrierefrei zugänglich und bietet auch Menschen mit Sehbehinderungen zahlreiche Angebote zur selbständigen Erkundung der Stadtgeschichte. In Zusammenarbeit mit dem Behindertenverband und dem Berufsförderungswerk sind Objekte zum Anfassen entstanden, Tastmodelle, Geruchs- und Hörstationen. Auch einen Audioguide wird es geben.

Für die neue Dauerausstellung wurde das ehemalige Druckereigebäude mit Hilfe des Konjunkturpakets II. 2,3 Millionen Euro wurden dafür investiert. Die Gestaltung der Ausstellung hat weitere 500.000 Euro gekostet.

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