„Carl Wentzel und sein Agrarunternehmen“

3. April 2018 | Rezensionen, Veranstaltungen | 1 Kommentar

Am Donnerstag, den 5. April 2018, um 18.00 Uhr präsentiert der Hasenverlag im Schloss Teutschenthal mit einer Lesung seine Neuerscheinung „Aufstieg und Fall“. Der Eintritt ist frei. In dem Doppelheft 37/38 der beliebten Reihe „Mitteldeutsche kulturhistorische Hefte“ widmet sich Eva Scherf Carl Wentzel und seinem Agrarunternehmen. Carl Wentzel (1876-1944) war einer der erfolgreichsten Agrar-Industrie-Unternehmer Deutschlands, der 1944 als angeblicher Mitverschwörer des Attentats auf Hitler hingerichtet wurde.

Die Autorin erzählt auf den 120 Seiten die wechselhafte Geschichte von Aufstieg und Absturz. Alles begann zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Johann Gottfried Boltze (1802-1868), dem es gelang, in kürzester Zeit ein einzigartiges Großunternehmen aufzubauen. Boltze übertrug Prinzipien der Industrieproduktion auf die Landwirtschaft und wurde so zu einem Pionier der Gründerzeit. Da Boltze keinen männlichen Nachfolger hatte, ging der Besitz durch Heirat zunächst für ein halbes Jahrhundert an die Familie Zimmermann über.

Die Familie Wentzel war schon seit dem 18. Jahrhundert Gutsbesitzer in Teutschenthal. Durch die Vermählung (1906) von Ella Zimmermann mit Carl Wentzel wurden die beiden Unternehmen zusammengeführt zur Handelsgesellschaft Carl Wentzel/J.G. Boltze. Eine neue Ära begann. Kontinuierlich wurde der Grundbesitz vergrößert und man öffnete sich den Agrarwissenschaften. So entstand u.a. eine eigene Feldversuchsstation. Der Erste Weltkrieg und die Zeit der Inflation waren schwierige Jahre für das Unternehmen. Allmählich schärfte sich Wentzels Blick für die Probleme seiner Arbeiter. So entstanden Siedlungshäuser und soziale Einrichtungen. Etwa 40.000 Menschen arbeiteten in dem Unternehmen, zu dem neben der Landwirtschaft auch Zuckerfabriken, Kaolingruben, Mühlen oder eine Saatzuchtanstalt gehörten.

Breiten Raum nimmt die Erörterung von Wentzels Haltung während der Jahre 1933 bis 1944 ein. War er ein Gegner des Regimes? Hat er von ihm nicht auch profitiert? Scherf zieht zur Beantwortung dieser Fragen möglichst viele Quellen hinzu. Tatsache ist, dass Wentzel im November 1943 der Widerstandsgruppe um Karl Goerdeler in seinem Haus ein Podium bot, was den Nationalsozialisten reichte, ihn am 20. Dezember 1944 in Plötzensee hinzurichten. Doch das Todesurteil war nicht zugleich auch das Ende des Unternehmens; das kam mit der Bodenreform, wo der größte Teil des Landbesitzes an Neubauern aufgeteilt wurde. Nach der Wende 1989/90 erhielten die Nachfahren einen Teil ihres Grundbesitzes zurück und so geht die Familiengeschichte weiter. Doch das ist eine ganz andere Geschichte … Wie in allen Bänden der „Mitteldeutschen kulturhistorischen Hefte“ wird der aufschlussreiche Text durch zahlreiche historische Abbildungen komplettiert. Ein interessanter Beitrag zur Regionalgeschichte.

Eva Scherf: „Aufstieg und Fall – Carl Wentzel und sein Agrarunternehmen“, Hasenverlag Halle/Saale 2018, Heft 37/38 der „Mitteldeutschen kulturhistorischen Hefte“, 16,00 €, 120 S., ISBN 978-3-945377-32-1

 

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