70 Jahre nach Kriegsende: War Requiem erklingt in Halle

17. April 2015 | Veranstaltungen | 3 Kommentare

Gleich mit mehreren Veranstaltungen erinnert Halle (Saale) an das Kriegsende vor 70 Jahren.
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Größte Aktion ist dabei die Aufführung des „War Requiem“ von Benjamin Britten am 4. Mai um 19.30 Uhr in der Händelhalle. Das Stück wurde bislang noch nie in Halle gezeigt. Das Werk wurde am 30. Mai 1962 anlässlich der wieder errichteten Kathedrale von Coventry, die im Zweiten Weltkrieg durch deutsche Luftangriffe zerstört worden war, mit überwältigendem Erfolg uraufgeführt. Britten vertonte hierfür den Text der lateinischen Totenmesse (interpretiert von Sopran, Chor und Orchester), ließ die tröstenden Passagen des lateinischen Texts vom Knabenchor mit Orgelbegleitung singen und fügte erschütternde englischsprachige Kriegsgedichte von Wilfried Owen hinzu, der im Alter von 25 Jahren in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs fiel (interpretiert von Tenor, Bariton und Kammerorchester). Britten war diese Verknüpfung enorm wichtig: »Was ich schreibe, wird wohl eines meiner wichtigsten Stücke werden. Diese großartige Lyrik, voller Hass auf die Zerstörungswut, bildet eine Art Kommentar zum Requiem.« Durch diese einmalige Werkstruktur gelang dem Komponisten ein bis heute eindringlicher und persönlicher Appell gegen den Krieg und für Versöhnung.

100 Einladungen an die politische und kulturelle Prominenz habe man verschickt, so Oberbürgermeister Bernd Wiegand. Eingeladen ist aber jeder Hallenser, zu kommen. Die Tickets gibt es ab 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. In Chemnitz habe er vor 20 Jahren die Aufführung erlebt, so Rolf Stiska, Chef der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle. „Das hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“ Das Thema sei wieder hochaktuell. „Die Aufführung ist nicht nur dem Gedenken gewidmet, es will verstanden wissen.“ Man wolle warnen vor der Kriegsgefahr, so Stiska, und Wachrütteln aus dem Schlaf des Vergessens. Doch wegen des enormen Aufwands ist das Stück nur selten zu sehen. So werden etwa 250 Personen bei der halleschen Aufführung auf der Bühne stehen. Solisten sind KS Romelia Lichtenstein (Sopran), Robert Sellier (Ternor) und Peter Schöne (Bariton). Dabei sind auch der Chor der Oper Halle, die Robert-Franz-Singakademie, der Leipziger Oratorienchor und der Stadtsingechor zu Halle. GMD Josep Caballé-Domenech wird dieses besondere Konzert dirigieren.

Am 19. April 2015 jährt sich die Rettung von Halle (Saale) zum 70. Mal. Anders als viele andere Städte Deutschlands wurde die Saalestadt vor der Zerstörung bewahrt. Zuvor rieselten Flugblätter mit dem Wortlaut “Übergabe oder Vernichtung” auf die Stadt nieder. An die damaligen Ereignisse soll groß gedacht werden. Auf dem Marktplatz wird eine Gedenkveranstaltung stattfinden, zu der auch schon Halles Ehrenbürger und Ex-Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher zugesagt hat. Eingeladen wurde zudem US-Botschafter John B. Emerson. Während der Veranstaltung sollen die damaligen Verhandlungen zwischen Felix Graf Luckner und General Terry de la Mesa Allen, Kommandeur der 104. US-Infanteriedivision „Timberwolf“ noch einmal von Schauspielern in historischen Uniformen dargestellt werden. Im Anschluß werden dann die Friedensglocken der Marktkirche läuten. Los geht es zunächst um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Marktkirche. Um 10.20 Uhr spielt der Posaunenchor von den Hausmannstürmen.

Und am 25. April um 17 Uhr lädt der Kinderchor – das Original zum Konzert „…und verraucht der letzte Brand“ in die Ulrichskirche ein. Unterstützung bei diesem sehr nachdenklichen und emotionalen Konzert erfährt der Kinderchor vom Jugendchor der Stadt Halle und Mitgliedern des Lehrerchores der Stadt Halle. Dankenswerter Weise bringen sich die Sängerin und Schauspielerin Katrin Schinköth-Haase und der Schauspieler Tom Wolter sowie die Pfeifferstuhl Music Halle in das Konzert ein. Die Gesamtleitung liegt in den Händen von Sabine Bauer und Manfred Wipler. Das Konzert wird von der Stadt Halle unterstützt. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 10 Euro.

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