Wohnpark Paulusviertel: Stadt erwartet keine neuen Parkplatzprobleme

17. November 2012 | Umwelt + Verkehr | 4 Kommentare

Schon im kommenden Frühjahr will die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) loslegen und das ehemaligen Regierungspräsidium umbauen. Auch ein neuer Wohnblock ist geplant, so dass hier insgesamt 130 Wohnungen entstehen werden. Doch Anwohner laufen Sturm. Zum einen protestieren sie gegen den Wegfall von Grünflächen, sehen durch den Neubau ihre Aussicht gestört und befürchten zudem eine Verschärfung der Parkplatzproblematik.

Doch für eine Untersuchung, welche Auswirkungen das Bauvorhaben verkehrstechnisch hat, sieht die Stadtverwaltung keine Veranlassung. „Es wird eingeschätzt, dass durch
die Realisierung des Projekts „Wohnpark im Paulusviertel“ keine verkehrslenkenden
Maßnahmen notwendig werden“, erklärt Baudezernent Uwe Stäglin auf Nachfrage von Grünen-Fraktionschef Oliver Paulsen.

Unter anderem wird eingeschätzt, dass der Bedarf an Stellplätzen für die 130 Wohnungen gedeckt werden kann. Denn immerhin sind in zwei Tiefgaragen zusammen 143 Parkplätze vorgesehen. „Es ist sogar wahrscheinlich, dass Tiefgaragenstellplätze mangels interner Nachfrage fremdvermietet werden, was zum Großteil den wegfallenden Parkplatz kompensieren könnte“, meint Stäglin. Schließlich zeichne sich das Paulusviertel durch eine geringe Motorisierung von nur 0,61 Fahrzeugen pro Wohneinheit aus.

Auch auf den fließenden Verkehr wird das Bauvorhaben keine Auswirkungen haben. „Grundsätzlich ist die weit überwiegende Wohnnutzung für die Situation des fließenden Verkehrs verträglicher einzustufen als die früher öffentliche Nutzung als Verwaltungsstandort“, erklärt Stäglin weiter. Weil die Erschließung des Geländes verteilt auf zwei Tiefgaragenzufahrten in der Willi-Lohmann- und Schleiermacherstraße erfolgen soll, erwartet die Stadt „aufgrund der jeweils geringen Anzahl zu- und abfahrender KFZ nicht mit signifikanten Störungen des Verkehrsablaufs im Paulusviertel.“

Den ruhenden Verkehr, als parkende Autos, habe man im gesamten Stadtteil kürzlich kartiert und bewertet. „In vielen Straßen ist, wie erwartet, ein Parkraumdefizit auszumachen, was unter Einbeziehung der Stellplätze auf den Privatgrundstücken jedoch nicht so dramatisch ist, wie es in der Presse dargestellt wird“, erläutert Stäglin. Die Einführung einer Bewohnerparkzone würde zu keiner spürbaren Entspannung führen, „da der Parkdruck fast ausschließlich von den Bewohnern selbst verursacht ist.“ Stattdessen setzt Stäglin drarauf, dass aus privater Initiative heraus auf Privatflächen zusätzliche Angebote geschaffen werden. Unterstützen wolle man zudem den Ausbau von Car Sharing.

Unterdessen verstärkt eine Bürgerinitiative im Viertel ihren Kampf gegen das Bauvorhaben. So wurde nun eine Petition gestartet, um weiteren Druck auf Stadtverwaltung und HWG auszuüben. Die Initiative will, dass die HWG auf den Neubau verzichtet und auf dem Gelände stattdessen einen Park einrichtet.

Weiterführende Artikel:
Paulusviertel: Anwohner rebellieren gegen Pläne am Regierungspräsidium
Regierungspräsidum: Baustart im Frühjahr 2013

Print Friendly, PDF & Email
4 Kommentare

Kommentar schreiben