Verkehrsclub VCD sieht ausreichend Kapazität für Fernbusse am Busbahnhof Halle

25. Februar 2015 | Umwelt + Verkehr | 1 Kommentar

„Die vorhandenen überdachten Busbahnsteige (1 bis 6) ermöglichen es, bis auf Bahnsteig 6, Fernbussen nicht, das Gepäckfach zu öffnen“, so hat es Baudezernent Uwe Stäglin auf Stadtratsanfrage der Fraktion „Die Linke“ erklärt und verteidigt, dass die Fernbusse weiterhin am Rand und ohne Überdachung halten.

Das sorgt nun für Kritik vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Halle habe einen optimalen Busbahnhof auch für Fernbusse. Und diese Chancen sollte die Stadt nutzen. „Unser ZOB bietet optimale zahlreiche zusätzliche Kapazität für Fernbusse, so VCD Fernbus Experte Jan Krehl. Davon könnten andere Städte nur träumen. Bei einem Vor-Ort-Termin im vergangenen Jahr mit Vertretern der Stadt Halle, OBS, HAVAG und Fernbusunternehmen habe sich herauskristallisiert, dass der Saalekreis beziehungsweise der OBS die Nutzung freier Bussteige blockiere. „Nur zweimal am Tag sind die Bussteige 1 bis 6 zeitgleich durch Linienbusse belegt“, so Krehl. „Das sind Zeiten, wo ohnehin kein Fernbus in Halle hält.“
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Bis auf die zweimal relativ kurzen Belegungen aller Bussteige, seien von 9 Bussteigen tagsüber nur vier Bussteige abwechselnd durch Linienbusse belegt. Flexibel könnten Fernbusse die freien Bussteige ansteuern und damit die Kapazität erhöhen. Dies geschehe bereits seit einiger Zeit, wenn OBS-Busse oder PKW den Fernbus-Bussteig blockieren und die Fernbusse auf einen anderen Bussteig ausweichen müssen. Ohne bauliche Maßnahmen und nur mit ein wenig Organisation sei es möglich die Kapazität des ZOB für Linienbusse und Fernbusse zu steigern.

Krehl bezweifelt die Aussage von Uwe Stäglin, dass Fernbusse bei den Bussteigen 1 bis 6 die Gepäckfächer nicht öffnen könnten. Fernbusse hätten bereits mehrfach Gepäckfächer in den Bussteigen 2-5 geöffnet, entladen und beladen. Das Öffnen sei problemlos möglich, argumentiert der VCD mit Fotobeweis. „Ist hier ein Unwillen der Stadt zu erkennen?“, fragt Krehl.

Man biete der Stadt und Baudezernent Stäglin fachkundige Beratung und die Erstellung eines Konzeptes zur Nutzung des ZOB an. Dazu gehöre auch eine Nutzungsgebühr für alle Busse, die auf dem ZOB halten. Für Touristen und Menschen, die ihr Auto stehen lassen und Fernbus fahren, ist der Halt in Halle eine Einladung die Stadt zu besuchen. Die ebenfalls von der Verwaltung überlegte Auslagerung in die Ernst-Kamieth-Strasse oder alternativen Standorten sieht der VCD sehr kritisch. Zudem gebe es keinen Grund, da der ZOB noch viel bisher ungenutzte Kapazität biete.

„Anstatt zu blockieren sollte Halle seinen Vorzug mit einem modernen ZOB nutzen und Fernbusse in die Stadt locken, sowie Fernbusunternehmen animieren anstatt wie in Leipzig am Rande einer Straße, den gut ausgebauten ZOB in Halle anzusteuern und als Knotenpunkt zu nutzen“, so Krehl. Jeder Fahrgast der in Halle aussteige bringe Geld mit in die Stadt. Mit Fahrplanwechsel im Dezember würden zudem auch die Verbindungen mit Nahverkehrszügen in das Umland deutlich attraktiver. Mehr Züge und schnellere Zugverbindungen erschließen das Umland. Der hallesche Hauptbahnhof mit dem ZOB sei eine attraktive Drehscheibe für den öffentlichen Verkehr und biete deutliche Vorteile gegenüber dem Auto.

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