Verkehrsclub VCD: Positives und Negatives zum Fahrplanwechsel

13. Dezember 2015 | Umwelt + Verkehr | 2 Kommentare

Am Sonntagmorgen trat der Fahrplanwechsel in Kraft. Für die Region Halle (Saale) war dieser mit den größten Änderungen der letzten Jahre verbunden. Grund sind Bauarbeiten, neue Streckenverbindungen und neue Betreiber.

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Der Verkehrsclub Deutschland VCD hat den Fahrplanwechsel zum Anlass genommen, das Angebot zu testen. Zufrieden ist der VCD mit der Inbetriebnahme der Neubaustrecke von Halle nach Erfurt. Dies sei eine längst überfällige Investition, sagt Jan Krehl vom VCD in Halle. Fahrkomfort und der Pünktlichkeit der ICE-Züge seien gut. Besonders bemerkbar seien die kurzen Fahrzeiten nach Frankfurt, von nur 2 Stunden und 42 Minuten. Vor Fahrplanwechsel und Inbetriebnahme der Neubaustrecke brauchten die schnellsten Züge für dieselbe Strecke 3 Stunden und 37 Minuten.
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Enttäuscht zeigt sich der VCD dagegen von den neuen Waggons auf der IC Linie Leipzig-Halle-Magdeburg-Hannover. Hier fahren ab sofort Doppelstockzüge, von der Bahn als IC2 bezeichnet. Bereits im Vorfeld hatte der VCD die Waggons kritisiert und als „Kundenverarsche“ bezeichnet. Die Waggons würden aus Bestellungen für den Nahverkehr stammen und vom Hersteller als Regionalwagen entwickelt und vermarktet. Dieser fertige auch Doppelstocktriebwagen für den Fernverkehr, die deutlich komfortabler und für Fernverkehrszüge zugeschnitten seien, was die schweizerische Bundesbahn beweise. Doch seien solche Waggons eben teurer. Und die VCD-Kritik ist lang: Harte kaum verstellbare Sitze, keine Trennwände gegen Zugluft und Geräusche, fehlende Gepäckablagen für Koffer, quer angebrachte Sitzen, Sitzen an den Toilettentüren und Kleinkindbereiche direkt mit Pendeltür zur Treppe, sowie fehlende Ruheabteile.
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Wegen Bauarbeiten ist der hallesche Hauptbahnhof in den kommenden beiden Jahren eine Großbaustelle. Dadurch werde es Einschränkungen geben. Der Bahnverkehr mit Regionalzügen sei nicht attraktiver gemacht worden. Einzig die schnelle RE-Linie nach Naumburg, die bisherige Fernverkehrszüge ersetzt, sei ein Gewinn. Allerdings verkürzen sich die Fahrzeiten nach Apolda, Weimar und Erfurt im Regionalverkehr nicht. Die schnelleren Regionalzüge von abellio fahren von Leipzig aus. Das Erzgebirge als touristisches Ziel und Berufspendlerstrecke, mit Ziel Zwickau werde künftig mit dem Auto attraktiv. Mit Fahrplanwechsel falle die stündliche schnelle Direktverbindung mit der SX5 weg. Bisher brauchten die Züge der SX5 von Halle bis Zwickau nur 1 Stunde und 46 Minuten. Mit Fahrplanwechsel wurden die Verbindungen auf die langsame S5 umgestellt, die für dieselbe Strecke 2 Stunden und 9 Minuten brauche.

Die Betriebsübernahme von abellio lief nicht so reibungslos ab, wie HalleSpektrum.de bereits am Sonntag berichtete. Verspätungen mit 25 Minuten seien kaum akzeptabel für Kunden, die Anschlüsse erreichen müssen. Allerdings gesteht der VCD neuen Unternehmen nach Betreiberwechsel 100 Tage Eingewöhnungszeit zu. Spätestens dann müsse der Betrieb eingespielt sein und alles vorbildlich laufen. In NRW zeige abellio höhere Qualität mit Pünktlichkeit, Personal, Service und Fahrzeuge, als die Deutsche Bahn. Genau diese Standards wie in NRW, erwartet der Fahrgastverband VCD auch in Mitteldeutschland. „Was abellio in NRW schafft, sollte abellio auch in Mitteldeutschland schaffen.“

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