Umweltverein gegen mehr Wassertourismus auf der Saale

5. August 2015 | Umwelt + Verkehr | 26 Kommentare

Der Wassertourismus auf der Saale soll ausgebaut werden. Das plant Oberbürgermeister Bernd Wiegand. Und damit zieht er Kritik von Umweltschützern auf sich.

Es fehle „komplett die Berücksichtigung der Bedeutsamkeit des Planungsraumes als vielfältiger Natur- und Landschaftsraum, welcher Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bietet“, so der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA). Die Stadt wolle Umwelt, Landschaft und Natur den Bedürfnissen des Tourismus unterordnen. Erforderlich sei es aber, den Tourismus in die Schutzbedürfnisse dieser sehr bedeutsamen, arten- und strukturreichen Natur- und Landschaftsräume einzuordnen. So stört man sich an neuen Anlegestegen und Stellplätzen sowie der Öffnung der Wilden Saale für Paddler. „Was jahrzehntelange Verschmutzung von Luft und Wasser nicht geschafft haben, scheint so nun greifbar nah zu sein und zwar drohende nachhaltige Schädigungen in der Saaleaue“, so der AHA. Es sei unverantwortlich, das 1983 erwirkte Verbot des Befahrens der Wilden Saale wieder zu kippen. Die Wilde Saale habe sich im Rahmen der Schutzmaßnahmen zu einem sehr wichtigen, arten- und strukturreichen Lebens- und Rückzugsraum entwickelt. So brüten hier laut AHA z.B. Eisvögel, vereinzelt auch Beutelmeise und überwintern Gänsesäger und zahlreiche Entenarten, ebenso tauchen Biber auf. Durchgeführte Holzungsarbeiten am Ufer im Südteil der Peißnitzinsel lassen erahnen, was einer Freigabe der Wilden Saale für den Bootsverkehr, vorangehen könnte. Dazu zähle neben massiven Holzungen die Beseitigung einer sehr wichtigen Kies- und Sandbank in Höhe des Gimritzer Parks und des Sandangers. Diese Maßnahmen fänden dann jedes Jahr Neuauflage, um die Wilde Saale schiffbar zu halten. Dann sei es nur die Frage der Zeit, wann das erste Motorboot den Flussteil befährt. Nicht zu reden von schwer einsehbaren Aktivitäten wie Anlegen an den Ufern mit Zelten und Spontanpartys, so der AHA. Es habe den Anschein, die Paddler in die Nebenarme „abzuschieben“, um den schnellen und langsamen Motorbooten auf den Saalehauptarmen den freien Raum zu überlassen. „Die gegenwärtigen Abgas- und Lärmbelästigungen, einhergehend mit massivem Wellenschlag, tragen schon jetzt zu massiven Störungen im Landschaftsschutzgebiet und an den NSG bei“, kritisiert der AHA.

Katastrophal wäre aber auch eine Ausweitung der Steganlagen und Stellplätze entlang der Saale. Der bisherige Wildwuchs an Salinehalbinsel, unterhalb der Burg Giebichenstein sowie in Brachwitz und Salzmünde seien abschreckende Beispiele genug. Für Kritik sorgen beim AHA auch angedachte Brücken zwischen Salinehalbinsel und dem Sandanger sowie zwischen der früheren Papierfabrik in Halle-Kröllwitz und dem Forstwerder in Halle-Trotha. „In den Plänen der Stadt Halle (Saale) kommen Natur und Landschaft nur als Bauland sowie maximal als Kulisse für zunehmenden Boots- und Schiffsverkehr vor.“ Problematisch seien Planungen für eine Umtragestelle für Paddelboote am Pulverweidenwehr zu sehen.

Aus diesem Grund fordert der AHA eine Wassertourismuskonzeption in und für Halle (Saale), welche Naherholung und Tourismus dem Schutz und Erhalt von Natur, Landschaft und Umwelt unterordne. „Was nützt es uns Natur und Landschaft für Naherholung und Tourismus zu nutzen, wenn diese massiv geschädigt oder gar Zerstörung erfahren soll und somit ihre Arten- und Strukturvielfalt verliert, welche aber u.a. die anziehende Wirkung für die Bevölkerung ausmacht.“

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Dieses Thema enthält 26 Antworten und 9 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  hei-wu vor 3 Jahre, 7 Monate.

Ansicht von 25 Beiträgen - 1 bis 25 (von insgesamt 27)
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  • #166416

    Der Wassertourismus auf der Saale soll ausgebaut werden. Das plant Oberbürgermeister Bernd Wiegand. Und damit zieht er Kritik von Umweltschützern auf
    [Der komplette Artikel: Umweltverein gegen mehr Wassertourismus auf der Saale]

    #166417

    Anonym

    als passionierter Faltbootfahrer mit großer Empathie für den Naturschutz liegt mir die hier aufgeführte Argumentation schon schwer im Magen.

    Für Ruder und Paddelboote sollte die Beseitigung der oberen Sandbank an der wilden Saale jedoch nicht notwendig sein. Eher wäre sie ein natürliches Regularium anhand des Wasserstandes zum Befahren der wilden Saale.

    Etwas anderes ist die Naturschutzargumentation. Den Eisvogel selbst sah ich selbst an der Wilden Saale auf Höhe der Rabeninsel, vom Vorkommen an der Wilden Saale Höhe Peißnitzinsel hörte ich von Biologen. Zum Leben braucht der an sich scheue Eisvogel nicht nur ein fließendes Gewässer sondern auch ausreichend Bewuchs an den Ufern. Der dort geplante (sinnlose) Kahlschlag angeblich für den Hochwasserschutz stellt jedoch den fundamentaleren Eingriff dar. Danach gibt es dort nichts mehr zu schützen. Auch keinen Eisvogel mehr. Insofern verwundert mich das Schweigen des AHA zu diesem Eingriff doch sehr.

    Ansonsten sollte des Gebiet der Saale (gerade innerhalb des halleschen Stadtgebietes als eine Kulturlandschaft betrachtet werden, in dem sich Natur und Menschen miteinander arrangieren müssen.

    #166418

    Wo schweigt denn der AHA?

    #166419

    Anonym

    @Wolfgang Stauch
    ich meinte dies hier:
    „Obendrauf gehe es laut Johannemann auch um eine Verbesserung des Ableitevolumens. Die derzeitige Verbuschung im Bereich der Wilden Saale bremse beispielsweise den Abfluss bei Hochwasser aus.“
    aus

    Hochwasserschutz: Abriss am Beesener Wasserwerk, Stollen am Amselgrund


    leider fand ich hierzu nichts auf der AHA-Homepage. Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

    #166420

    “ Und damit zieht er Kritik von Umweltschützern auf sich.“
    Das wollen wir doch mal einschränken: von Herrn Liste. Und schon relativiert sich der Protest.

    #166421

    Anonym

    @farbspektrum
    Mir sind die persönlichen Animositäten einiger Forenten hier gegen den AHA eV. und speziell den mir völlig unbekannten Andreas Liste bereits mehrfach aufgefallen.

    Aus diesem Grunde möchte ich darauf hinweisen, dass ein rechtsfähiger Verein in der Bundesrepublik aus mindestens sieben Mitgliedern besteht muß und ergo nicht nur aus Herrn List bestehen kann.

    #166422

    Naja, sieben ist relativ zu sehen; es braucht sieben Unterschriften. Und soviele Nickmännchen wird man schon noch auftreiben können bei 230000 Einwohnern…

    Also alles im Rahmen… man muß halt listig sein…

    #166423

    Anonym

    @schulze,
    diese Feinheiten sind wohlbekannt. Nur: wie wäre es mal mit einer inhaltlichen Argumentation, anstelle der ständigen Denunziation?

    #166424

    Wer solche Forderungen seit Jahren propagiert, mit dem kann man sich nicht sachlich auseinandersetzen.
    http://hallelife.de/nachrichten/halle-saale/aktuelles/news/items/aha-haelt-schutz-der-saaleaue-zwischen-klausberge-und-riveufer-fuer-dringend-geboten.html
    Gibt es eigentlich auch Äußerungen anderer AHA-Mitglieder oder von Pro-Baum? Auf den Fotos von AHA-Aktionen sind immer nur ein paar Hansel zu sehen. Wie hier beim illegalen Pflanzen von Bäumen auf der Ziegelwiese.
    https://hallespektrum.de/wp-content/uploads/2014/04/baum1.jpg

    #166541

    spectrum, du sprichst mir aus der Seele…
    Dem ist nichts hinzuzufügen.

    DANKE

    #166542

    Wenn die Umweltschützer übertreiben, geht ihr Anliegen nach hinten los.
    Halle ist kein Urwaldgebiet!

    #166553

    Ein „Urwaldgebiet“ will auch keiner. Aber ich behaupte mal, wenn es nicht Vereine wie AHA gäbe, dann würden in Halle viele Bäume fallen, weil sie angeblich stören. Und lustig finde ich immer, dass die gleichen Leute, wie in DDR-Zeiten wieder die Buhmänner/frauen sind. Und ob es nun gefällt oder nicht, Andreas Liste ist nun mal der Specher des AHA.

    #166556

    Was aber auf keinen Fall auf die Saale gehört sind Motorboote mit ihrem unsäglichen Krach und Abgasen.
    Mitentscheidend über Ja und Nein wird auch sein, wie sich die halleschen Oligarchen positionieren.

    #166560

    Was aber auf keinen Fall auf die Saale gehört sind Motorboote mit ihrem unsäglichen Krach und Abgasen. Mitentscheidend über Ja und Nein wird auch sein, wie sich die halleschen Oligarchen positionieren.

    Wer die Saale und seine Nebenarmen zu befahren hat, bestimmen doch sicher Andere.
    Man sollte endlich mal vorher prüfen, bevor man Erwartungen verkündet und Wunschträume schmiedet, die wie Seifenblasen zerplatzen (siehe Mühlgrabensaale, Wilde Saale und Elisabethsaale).

    #166572

    Aber ich behaupte mal, wenn es nicht Vereine wie AHA gäbe, dann würden in Halle viele Bäume fallen, weil sie angeblich stören.

    Mir ist nicht bekannt, dass irgendjemand auf Herrn Liste hört.

    #166583

    Muß ja auch niemand, wer ist Herr Liste…

    #166594

    Richtig, Schulze! Wer ist der AHA? Das ist doch die Frage. Wenn schon.

    #166613

    Das ist gewiss präziser… aber gleichfalls treffend…

    #166615

    Wenn man von der Anzahl der Umfrageteilnehmer auf der Seite des AHA ausgeht, ein vernachlässigbares Grüppchen.

    #166616

    Anonym

    Aber ich behaupte mal, wenn es nicht Vereine wie AHA gäbe, dann würden in Halle viele Bäume fallen, weil sie angeblich stören. Und lustig finde ich immer, dass die gleichen Leute, wie in DDR-Zeiten wieder die Buhmänner/frauen sind. Und ob es nun gefällt oder nicht, Andreas Liste ist nun mal der Specher des AHA.

    sehe ich genauso, und erinnere hier nur an die Baumfällaktion in der Heidealle. Deswegen auch mein Wunsch sich sachlich und inhaltlich mit deren Positionen auseinanderzusetzen.

    Wer nur Hetze und Diffamierung (z.B. gegen Andreas Liste) drauf hat, sollte an dieser Stelle einfach mal schweigen.

    [quote quote=166556]s aber auf keinen Fall auf die Saale gehört sind Motorboote mit ihrem unsäglichen Krach und Abgasen.
    Mitentscheidend über Ja und Nein wird auch sein, wie sich die halleschen Oligarchen positionieren.

    Wer die Saale und seine Nebenarme zu befahren hat, bestimmen doch sicher Andere.[/quote]

    @kenno: Ob sie aber klug entschieden ist eine andere Frage, ebenso wer diese Entscheidungen hinter den Kulissen befördert.

    Den Verleih kleiner Motorboote an der Saale ist definitiv eine der großen Sünden gegen Natur und Erholung im Saaletaal. (Krach, Zerstörung der Uferzone, Dreck und Abgase). Abgesehe von der Möglichkeit, dieses Treiben in die Nebenarme und Naturschutzbereich auszudehnen.

    Bloß wer entscheidet über diese unsinnige Nutzung und welche Möglichkeiten gibt es diese zu verbieten bzw. einzuschränken?

    #166619

    Bloß wer entscheidet über diese unsinnige Nutzung

    Also besonders sachlich ist das nicht.

    #166620

    Habt ihr mal überlegt, warum die Saale nach den Worten unseres OB im Grußwort zum Laternenfest 2015 eine Bundeswasserstraße bleiben muß und man in der Stadtverwaltung noch nicht verinnerlicht hat, dass der Mühlgraben ab 01.01.2015 nicht mehr dazu gehört?

    #166621

    Auf meiner Internetsuche bin ich auf folgendes von Herrn Liste über die Rabeninsel gestoßen:
    „Mit der Errichtung und der Inbetriebnahme
    der Verbindungsbrücke zwischen Rabeninsel und
    Böllberger Weg/Höhe Diesterwegstraße war bzw.
    ist in der Tat ein nachhaltiger Eingriff in das
    Gefüge der Rabeninsel verbunden. Darauf haben
    Umweltverbände immer wieder hingewiesen und
    in dem Atemzug ausgiebig vor Folgeerscheinungen
    aller Art gewarnt. Nunmehr liegt ein
    Antrag des Halleschen Anglervereins e.V. auf
    teilweise Aufhebung des Angelverbotes vor,
    welcher im Schlepptau der bekannten Mehrung
    der Besucherströme zur Rabeninsel entstand“

    Das ist schlicht unwahr. Bis zur Wende war die Rabeninsel ein beliebter Vergnügungsort der Hallenser mit einer großen Gaststätte mit Biergarten und Tanzfläche. Von einstmals 3 Gaststätten schloss die letzte „Kurzhals Waldwirtschaft“ 1992.
    http://www.muenzen-halle.de/ebay/c7241.jpg

    #166622

    Im Großen und Ganzen wird dem Umweltschutz in Halle ausreichend Rechnung getragen, im Umweltamt sind dafür über 40 leute zuständig. Diese ständigen übertriebenen Forderungen des AHA e.V. für die Erholungsgebiete in unserer Großstadt bewirken das Gegenteil ihrer sicher guten Absicht.

    #166656

    Ich finde es gut, dass es den AHA gibt, auch wenn die manchmal übertreiben. Ohne diesen Umweltverein wäre Halle um ein kritisches Gegengewicht ärmer.

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