Steintor wird ab Frühjahr 2015 zur Großbaustelle, Ausstellung im Varieté

7. Oktober 2014 | Umwelt + Verkehr | Keine Kommentare

Nach dem Rannischen Platz steht in Halle bereits die nächste Großbaustelle an. Im Frühjahr beginnen die Arbeiten am Steintor. Das hat ab Juli 2015 auch Auswirkungen auf den Straßenbahnverkehr.

Entstehen soll ein moderner Stadtplatz. Bis 4. November können sich Interessierte im Varietße in einer STADTBAHN-Ausstellung über Aktuelles, Historie und Zukunft informieren. Auch im Stadtwerke-Kundencenter und im Ratshof soll sie anschließend noch zu sehen sein.
umbau steintor
Im Rahmen des Verkehrsprojektes erhalten Straßenbahnen und Busse eine Bevorrechtigung an Ampeln, damit sie zügig fahren können. Alle Haltestellen werden barrierefrei ausgebaut und mit modernen Fahrgastinformationssystemen ausgestattet. „Der Kfz-Verkehr wird neu organisiert, denn vor dem Steintor-Varieté und in der oberen Ludwig-Wucherer-Straße entstehen verkehrsberuhigte Zonen“, erklärt HAVAG-Vorstand Vinzenz Schwarz. „Lichtsignalanlagen an allen Knotenpunkten erhöhen die Sicherheit und gewährleisten einen schnellen Durchfluss des Kfz-Verkehrs. Die geplanten Linksabbiegerspuren werden durch Ampelregelungen für das Überqueren der Straßen abgesichert. Durch die neue Verbindungsstraße zwischen der Berliner Straße und der Ludwig-Wucherer-Straße wird der Verkehrsknotenpunkt leistungsfähiger, übersichtlicher und sicherer, was Unfälle vermeidet.“ Für Radfahrer und Fußgänger wird es sichere Übergangsmöglichkeiten geben z.B. neue Querungen und Zwischeninseln in Höhe der Ernst-Kromayer-Straße und am nördlichen Ende der Großen Steinstraße. In der oberen Ludwig-Wucherer-Straße entsteht eine begrünte Fußgängerzone. Große Fußgängeraufenthaltsflächen im Bereich der Läden und des Steintor-Varietés in der Großen Steinstraße geben dem Platz ein völlig neues Bild. Separate Radwege entlang der Straßen und des Platzes werden geschaffen. Weiterhin werden die unterirdischen Versorgungstrassen über das gesamte Baufeld modernisiert, alle Hausanschlüsse erneuert und für Ampeln, Straßenbeleuchtung, Bahnstrom und Telekommunikation zusätzliche Kabeltrassen gelegt.
umbau steintor brunnen
Im Rahmen dieses Gestaltungsprojektes entsteht vor dem Steintor-Varieté ein neuer Platz mit einer zum Campus führenden Passage. Ein Wasserspiel in Höhe der neuen Passage ersetzt den vorhandenen Brunnen. Der Park am Steintor wird mit neuen Grünflächen und Bäumen angelegt. Im mittleren Teil des Platzes bleiben viele Grünflächen erhalten. Zudem werden Neupflanzungen entlang der Ludwig-Wucherer-Straße sowie auf dem Platz am Steintor-Varieté vorgenommen. Direkte Wege, viele Sitzmöglichkeiten und neue Beleuchtung ermöglichen den Hallensern ein angenehmes Durchlaufen des Parks.

Direkt vor dem Varieté soll ein Spitzahorn gepflanzt werden. Zudem soll hier Außengastronomie möglich sein, denn die bisher hier entlang führende Straße entfällt. Bevor gebaut wird, sollen 53 Bäume gefällt werden, davon zahlreiche als erhaltenswert eingestufte. Allerdings ist auch eine Neupflanzung von 57 Bäumen vorgesehen, neben der schon erwähnten Platanen und dem Spitzahorn auch Zierkirschen, Feldahorn, Robinie und Lederhülsenbaum. Am östlichen Fahrbahnrand sollen zwischen Ernst-Kromayer-Straße und Krausenstraßenstraße ist die Pflanzung von 8 Spitzahorn-Bäumen vorgesehen. Der Gehbereich vor den jetzigen Geschäften wird mit einer Mischung aus Mosaikpflaster und Großplatten an, so wie die meisten Gehwege in der Altstadt gestaltet sind. Für den Rest des Platzes sind verschiedene Gestaltungsformen aus klein- bis mittelformatigen Betonstein-Platten vorgesehen. Wegen der Bedeutung des Platzes will man dabei auf Betonstein mit hochwertigem, sandgestrahlten Naturstein-Vorsatz in drei unterschiedlichen Graunuancen setzen. Der neue Radweg, der über den Platz führen wird, wird asphaltiert.
umbau steintor lampe
Beleuchtet wird der westliche Platzbereich durch sogenannte Pendelleuchten, die zwischen dem Fahrdraht der Straßenbahn angebracht werden. In der Grünfläche werden Lichstelen aufgestellt (siehe Foto). An den Straßen werden normale Laternen, sogenannte Kofferleuchten stehen. Daneben ist auch eine Anstrahlung des Steintor-Varietés vorgesehen, dessen Fassade derzeit saniert wird. Umgesetzt werden muss das Denkmal für die Timberwölfe, es wird neben der neuen Haltestelle aufgestellt. Auf dem Platz wird es in Zukunft 38 Fahrradständer geben, davon 20 in den Randlagen des Steintorplatzes, am Parkplatz Große Steinstraße, am Übergang zur Ernst-Kromayer-Straße und in der Ludwig-Wucherer-Straße. Die anderen befinden sich an den Fahrgastunterständen und im Baumblock auf der westlichen Platzfläche. Zum Ausruhen werden auch Bänke aufgestellt, vorgesehen sind einfache Ausführungen mit Betonsockel mit Holzauflage, partiell sind laut Stadt Rücken- und Armlehnen vorgesehen. Die beiden Kioske wird es in Zukunft nicht mehr geben. Auch nach der Umgestaltungen wird es am Steintor-Platz Frühjahrs- und Sommerbepflanzungen geben, jedoch nicht mehr in dem großen Umfang wie bislang. Stattdessen sollen mehr Stauden und Gräser in der Platzgestaltung eingesetzt werden. Dadurch lässt sich der Pflegeaufwand minimieren. Obendrauf hat es noch den Vorteil, dass der Platz auch im Winter nicht kahl ist, sondern ebenfalls von Pflanzen gesäumt wird.

Parallel zum Projekt STADTBAHN Halle wird auch das Steintor-Varieté saniert. „Im ersten Schritt haben wir bereits die Fassade denkmalgerecht erneuert“, sagt Rudenz Schramm, Geschäftsführer der privaten Steintor GmbH. „Links neben dem 125-jährigen Steintor-Varieté wird ein Neubau entstehen, welcher eine fußläufige Verbindung zwischen dem neu gebauten Platz am Steintor und dem Steintorcampus schafft. Im Neubau wird es künftig Studentenwohnungen, eine Cafeteria und andere Einrichtungen geben.“ Verfügen soll der Neubau neben einem Durchgang über eine Cafeteria. In den oberen Etagen ist Platz für Wohn- oder Büronutzung. Zuvor muss dort noch der Altbau abgerissen werden. Über die neue Passage aus kommt man über eine große Freitreppe von der Straßenbahn-Haltestelle aus direkt zum Campus. Geplant ist im hinteren Bereich außerdem ein Ergänzungsfoyer. Die Fassade des Varietés wurde bereits erneuert. In einem weiteren Bauabschnitt sollen in einem Anbau im hinteren Bereich des Varietés Fahrstühle eingebaut werden, um eine behindertengerechte Erschließung des Varietés zu ermöglichen. Daneben könnte es im hinteren Bereich eine 300 Quadratmeter große Terrasse geben.

1600 – 1917: Von der Pferdebahn zur ersten elektrischen Straßenbahn
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1637 verläuft vor der Stadt Halle (Saale) eine Handelsstraße nach Wittenberg, an der ein steinernes Tor aus dem Jahr 1182 steht. Bereits im 16. Jahrhundert wird der Gasthof „Grüner Hof“ historisch erwähnt. Die Steintorvorstadt wird damals als Hinrichtungsstätte genutzt, später wird das studentische Leben im Grünen Hof in Übermut gefeiert, da außerhalb der Stadt die Gerichtsbarkeit keine Gültigkeit hat.
Um 1806 erhalten alle Gebäude zwischen dem äußeren Steintor und dem „Grünen Hof“ die Straßenbezeichnung „Vor dem Steintor“. Durch den französischen Einfluss werden alle Straßen begradigt und die ersten Chausseen angelegt.
Zwischen 1875 und 1906 erfolgt die gesamte Bebauung des Platzes für die Institute der Universität. Das Mediziner-Viertel entsteht.
Am 15. Oktober 1882 eröffnet die Hallesche Straßenbahn AG die erste Pferdebahn. Ein- und zweispännige Kutschen werden von Pferden über Schienen gezogen. Die neue Bahn wird von 4.000 Fahrgästen täglich genutzt. 1888 werden die ersten Schienen am Steintor verlegt.
Am 1. Februar 1889 eröffnet das Walhalla Theater. Im Gleichen Jahr tritt die „Stadtbahn Halle“ als Konkurrenz an und nimmt ihren Betrieb als zweite Pferdebahn auf.
Erstmalig fahren am 30. August 1889 die Wagen auf der Strecke: Bahnhof – Magdeburger Straße – Steintor – Große Steinstraße bis zur Post. Zwischen 6.30 Uhr und 22 Uhr fährt ein Wagen diese Strecke im 6-Minuten-Takt.
Nach Fertigstellung der Gleisanlagen fährt die Linie 4 ab dem 13. Oktober 1889 auf der Stecke: Bahnhof – Steintor – Markt – Steinweg – Rannischer Platz.
1891 wird der elektrische Straßenbahnbetrieb durch die AEG Stadtbahn aufgenommen. Halle hat als erste Stadt in Europa ein elektrisches Straßenbahnnetz. Alle Pferdestraßenbahnwagen werden im gleichen Jahr außer Dienst gestellt.
Die Hallesche Straßenbahn AG und die AEG Stadtbahn werden 1917 zur Städtischen Straßenbahn Halle vereinigt.

1920 – 1960: Vom „Platz am Steintor“ zum „Marx-Engels-Platz“

Steintor-Umbau21926 ist die Bebauung des Platzes am Steintor abgeschlossen. Um ihn repräsentativer zu gestalten, bemüht sich die Stadt Halle (Saale) 1925 um den Erwerb des „Grünen Hofes“. Außerdem soll die Verkehrssituation entlastet werden, denn im Jahr 1927 überschreitet Halle die 200.000 Einwohnermarke. 1928 wächst die Bedeutung des Platzes als wichtigster Verkehrsknotenpunkt und wird offiziell in „Platz am Steintor“ umbenannt.
An Stelle des „Grünen Hofes“ entsteht 1929 das Arbeitsamt. Im selben Jahr wird die Städtische Straßenbahn Teil der Werke der Stadt Halle (WEHAG).
In den 1940er Jahren erfolgt die Umbenennung des Platzes in „Marx-Engels-Platz“. Für die Bezeichnung der örtlichen Gegebenheiten bleibt allerdings alles beim Alten: Zwischen Steintorapotheke, der Drogerie am Steintor, dem Steintorvarieté und der Haltestelle „Am Steintorvarieté“ dauert es, bis die Hallenser den neuen Namen verinnerlichen.
1960 geben grundlegende Umbaumaßnahmen dem „Marx-Engels-Platz“ sein heutiges Erscheinungsbild. Bis dato sind diese die letzten Umbauten am Steintor.
Erstmals werden an einigen Haltestellen, darunter am „Marx-Engels-Platz“, zur Sicherheit der Fahrgäste sogenannte „Abfertiger“ eingesetzt, welche den Fahrern einen „Abfahrtsauft rag“ erteilen. Die Straßenbahnen halten an dieser Haltestelle in einer Linkskurve, sodass der Straßenbahnfahrer mit Hilfe seines Seitenspiegels nicht alle Türen zum Ein- und Aussteigen einsehen kann.
Für eine deutliche Verkehrsentlastung sorgen der Bau der Hochstraße und des Riebeckplatzes, damals „Ernst-Thälmann-Platz“ genannt. Letzterer wird durch zahlreiche verkehrstechnische Baumaßnahmen im Umkreis deutlich entlastet. Dies hat zur Folge, dass er seine Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt verliert und ab den 1960er Jahren keine weiteren Umbauten erfährt.
Anlässlich der 10. Arbeiterfestspiele werden 1968 insgesamt 38 Häuser am „Marx-Engels-Platz“ farblich gestaltet. Die Verschönerungsarbeiten werden 1980 mit der Sanierung der Häuserdächer weitergeführt.

1980 – heute: Von alten und neuen Haltestellen zur Neugestaltung des Platzes
Steintor-Umbau3In den 1980er Jahren führt ein starker Anstieg des Verkehrsaufkommens auf der Linie 6 dazu, dass auf dieser ab dem 16. Januar 1982 Tatragroßzüge eingesetzt werden müssen. Dafür ist die Haltestelle in der Gleiskurve zu kurz. Die Linien 4, 6, 7 und 9 halten nun in der Großen Steinstraße, während die Linien 1, 2, 5, und 10 noch auf der Insel halten.
Am 10. September 1983 wird diese zum letzten Mal als Haltestelle genutzt. Die Linien erhalten eine neue Haltestelle in der Magdeburger Straße.
Die Wartehalle auf der Insel, welche Platz für einen Dienstraum und einen Fahrkartenverkaufsschalter hat, wird kurze Zeit später abgerissen und das Fundament zu einer Blumenrabatte umgebaut. Die beiden Einrichtungen wechseln nach dem Abriss 1983 in ein Wohnhaus in der Magdeburger Straße.
1971 ist die Haltestelle „Am Steintor“ Teil einer bedeutenden Straßenbahnstrecke, nämlich der Linie 5 von Halle (Saale) nach Bad Dürrenberg. Mit einer Länge von 30,7 Kilometern ist sie zu der Zeit die längste Straßenbahnstrecke der DDR.
1990 wird die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) gegründet. Der erste für Halle entwickelte Niederflurkurzgelenktriebwagen MGTK kommt 2004 zum Einsatz.
Im April 2013 geben die Stadt Halle, die Stadtwerke und die HAVAG gemeinsam den Startschuss für das Projekt STADTBAHN Halle. Ziel des Programms ist der Ausbau einzelner Linien des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zur Stadtbahn Halle. Zuerst begannen die Bauarbeiten in der Großen Ulrichstraße in der Innenstadt sowie in der Torstraße in Halles Süden.
Nachdem die ersten beiden Meilensteine, die Torstraße im Dezember 2013 und die Große Ulrichstraße im Mai 2014, fertiggestellt wurden, beginnt im Oktober 2014 der Ausbau des Rannischen Platzes. Ab Juni 2015 soll im Rahmen eines Teilprojektes der gesamte Platz Am Steintor zeitgemäß gestaltet werden.

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