S-Bahn Trotha-Nietleben ab 10. Dezember Geschichte

1. Dezember 2015 | Umwelt + Verkehr | 4 Kommentare

Der Fahrplanwechsel ist zwar erst am 13. Dezember. Doch bereits wenige Tage vorher, am 9. Dezember, fährt die allerletzte S-Bahn zwischen Halle-Trotha und Halle-Nietleben.
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An den letzten drei Tagen ihrer Betriebszeit wird die S7 nur zwischen Nietleben und Hauptbahnhof verkehren. Auf dieser Strecke fährt sie dann ab 13. Dezember ohnehin regulär, weil der Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Trotha dann vom Harz-Elbe-Express und der S-Bahn-Linie S3 (Halle-Leipzig) stündlich angefahren wird. Als Grund für die Ausfälle an den letzten Betriebstagen führt die Bahn AG Weichenrückbau und Oberleitungsanpassungen an.

Am 24. April 1967 um 18.10 Uhr startete vom Hauptbahnhof in Halle (Saale) aus die erste Fahrt auf der 12,7 Kilometer langen Bahnstrecke zum damaligen Endpunkt an der Zscherbener Straße. Zeitgleich rollten auch die ersten Züge von Halle-Neustadt aus über Buna nach Leuna. Damals rollten noch Leichtverbrennungstriebwagen der Baureihe VT 172, im Volksmund „Ferkeltaxe“ genannt. Der Beginn der halleschen S-Bahn.

Am 27. September 1969 wurde die dann heutige S-Bahn-Linie S 7 Halle-Nietleben–Halle-Neustadt–Halle (Saale) Hauptbahnhof–Halle-Trotha auf der U-förmigen Streckenführung in Betrieb genommen. In Halle-Neustadt wurde ein zentraler Tunnelbahnhof gebaut und der elektrische Betrieb aufgenommen. Nördlich mündete die S-Bahn vor Nietleben auf die Strecke der Halle-Hettstedter Eisenbahn-Gesellschaft. Diese wurde von Nietleben bis Dölau saniert, ebenso die Bahnhöfe in Dölau und der Dölauer Heide. Bis 1970 war der Südteil der S-Bahn vollendet, nur der Haltepunkt Rosengarten kam noch hinzu.

Nördlich des Hauptbahnhofs wurden die Strecke nach Halberstadt ausgebaut und die neuen Haltepunkte Wohnstadt Nord, Zoo und Dessauer Brücke angelegt, der Hauptbahnhof selbst erhielt ein Gleis 1a für die S-Bahn. Auf eine Elektrifizierung wurde vorerst verzichtet, weshalb der Nordteil nach Trotha nach der offiziellen Eröffnung am 27. September 1969 mit Dieselloks betrieben wurde.

Wenige Jahre später am 1. Oktober 1972 hatte die Oberleitung Trotha erreicht und die Hallenser S-Bahn verkehrte durchgängig elektrisch. Neben der Steintorbrücke erhielten auch die Neubaugebiete Südstadt und Silberhöhe im Süden am 30. Mai 1976 bzw. 30. September 1979 eigene Haltepunkte. Für die vielen Pendler von Neustadt in die Chemiebetriebe um Merseburg fuhren im Berufsverkehr Direktzüge über die Buna-Werke, die nach den einst aus der Pfalz hergeholten Chemiebetrieben und -arbeitern »Pelzerzüge« genannt wurden.

Nicht realisiert wurden Pläne, die Strecke von Dölau bis Salzmünde zu verlängern und dort einen Regional-Busbahnhof oder einen Ring über die Bahnstrecke Teutschenthal – Salzmünde anzulegen. Ende der 1980er Jahre wurde gar ein Wiederaufbau bis Hettstedt angedacht, um die Arbeitskräfte des schwindenden Kupferbergbaues im Mansfelder Land im Chemiedreieck zu beschäftigen.

Nach der Wende gingen die Fahrgastzahlen im Bereich Nietleben – Dölau stark zurück, was 2002 zur Einstellung der Strecke führte. Nachdem die HAVAG einer Aufforderung des Landes zur Einstellung des parallelen Busverkehrs nicht nachkam, wurde die Strecke zum 30. September 2002 abbestellt, am 1. August 2002 vorzeitig und am 31. Dezember 2003 formal stillgelegt.

Mit der Betriebsaufnahme der S-Bahn-Linie S 10 zwischen Halle (Saale) Hauptbahnhof und Leipzig Hauptbahnhof am 12. Dezember 2004 verschmolzen die beiden bis dahin eigenständigen S-Bahnen in Leipzig und Halle (Saale) zu einem S-Bahn-Netz.

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