Magdeburg: keine ICEs mehr, dafür modernere Intercity

1. November 2012 | Umwelt + Verkehr | Keine Kommentare

Für Aufregung sorgte am Donnerstag die Information, dass die Bahn Magdeburg vom Hochgeschwindigkeitsnetz abkoppelt. Und tatsächlich, bereits ab dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember werden keine ICE-Züge mehr in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt halten. „Wir brauchen die Züge für schnellere Strecken“, sagte ein Bahnsprecher. Dort gibt es einen Fahrzeugmangel, unter anderem wegen Lieferschwierigkeiten von Herstellern und Reparaturen. Die vier ICE-Zugpaare, die täglich zwischen Dresden und Hannover rollen, sind damit Geschichte. Die Halte in nicht nur in Magdeburg, sondern auch in Halle (Saale) und Köthen entfallen. Während Magdeburg und Köthen damit gar keine ICE-Anbindung mehr haben, werden von Halle aus weitere die Hochgeschwindigkeitszüge Richtung Berlin und München fahren, hier errichtet die Bahn auch gerade ihre Neubautrasse.

Foto: Deutsche Bahn

Doch die Bahn relativiert, der Wegfall des ICE sei gar nicht so schlimm. An den Fahrzeiten werde sich nichts ändern. Stattdessen werde es sogar besseren Komfort für die Fahrgäste geben. Denn auf der Strecke sollen künftig IC-Doppelstockwagen zum Einsatz kommen. „Dann wird der modernste Zug im Bestand der Deutschen Bahn hier verkehren“, so ein Bahnsprecher. So sei der Einstieg künftig barrierefrei möglich, es gebe spezielle Behindertenbereiche, Steckdosen am Platz und die Möglichkeit des Mobilfunkempfangs. Auch Bordgastronomie sei vorgesehen mit Bedienung direkt am Platz. In allen Wagen soll es außerdem Deckenmonitore mit Reise- und Anschlussinformationen in Echtzeit geben. Daneben sei die Fahrradmitnahme möglich, was im ICE nicht möglich sei. An den Vierer-Sitzgruppen wird es feste Tische geben, an den Zweier-Gruppen Klapptische. Ein großer Wert werde auf die Barrierefreiheit gelegt. Im Einstiegsbereich soll es deshalb taktile Orientierungshinweise geben, die Platznummern werden auch in Brailleschrift. Im Steuerwagen soll es direkt eine eigebaute Einstiegshilfe geben. Außerdem sei der IC auch preislich für die Kunden günstiger als der ICE. Ein Problem hat die Bahn aber noch: Hersteller Bombardier hat Lieferschwierigkeiten. Eigentlichen sollten die DoSto-IC schon 2013 rollen, jetzt ist von 2014 die Rede.

Der Bahnsprecher kritisierte die „reflexartige Minderwertigkeitsbehauptung, der Osten würde vom Bahnverkehr abgekoppelt. Wir investieren nicht Millionen und Milliarden nur aus Jux und Dallerei.“ Die Beißrexflexe hatte es direkt aus Magdeburg gegeben. Sowohl Oberbürgermeister Lutz Trümper, als auch Ministerpräsident Reiner Haseloff hatten gegen die Streichung protestiert.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben