„Kundenverarschung“: VCD kritisiert Doppelstock-Züge auf IC-Strecke Dresden-Halle-Hannover

2. Oktober 2014 | Umwelt + Verkehr | 5 Kommentare

Auf der IC-Strecke von Dresden über Leipzig, Halle und Magdeburg nach Hannover will die Deutsche Bahn künftig Doppelstockzüge einsetzen. Das sorgt für Kritik beim Verkehrsclub Deutschland.
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Der VCD Landesverband Elbe-Saale schickte seine beiden Bahn Fachexperten Martin Lorenz und Jan Krehl nach Berlin auf die Fachmesse Innotrans nach Berlin, wo die neuen Waggons vorgestellt wurden. Nach Ansicht des VCD stellen die Wagen eine Verschlechterung dar. Es gebe nur wenige Ablagemöglichkeiten für Reisegepäck wie Koffer oder Taschen. Die Sitze seien sehr eng bestuhlt und sehr hart. „Typische Sitze aus dem Regionalbahnverkehr“, meint Jan Krehl. Verstellen könne man die Sitze nicht mehr, nur ein winziger Winkel zum Kippen sei vorhanden. Bis auf dezente Kopfkissen und dem Teppich gebe es außerdem keine Merkmale aus dem Fernverkehr. „Im Vergleich mit den neuen Doppelstockwagen des Landes Sachsen-Anhalt und der DB Regio Elbe-Saale Bahn, bieten die Regionalwagen in Sachsen-Anhalt einen höheren Sitzkomfort, da hochwertigere und komfortablere Fahrgastsitze eingebaut wurden und augenscheinlich die Sitzabstände größer sind“, so Krehl. Damit werde es zwischen Halle, Magdeburg und Braunschweig erstmals auf einer Strecke mehr Komfort in Regionalzügen geben als im Fernverkehr.

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Martin Lorenz, stellvertretender Vorsitzender im VCD für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sagt: „Jeder Fernbus ist bequemer als die neuen Doppelstock IC Wagen der Deutschen Bahn.“ Jan Krehl, Bahnexperte und Initiator des Fernverkehrskonzept im VCD, ergänzt: „Traurig ist was die DB ihren Kunden im Fernverkehr künftig zumutet.“

Die jetzt vorgestellten Wagen sollten eigentlich bereits 2013 als IC eingesetzt werden. Jedoch verhindern technische Probleme bis heute den Einsatz. Der Einsatz der Doppelstockwagen spare der Bahn Kosten und seien wirtschaftlicher, da es keinen Speisewagen oder Bistrowagen mehr gebe und pro Wagen mehr Menschen befördert werden könnten. Die neuen Wagen seien zudem auf Grund der Ausstattung deutlich pflegeleichter und müssen technisch seltener gewartet werden. Mit kürzeren Zügen Können mehr Menschen befördert werden, was Wagen und Geld spart. Im VCD sieht man die Entwicklung bedenklich, „da mit weniger Komfort das Reisen im Zug keinen Spaß mehr macht und Reisende auf die Straße umsteigen. Die alten IC Wagen wurden optisch neu gestaltet und sind deutlich komfortabler. Aber sie sind schwer und verbrauchen mehr Energie“, glaubt man beim VCD die Gründe der Bahn zu kennen.

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Der VCD fordert die DB Fernverkehr auf, im Fernverkehr auf Qualität zu setzen und die Doppelstockwagen neu auszustatten oder an DB Regio zu übergeben. Doppelstockwagen können auch im Fernverkehr angemessene Fahrgastfreundliche komfortable Ausstattung haben. Dies beweise die Schweizer SBB mit dem IC2000, dessen Doppelstockwagen eine beispielhafte Fahrgastraumausstattung hätten und auch 200 km/h fahren, ebenso wie der TGV Doppelstockzug, welcher in Frankreich und Deutschland fährt.

Im VCD spricht man nun von einer „Kundenverarschung.“ Fazit des Verkehrsclubs: „Nahverkehrszüge mit Teppich und Kopfkissen, weiß lackiert. So geht Fernverkehr nicht.“

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