Killer-LKWs unterwegs?

5. November 2018 | Umwelt + Verkehr | 39 Kommentare

„Halle verkehrt“ thematisiert auf seinen Internetseiten ein Problem, das in den Großstädten immer brisanter wird: Die Gefährlichkeit des LKW-Verkehrs in engen Stadträumen. Anlass war ein Artikel in der MZ unter der Überschrift „Schnell und gefährlich“ http://mz-web.de/31531704

„Halle verkehrt“ führt weiter aus: Drei Menschen wurden bisher im Jahr 2018 in Halle beim Radfahren von einem LKW-Fahrer beim Abbiegen tödlich verletzt. Für die MZ ist das der Anlass, die Gefährlichkeit von Fahrrädern mit Elektroantrieb zu untersuchen und die moderate Geschwindigkeit von 25 km/h als sehr schnell darzustellen – so als müsste man ohne Elektroantrieb nie mit Fahrrädern rechnen, die sich nennenswert fortbewegen. Für die Polizei wiederum sind Fahrradunfälle an allen Unfällen statistisch nicht besonders auffällig – in einem Durcheinander von Sachschäden und Personenschäden. Eine Unfallkommission rätselt über Gefahrenstellen, verhindert aber seit Jahren die Teilnahme der Interessenvertreter des Radverkehrs.

Alles an dem Artikel schreit nach sofortigem Widerspruch, im Netz gibt es einen Shitstorm wegen der Opferbeschuldigung. Jede Alltagsradlerin wird 25 km/h als zügig, aber nicht besonders schnell einstufen. Der behauptete Zusammenhang zwischen Trittfrequenz und Geschwindigkeit ist spätestens seit der Gangschaltung hinfällig.

Was für Ansichten stoßen hier aufeinander? Der LKW-Fahrer hat die Geschwindigkeit des Rades wahrscheinlich unterschätzt, und Elektroantriebe werden problematisiert. Da klingt Sehnsucht nach den Zeiten durch, als Radfahrer noch selten waren, mit 12 km/h herumschlichen und sicherheitshalber schnell stoppten und abstiegen, wenn irgendwo in der Umgebung ein Auto zu hören oder zu sehen war. Mit einer Regulierung der Elektromobilität auf zwei Rädern, die nach der Eisenbahn die erfolgreichste Elektromobilität und insgesamt die am schnellsten wachsende ist, will man die Zeit zurückdrehen, wo vorsichtige, seltene und ängstliche Radfahrer den „echten“ Verkehr kaum behindert haben. Das wird auch mit dem aufgestellten Schild besonders absurd bewiesen: „Baustellenausfahrt“ . Der LKW- Fahrer hat die Radfahrerin bestimmt nur deshalb überfahren, weil er gar nicht wissen konnte, dass dort eine Einfahrt auf die Baustelle ist. Wie gut, dass die nächsten LKW jetzt darauf hingewiesen werden.

Stadt und Polizei sind natürlich schlau genug, genau zu wissen, was dort hingehört: „Achtung Fahrräder!“. Der LKW-Fahrer hat nicht mit dem Fahrrad gerechnet. Es wurde aber entschieden, lieber die Opfer zu warnen. Wie soll man neben einer vorbeifahrenden endlosen Kolonne erkennen, welches Fahrzeug geradeausfährt und welches plötzlich rechts rüberzieht?

Sind Pedelecs und E-Bikes denn völlig unproblematisch? Nein, denn sie erlauben ungeübten Radfahrerinnen und Radfahrern, die aus eigener Kraft seit Jahren gar nicht oder nur langsam gefahren sind, wieder normal schnell bis zügig zu fahren.

Was wären die wirksamen Maßnahmen gegen das Sterben auf den Straßen kurzfristig und mittelfristig? Da schlägt „Halle verkehrt“ vor:

  • Schulungen für LKW-Fahrer, die aktuellen Radverkehr und die Regelungen und Möglichkeiten vermitteln
  • Mehr Kontrollen der Gefahrenquelle LKW: Handynutzung, Lenkzeiten, Spiegeleinstellung, Sichtfeldbeeinträchtigung durch Vorhänge oder Schmuck, technischer Zustand, Alkohol
  • Kontrollen des Fahrverhaltens (und Ahndung!): Schulterblick, Überholabstand, Beachtung von Vorfahrt und Vorrang, Geschwindigkeit
  • Unfallnachbereitung: die Smartphones der Beteiligten müssen nach schweren Unfällen ausgewertet werden, ob sie zum Unfallzeitpunkt benutzt wurden
  • Verfolgung von Anzeigen: enges Überholen ist eine Gefährdung, wird aber meistens gar nicht verfolgt, allerhöchstens als Ordnungswidrigkeit
  • Kontrollen der Fahrräder: Licht ist heute zuverlässig und billig zu haben.
  • Angebot von Kursen für Pedelec-Nutzung
  • Beteiligung der Radfahrer an der Unfallkommission
  • Abbiegeassistenten an LKW

Die Transportunternehmen versuchen, auf Kosten ihrer Fahrer und der Allgemeinheit Geld zu sparen. Statt uns vom billigen LKW- Verkehr gefährden zu lassen, müssen die gesetzlichen Regeln konsequent durchgesetzt werden. Städtische Aufträge sollen bevorzugt an Firmen vergeben werden, die den Abbiegeassistenten einsetzen. Firmen, deren Fahrzeuge bei Verkehrskontrollen negativ aufgefallen sind, müssen vermieden werden. Für den LKW-Fahrer ist es schrecklich, was dort passiert, aber für das zuständige Unternehmen hat es keine Konsequenzen.

Die Opferbeschuldigungen der Zeitung funktionieren übrigens. Einige MZ-Leser sind der Meinung, dass man als Radfahrer auf sein Recht verzichten soll und den LKW durchlassen. Dass das in der Situation gar nicht funktionieren kann, außer man schiebt von Anfang an und fährt gar nicht Fahrrad, wird durch solche Artikel komplett verdrängt.

Übernahme mit freundlicher Genehmigung v. „Halle verkehrt“

Print Friendly, PDF & Email

Startseite Foren Killer-LKWs unterwegs?

  • This topic has 39 Antworten, 13 Teilnehmer, and was last updated vor 1 year by hei-wu.
Ansicht von 15 Beiträgen - 26 bis 40 (von insgesamt 40)
  • Autor
    Beiträge
  • #328851

    Es war klar, dass gerade du § 1 StVO in sein Gegenteil pervertierst. 40 Tonnen gegen einen Radfahrerin – aber rücksichtsvoll war sie nicht.

    #328856

    teu

    Kein Truckfahrer wird absichtlich einen Fahrradfahrer bedrohen, geschweige denn umbringen wollen.
    Bitte sachlich bleiben.
    Es ist wohl notwendig geworden, dass auch Radfahrer so etwas wie einen Führerschein erwerben sollten/müssten.

    #328858

    Deswegen müssen Abbiegeassistenten Pflicht sein, oder Beifahrer.
    @teu, wieviel Kfz-Fahrer werden ohne gültigen Führerschein erwischt, und wieviel fahren ohne? Wenn der Führerschein das Alleinseeligmachende wäre, dürfte es doch auf der Autobahn keine Unfälle geben?

    #328863

    „Kein Truckfahrer wird absichtlich einen Fahrradfahrer bedrohen, geschweige denn umbringen wollen.“

    Ach Gottchen, immer diese Binsenweisheiten. Und warum passieren dann solche Unfälle? Unvermeidliches Schicksal?

    Es schleichen sich im Alltag, unter Zeit- und Konkurrenzdruck, oft ungute Angewohnheiten ein. Und meistens geht es ja gut – übrigens oft genug, weil Fußgänger und Radfahrer entsprechend reagieren – bis es dann eben mal schiefgeht.

    #328865

    teu

    Deswegen müssen Abbiegeassistenten Pflicht sein, oder Beifahrer.
    @teu, wieviel Kfz-Fahrer werden ohne gültigen Führerschein erwischt, und wieviel fahren ohne? Wenn der Führerschein das Alleinseeligmachende wäre, dürfte es doch auf der Autobahn keine Unfälle geben?

    Es gibt immer „schwarze Schafe“.
    Es ist aber so, dass Radfahrer völlig ohne Ausbildung am Straßenverkehr teilnehmen dürfen.

    #328868

    Fußgänger auch.

    Wie komme ich als Fußgänger zu meiner Ausbildung, wenn ich nicht mal zu Fuß gehen darf?

    #328872

    Es ist aber so, dass Radfahrer völlig ohne Ausbildung am Straßenverkehr teilnehmen dürfen.

    Der Tod der Radfahrerin lag also an ihrer mangelnden Fahrausbildung. Darf man das hier Gesagte so zusammenfassen?

    #328876

    Ich gehe mal davon aus das vom LKW korrekt geblinkt wurde vielleicht sogar wie bei Bausstellenfahrzeugen öffters zu sehen orangenes Rundumlicht.

    Da gehe ich mal davon aus, dass die Radfahrerin kein gelbes Rundumlicht hatte.
    Jetzt hat sie ein rotes Rundum- Kerzenlicht auf dem Friedhof.

    Brennt bei Euch überhaupt noch ein Licht in der Birne?

    #328877

    Ja, irgendwie schon. Vom §1 hatte sie sicher keine oder nur rudimentäre Kenntnisse. Auch war ihr sicher der vorhandene tote Winkel und die Sichtbarkeit von Radfahrern bei Dunkelheitnicht bekannt, genausowenig, wie man auf seinem Vorfahrtsrecht nicht bestehen kann.

    Alles aber Tatsachen, die man in einer Fahrschule erlernen kann, wie auch, daß man als Fußgänger, Radfahrer, Motorradfahrer, PKW- und LKW-Fahrer, wie auch Baumaschinist immer mal auf einen stärkeren Verkehrsteilnehmer treffen kann (Panzerfahrer und Lokomotivführer)

    #328879

    Ich hoffe, ihr schlaft auch nur halb so schlecht wie es eure Gedanken sind. Widerwärtig, einfach nur widerwärtig.

    #328881

    teu

    Es ist aber so, dass Radfahrer völlig ohne Ausbildung am Straßenverkehr teilnehmen dürfen.

    Der Tod der Radfahrerin lag also an ihrer mangelnden Fahrausbildung. Darf man das hier Gesagte so zusammenfassen?

    Ich war heute, nicht freiwillig, Hansering Richtung Opernhaus unterwegs.
    D.h. ich stand mit SK-Kennzeichen „da herum“ und weigerte mich Radfahrer zu killen.
    Ich machte mich bei HAL-Fahrern also unbeliebt.

    #328883

    Bist aber wohl auch nicht mit LKW, Baumaschine, Panzer oder Lokomotive zusammengestoßen…

    #328884

    https://www.allianz-pro-schiene.de/presse/pressemitteilungen/zu-wenig-kontrollen-im-transportgewerbe/

    Die ständig wiederholten Aussagen, dass man als Radfahrer irgend eine Chance hat, wenn aus einer vollen Straße plötzlich eins der Kraftfahrzeuge nach rechts zieht, zeugen nur von einer riesigen Portion Unkenntnis, Ignoranz, Menschenverachtung, Ahnungslosigkeit und Zynismus.

    Trotzdem wünsche ich nicht mal diesen Idioten, je in so eine Situation zu kommen.

    Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit hatte die Frau übrigens einen Führerschein, so wie die meisten Radfahrer. Radfahrer sind keine Aliens, die vom Mars hier direkt einfallen, sondern normale Menschen.

    #328885

    Was ich dir, @Schulze, aber mal wünsche, ist ein genauso unachtsamer LKW, der dir einen ordentlichen Blechschaden ohne Personenschaden macht. Damit auch dann alle sagen können: hättest du nicht auf deine Vorfahrt verzichten können, wenn neben dir ein LKW plötzlich rüberzieht?!? Du wusstest doch, dass der stärker ist.

    übrigens kannst du mal nachzählen, wie viele der im Auto von LKW zerquetschten damals auf der Baustelle der A14 von Radfahrern so verhöhnt wurden. Das gab ja pro Woche ein bis zwei Todesfälle.

    #328887

    Die „Diskussion“ hier machen wir dicht. Was der Toten hier an menschenunwürdigen Beiträgen hinterher geworfen wurde, ist ekelhaft.
    Das tut uns als Redaktion und Administratoren des Forums leid. Unser Mitleid gilt dem Opfer und den Angehörigen.

Ansicht von 15 Beiträgen - 26 bis 40 (von insgesamt 40)
  • Das Thema „Killer-LKWs unterwegs?“ ist für neue Antworten geschlossen.