„Inakzeptabel“: Land kritisiert ständige S-Bahn-Ausfälle in Halle

5. Juni 2015 | Umwelt + Verkehr | 2 Kommentare

Wer sich in Halle (Saale) auf die S-Bahn verlässt, ist oft verlassen. Immer wieder kommt es zu Zugausfällen auf der S7 zwischen Nietleben und Trotha. Die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA), die für das Land den Nahverkehr vergibt, kritisiert die „inakzeptable Leistungserbringung“.
s-bahn
Hauptprobleme seien „eine unzureichende Fahrzeugverfügbarkeit, sowie zu geringe Werkstattkapazitäten für ein Gesamtpaket von Leistungen“, so NASA-Sprecherin Ivonne Steiniger gegenüber HalleSpektrum.de. „Diese führen in regelmäßigen Abständen zu Fahrzeugengpässen, die häufig zu Lasten der S7 aufgrund der im Vergleich zu anderen Linien geringeren Auswirkungen auf die Fahrgäste kompensiert werden.“ Die Situation deute auf Fehlplanungen bei wichtigen Produktionsressourcen hin, so die NASA. Die DB Regio als verantwortliches Unternehmen für die S-Bahn sieht dagegen die Hauptursache für die Zugausfälle auf der S7 in den Gegebenheiten der Infrastruktur begründet. Mehrere sogenannte Zwangspunkte wie eingleisige Streckenabschnitte, an denen Zugkreuzungen möglich sind, würden bei Verspätungen anderer Verkehrsunternehmen wie des Güterverkehrs diese schnell auf die Linie S7 übertragen. In der Folge seien nach Aussage von DB Regio Ausfälle von Einzelleistungen unumgänglich. Seit Beginn der Umbauarbeiten im Knoten Halle hätten baubedingt derartige Störungen zugenommen.

Nach Angaben der NASA räume DB Regio jedoch ein, dass neben den infrastrukturellen Bedingungen in den letzten Wochen außerplanmäßige Kontrolluntersuchungen an den auf der S7 eingesetzten Lokomotiven zu Fahrzeugengpässen führten. Die Auswirkungen daraus dauerten aufgrund beschränkter Werkstattkapazitäten teilweise noch immer an. Die Gespräche mit DB Regio AG sowie das Einschalten des Vorsitzenden des Vorstandes der DB Regio AG haben laut NASA zwar zu einer leichten Entspannung der Situation geführt, „die sich jedoch nach wie vor als unbefriedigend darstellt“, so Ivonne Steiniger. „Der angespannte Fahrzeugmarkt in Deutschland lässt derzeit jedoch wenig Spielraum für die Anmietung von sogenannten Ersatzfahrzeugen.“

Die NASA selbst erfasst alle Zugausfälle. Demnach habe man im vergangenen Jahr 27.760 Zugfahrten bestellt. Davon seien 366 von Baumaßnahmen planmäßig ausgefallen. Weitere 1.143 Fahrten fielen dagegen im Vorjahr ohne Ansage aus, das macht einen Anteil von 4,12 Prozent. Im laufenden Jahr besserte sic die Situation etwas, so fielen laut NASA zwischen Januar und März, also im ersten Quartal, von 6.846 bestellten Fahrten 60 planmäßig und etwa 200 ohne Ansage aus. „In den Monaten April und Mai 2015 erhöhten sich die Zugausfälle insbesondere durch den Streik nochmal stark“, erklärt die NASA. Hinzu kommen Probleme mit der Pünktlichkeit. So waren nur 92,33 Prozent der S-Bahnen in Halle pünktlich (Toleranz 5 Minuten).

Doch aktuell sind zwar die Streiks ausgesetzt, trotzdem fallen Züge der S7 aus. So waren am vergangenen Freitag insgesamt 11 S-Bahnen auf der S7 nicht unterwegs. Bei 8 Fahrten sei dies auf Krankmeldungen zurückzuführen. „Darüber hinaus gab es an diesem Tag auch mehrere betriebliche Störungen, welche die Pünktlichkeitssituation negativ beeinflussten“. So die NASA.

Für die Ausfälle bekommt die Bahn kein Geld. „Ausgefallene Zugleistungen werden nicht vergütet“, so die NASA-Sprecherin. „Die Verkehrsunternehmen erhalten somit unabhängig von ihren anfallenden Fixkosten für diese Leistungen kein Geld vom Land. Dies ist keine Strafe sondern die angemessene Minderung des Leistungsentgelts.“

Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember wir die hallesche S-Bahn ohnehin nur noch zur Rumpf-S-Bahn. Sie verkehrt baustellenbedingt nur noch zwischen Hauptbahnhof und Nietleben. Der bislang ebenfalls halbstündlich bediente Ast zwischen Hauptbahnhof und Trotha wird dann nur noch stündlich vom Harz-Elbe-Express (HEX) angefahren. Umsteigen ist nur noch schwer möglich. So kommen die Züge aus Nietleben jeweils x.11 am Hauptbahnhof an, die Züge nach Trotha fahren aber schon x.06 ab. Auch in der umgekehrten Richtung wird das Umsteigen unattraktiv gemacht. X.53 kommen die Züge aus Trotha im Hauptbahnhof an, die nach Nietleben fahren aber schon um x.50 los. Im Endeffekt bedeutet dies Wartezeiten von 25 beziehungsweise 27 Minuten. Zeiten, die wohl kein Fahrgast in Kauf nehmen wird und damit der S-Bahn den Rücken kehren und auf die innerstädtische Straßenbahn umsteigen wird. Mit deutlichen Fahrgastverlusten wird also zu rechnen sein.

Print Friendly, PDF & Email
Tags:, ,
2 Kommentare

Kommentar schreiben