Hochwasser-Katastrophe in Halle: Wasser steigt noch Tage

3. Juni 2013 | Umwelt + Verkehr | 7 Kommentare

„Ich habe um 16 Uhr den Katastrophenfall ausgelöst“, sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand. Diesen löse man aus, wenn eine große Anzahl an Menschen und Sachgütern in Gefahr sei. „An einigen Bereichen war der Pegelwert soweit, dass die Gefahr des Überlaufens besteht.“

Wiegand wies darauf hin, dass durch den Katastrophenalarm Eigentümer verpflichtet seien, die Helfer auf ihr Grundstück zu lassen. Eigentümer von Fahrzeugen seien verpflichtet, sich den Hilfebehörden zu unterstellen wenn Anweisung kommt. „Jeder kann theoretisch angesprochen werden auf der Straße mit der Bitte um Unterstützung“, so Wiegand. Das sei im Katastrophenschutzgesetz des Landes festgeschrieben. Bereits jetzt gebe es die dringende Empfehlung, die Ortsteile Burg, Planena, Gut Gimritz, sowie den Ratswerder, die Talstraße und die Wilhelm-Grothe-Straße zu verlassen. Zwang werde man derzeit aber nicht ausüben. „Das muss Jeder selbst entscheiden.“ Sollte es zu gefährlichen Situationen kommen, werde sich dies ändern.

„Es ist sehr ernst“, erklärte Steffen Johannemann von der Unteren Wasserbehörde. Seit 70 Jahren habe es in der Stadt nicht so eine Situation gegeben. Der Scheitel der Saale werde in den nächsten Stunden erwartet, zudem komme auch das Hochwasser der Weißen Elster. Die Stadt schätzt das Hochwasser als HQ 200 ein, also ein Ereignis das alle 200 Jahre eintritt. Auch in den nächsten Tagen seien weiter steigende Pegel zu erwarten. Bis Dienstag gebe es einen deutlichen Anstieg, möglicherweise 7.50m. „Wies danach weiter geht, wird man sehen.“ Eine genaue Aussage könne man nicht treffen. Aus diesem Grund werde ein Spezialschlauch zur Erhöhung des Gimritzer Damms um 60 cm aufgebracht. In den nächsten Stunden werden sich auch die Pfälzerstraße und der Robert-Franz-Ring in der Klaustorvorstadt zu Schwerpunkten entwickeln. Spezielle Szenarien gebe es hierfür nicht. Bürger aus dem Bereich dürfen auf dem Hallmarkt parken. Die B80 sei gefährdet, sollte der Passendorfer Damm gefährdet sein. „Unser größeres Problem wäre aber dann Halle-Neustadt.“

André Halko von der Feuerwehr sagte, der aus 25 Kräften bestehen Katastrophenstab funktioniere sehr gut. Im Einsatz vor Ort seien derzeit 300 Kräfte. Unterstützung gebe es auch von DLRG, ASB, THW, Freiwillige Feuerwehren und DRK Wasserwacht. Um der Lage Herr zu werden, habe man ein Amtshilfeersuchen an den Kreis Mansfeld-Südharz und den Saalekreis gestellt. Im Gegenzug habe man bei der Evakuierung des Krankenhauses Bitterfeld geholfen. Unterstützung bekommt die Stadt auch von halleschen Firmen. Das Bauunternehmen Papenburg stellt derzeit Sand bereit, im Hof des Unternehmens werden Sandsäcke gefüllt.

Ministerpräsident Reiner Haseloff dankte für das enorme Engagement, um der Krisensituation Rechnung tragen zu können. Halle habe eine ausgezeichnete Hochwasserschutzkonzeption. Eine derartige massive und komplexe Situation habe man noch nicht gehabt. Denn derzeit gebe es Hochwasserprobleme an allen Flussläufen im Land. Selbst das Jahrhunderthochwasser 2002 habe nicht diesen Umfang gehabt. Derartige Wassermassen habe man nie zu bewältigen gehabt. Die in Halle ergriffenen Maßnahmen seien richtig, jetzt den Katastrophenfall auszulösen. Die Leipziger Aue sei laut Haseloff als Auffangbereich für die Wassermassen der Weißen Elster freigegeben worden, so könne man noch höhere Pegel in Halle verhindern. Man wolle auf diese Weise Zeit kaufen. Haseloff sagte, man gehe davon aus, dass das Hochwasser Tage andauern wird, auch weil immer neue Wassermassen aus Thüringen und Sachsen kommen. Die Zusammenarbeit mit der Stadt laufe gut. Haseloff kritisierte, dass die Genehmigungsverfahren für die Deichsanierungen oder den Deichneubau zu lange dauern.

Laut OB Wiegand werde ein 800 Meter langer Doppelkammerschlauch aufgebaut, der durch weitere Sandsäcke ergänzt wird. „Wir haben ihn mehrfach ausprobiert.“ Er hoffe, dass der Damm nicht weiter durchfeuchte. Laut Steffen Johannemann habe man aber auch von der Höhe nicht mehr viel Luft. Deshalb seien die derzeitigen Ereignisse vielleicht auch Anlass für das Land, seine Ausbauplanungen zu überlegen. „Die Deichhöhe wird für die Situation, wie wir sie erwarten, nicht ausreichen.“ Sprich: funktioniert die Schlauchlösung nicht, läuft Neustadt mit Wasser voll.

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