HAVAG-Streik: Stadtwerke lehnen Forderungen als überzogen ab, signalisieren aber Entgegenkommen

25. Februar 2013 | Umwelt + Verkehr | 1 Kommentar

145.000 Fahrgäste werden am Tag mit Bussen und Straßenbahnen in Halle (Saale) befördert. Doch am Montag hieß es: laufen, Fahrrad fahren oder aufs Auto umsteigen. Denn seit Montagmorgen dreht sich im öffentlichen Nahverkehr kein Rad. Im Kampf um mehr Lohn streiken die Mitarbeiter der Halleschen Verkehrs AG (HAVAG) für 24 Stunden. Ihr Ziel: mehr Lohn. Die Gewerkschaft ver.di will ein Gehaltsplus von mindestens 350 Euro pro Monat durchsetzen. Derzeit verdient ein Bus- oder Bahnfahrer zwischen 1.500 Euro und 2.300 Euro brutto.

Nach Angaben von Stadtwerke-Arbeitsdirektor René Walther hätte diese für sein Unternehmen einen Personalkostenaufwuchs um 20 Prozent und damit Mehrkosten von drei Millionen Euro zur Folge. Dabei ist die HAVAG bereits jetzt ein Zuschussbetrieb, Die HAVAG erhält aktuell Zuschüsse von mehr als 20 Millionen Euro im Jahr. Das Geld stammt aus den Erlösen der Stadtwerke in anderen Bereichen, insbesondere bei Strom und Gas. „Deshalb haben wir uns beim letzten Mal auch entschlossen, kein Angebot vorzulegen“, so Walther. „Ich denke das wird jetzt durch den Warnschuss des Warnstreiks ein wenig ander.“ Sprich: die HAVAG wird nun doch ein Angebot zu moderaten Lohnerhöhungen vorlegen.

„Der Straßenbahn- und Busverkehr ist völlig lahmgelegt“, so Walther. „Wir können bis heute Nacht drei Uhr nicht fahren.“ Man gehe davon aus, dass danach der Verkehr wieder normal rollen kann. „Das ist natürlich für unsere Kunden etwas unerfreulich. Für uns auch, wir sind da nicht glücklich drüber. Aber das ist das gute Recht von Gewerkschaften, hier den Forderungen Nachdruck zu verleihen.“

Zwar sind nicht alle Mitarbeiter der HAVAG in der Gewerkschaft. Trotzdem fahren überhaupt gar keine Busse und Straßenbahnen. Walther verweist auf Sicherheitsaspekte, weil die Gewerkschafter auch die Zufahrten absperren. „Deshalb haben wir uns entschieden, keine Notverkehre anzubieten. Vor allen Dingen, für welche Kunden soll man dann Notverkehre anbieten?“, fragte Walther. „Dann steht der eine in Neustadt, der andere in Silberhöhe und wir bieten vielleicht nur die Hälfte der Notverkehre an. Wir haben uns dazu entschieden, das nicht zu tun, um sowohl den Kundenbedürfnissen als auch den Sicherheitsbedürfnissen Rechnung zu tragen.“ Möglich wäre ein Notverkehr auf alle Fälle. Denn viele Busfahrten im Stadtgebiet werden durch Subunternehmer erledigt, beispielsweise OBS und Saalebus – an beiden Unternehmen ist die HAVAG beteiligt. Im Gegensatz zur HAVAG selbst gilt hier aber der Tarifvertrag TV-N nicht. Die HAVAG hatte aber am Freitag, nach Bekanntwerden der Streikabsicht, auch die Fahrleistungen der Subunternehmer abbestellt.

Trotz Streiks können Kunden die HAVAG telefonisch erreichen, da das Kundencenter in ein Callcenter in Leipzig ausgegliedert worden ist. „Die Kunden reagieren unterschiedlich“, meint Walther. „Das ist viel Enttäuschung und Frust dabei.“ Es gebe aber auch durchaus Verständnis für die Beschäftigten und ihre Forderungen.

Die HAVAG hat derzeit 768 Mitarbeiter inklusive Azubis, davon 305 Fahrer. Alle Nichtgewerkschaftsmitglieder erhalten für den heutigen Tag keinen Lohn und müssen sich an die Arbeitsagentur wenden.

Für Abokunden und Besitzer von Monatskarten gibt es keine Entschädigung. Das erklärte Stadtwerke-Sprecherin Iris Rudolph und verwies auf das Personenbeförderungsgesetz.

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