Halle reduziert CO2-Ausstoß um 48 Prozent

5. Januar 2013 | Umwelt + Verkehr | 4 Kommentare

Eine graue, eine schmutzige Stadt war Halle zur Wendezeit. Doch dann folgte nach und nach die Umstellung von Heizanlagen, alte Autos landeten auf dem Schrottplatz, in Industrieschornsteine wurden Filter eingebaut, der Schadstoffausstoß wurde durch modernere Technik immer weiter reduziert.

All das mit Erfolg, wie das neue Integrierte Klimaschutzkonzept der Stadt zeigt. Demnach ist die Zahl der CO2-Emissionen um 48 Prozent zurückgegangen. Einen besonders hohen Anteil daran hat der Kohlendioxidausstoß durch Heizungen, zurückzuführen auf modernere Heizungen und energetische Gebäudesanierungen. So wurde 1990 in der Saalestadt noch viel mit Braunkohle geheizt. Heute spielt dieser fossile Energieträger kaum noch eine Rolle. Auch Heizöl hat enorm an Bedeutung verloren. Doch auch die modernisierten Heizkraftwerke ließen den CO2-Ausstoß durch die Produktion von Fernwärme drastisch sinken. Leichte Rückgänge gab es zudem beim CO2-Ausstoß durch Benzin. Hier fiel der Rückgang nicht so groß aus, weil die Zahl der zugelassenen Autos zugenommen hat. Trotzdem ist in Halle die ÖPNV-Nutzung höher, es gibt weniger zugelassene PKW pro Einwohner als in vergleichbaren Städten.

„Wenn Halle ambitionierter herangeht, können die Vorgaben des Klimabündnisses erreicht werden“, erklärte Jürgen Rummel von der Berliner Beratungs- und Service-Gesellschaft Umwelt mbH B.&S.U., der für die Stadt das Konzept erstellt hatte. Demnach ist eine Reduktion der CO2-Emissionen bis 2020 um rund 370.000 t möglich, das sind 24 Prozent. Ohne weitere Maßnahmen würde der Rückgang nur bei 210.000 Tonnen liegen. Die größten Einsparpotentiale sieht das Konzept bei privaten Haushalten und beim Verkehr. Dabei liegt Halle mit 6,7 Tonnen CO2 pro Einwohner und Jahr besonders gut da, im bundesweiten Vergleich sind es elf Tonnen.

Daneben sei eine Senkung des Energieverbrauchs von 5.200 GWh auf 4.000 GWh im Jahr 2020 möglich, insbesondere durch weitere Gebäudesanierungen und effizientere Technik. Allein die Energiekosten für die kommunalen Gebäude könnten so von 3,5 auf 3,2 Millionen Euro abgesenkt werden, Preissteigerungen der Energieverbrauchspreise sind hierbei schon eingerechnet.

Wie die Stadt Energie sparen kann, führt das Konzept auch auf. So soll beispielsweise stärker auf das Nutzerverhalten in Ämtern, Schulen und Kitas hingewirkt werden. Nötig sei auch eine Weiterentwicklung des Gebäudemanagements sowie Energiekonzepte fürs Quartier. Die weitere Priorisierung des öffentlichen Verkehrs und die Weiterentwicklung einer Fußgänger- und radverkehrsfreundlichen Stadt wird ebenso aufgeführt. Vorgeschlagen wird auch ein Wettbewerb zur Energieeinsparung. Ebenso könnte eine Entsiegelung zu einem besseren Klima beitragen. Fuhrparkmanagement, energieeffiziente Lichtsignalanlagen und Straßenbeleuchtung, mehr teilAuto-Parkplätze und eine Stärkung beispielsweise von Elektroautos sollen ebenfalls die Klimabilanz der Stadt verbessern. Vorgeschlagen werden daneben eine bessere Speicherung der Fernwärme, eine Biomasseverwertung und die Nutzung der Saale als Strom. Und auch bei Bauvorhaben und der Ausweisung von Baugebieten sieht das Konzept Potentiale und schlägt der Stadt die Ausschöpfung der Möglichkeiten zur Einsparung von CO2 durch die Bauleitplanung und Anpassung der Stadtentwicklung an den Klimawandel vor. „Über die Bauleitplanung kann ein energieeffizientes Bauen und der Einsatz erneuerbarer Energien oder emissionsärmerer Energieträger (Fernwärme) gefördert werden“, heißt es.

Oliver Paulsen, der bei den ersten Diskussionen zum Konzept noch Fraktionsvorsitzender der Grünen war und nun Referent für Grundsatzfragen bei Oberbürgermeister Bernd Wiegand ist, geht das Konzept noch nicht weit genug. Bis 2020 sehe das Konzept nur eine Reduzierung der CO2-Werte um 6 Prozent vor. Paulsen sprach sich dagegen für eine Senkung um 10 Prozent alle 5 Jahre vor. Die Verwaltung ziele momentan zu sehr darauf ab, durch die Vorlage eines Klimaschutzkonzeptes finanzielle Förderungen zu erschließen, kritisierte Paulsen. Genau so steht es auch im Konzept. Die im Konzept genannten Maßnahmen nannte Paulsen insgesamt „sehr gut“, er vermisste allerdings eigene Aktivitäten der Stadt. Daneben kritisierte Paulsen, dass das Konzept nur als Informationsvorlage eingebracht werden soll. Stattdessen forderte er einen Beschluss über das Konzept als Orientierungsrahmen mit festen CO2-Minderungszielen, die Benennung von Beteiligten bei der Umsetzung von Maßnahmen, der Auftrag an die Gesellschaftervertreter in städtischen Unternehmen zur Berücksichtigung der Ziele sowie möglicherweise haushaltsrelevante Beschlüsse zu Einzelmaßnahmen.

Andreas Scholtyssek (CDU) zweifelte dagegen an, dass angesichts der Haushaltslage der Stadt die Kommunalaufsicht Maßnahmen jenseits von energetischen Sanierungen mit konkreten Einsparungen bei den Energiekosten überhaupt genehmigen würde. Auswirkungen des Konzepts auf den Bürger vermisste Wilfried Fuchs, sachkundiger Einwohner der FDP. „Der Bürger ist nicht drin, aber er zahlt letztendlich die Zeche“, meinte er. Insbesondere beim Maßnahmekatalog solle man doch bitte prüfen, was diese koste.

In diesem Monat steht nun die dritte Lesung des Papiers an.

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