Grünen-Studie: Kein Bedarf an der A143 bei Halle

5. Dezember 2013 | Umwelt + Verkehr | 1 Kommentar

Erst kürzlich forderten die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau und Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel die zügige Fertigstellung der Autobahn A143.

Bündnis 90 / Die Grünen kämpfen dagegen seit langem gegen den Weiterbau und haben nun dazu eine eigene Studie in Auftrag gegeben. Für die A 143 gebe es keinerlei verkehrspolitische Gründe, heißt es dort. „Der in bisherigen Verkehrsgutachten für die A 143 prognostizierte Anstieg des Verkehrsaufkommens bis zum Jahr 2025 ist viel zu hoch angesetzt. Höchstens ein Viertel der 43.500 Kfz werden die A 143 pro Tag nutzen – aber für 10.000 Kfz baut man keine Autobahn. Daher besteht aus verkehrlicher Sicht kein Bedarf für den Bau der A 143“, konstatiert der verkehrspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und hallesche Stadtrat, Dietmar Weihrich.

Obwohl kein Bedarf bestehe und die Verkehrsentlastung der Stadt Halle nur marginal sei, wird nach wie vor an diesem Projekt festgehalten. Hinzu komme die Zerschneidung einer einmaligen Naturlandschaft, der Porphyr-Landschaft nördlich von Halle, sowie die explodierenden Kosten. Erarbeitet hat die Studie das Büro „Stadt – Verkehr – Umwelt“ (SVU) aus Dresden, das bereits mehrere Verkehrsgutachten für die Grünen erstellt hat.Es kommt zum Ergebnis, dass weder die Siedlungs- und Verkehrsnetzstruktur, noch die bisherige stagnierende (teilweise sogar rückläufige) Verkehrsentwicklung, noch die realistische Abschätzung des künftigen Verkehrsaufkommens in der Region Halle-Leipzig den Autobahnneubau erfordern.

„Halle profitiert fast gar nicht von der A 143. Dies wurde in der Vergangenheit immer wieder falsch dargestellt“, meint Weihrich. „Der heutige Durchgangsverkehr in Halle, der dann über die A 143 umgeleitet würde, ist dafür viel zu gering. Wir müssen stattdessen jetzt an der innerstädtischen Verkehrsentlastung arbeiten. Eine weitere Stärkung des ÖPNV sowie eine Erhöhung der Fahrradfreundlichkeit – gerade mit Blick auf das große Wachstum bei Elektrofahrrädern – sind für mich die Standbeine einer zukunftsfesten Verkehrspolitik für Halle.“

„Wir brauchen eine realistische Verkehrspolitik anstatt ideologischer Wunschträume!“, meint dagegen der hallesche CDU-Vorsitzende und Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Marco Tullner. „Jeder der bei Sperrung der A 14 schon einmal im Verkehrschaos steckte oder an der Umleitungsstrecke in Halle wohnt, sehnt die A 143 herbei. Den Leuten zu sagen, sie sollen lieber Fahrrad fahren oder den ÖPNV nutzen, ist blanker Hohn“, meint Tullner. „Anstatt Bevormundung und unrealistischen Vorschlägen, setzen wir auf eine ausgewogene Verkehrsentwicklung unter Berücksichtigung aller Interessen.“ Man müsse die A 143 auch überregional als Teil des mitteldeutschen Verkehrsnetzes sehen. Das fehlende Teilstück würde hier eine wichtige Ergänzung darstellen. Die Grünen möchten keine Autobahn, fordern dann aber Umweltzonen weil zu viele Autos durch die Stadt fahren, kritisiert Tullner. „Diese Art der Verkehrspolitik ist unglaubwürdig und unseriös.“

Kritik kommt auch vom hallescheb SPD-Landtagsabgeordneten und Stadtrat Thomas Felke: „Die Ergebnisse des im Auftrag der grünen Landtagsfraktion erarbeiteten Gutachtens stellen keine Überraschung dar. Wieder einmal wird der Versuch unternommen, die Fertigstellung der A 143 und damit die Vollendung der mitteldeutschen Schleife um den Ballungsraum Halle-Leipzig zu blockieren“, so Felke. Die Wirkung eines fertigen Autobahnnetzes werde damit völlig unterschätzt. „Die Auswirkungen in der Stadt werden bewusst kleingeredet. Die Probleme, die sich gerade bei Sperrungen auf der A 14 zwischen den Abfahrten Peißen und Trotha für das Stadtgebiet ergeben, scheinen überhaupt keine Rolle zu spielen. Die Empfehlung, doch auf das Rad umzusteigen, werden viele Pendler aus dem Umland nur als Witz empfinden können. Die Vorschläge, die A 14 mit der A 38 über noch zu bauende neue Strecken im Mansfelder Land zu verbinden, werden dann sicher auf den geballten Widerstand von Grünen und Naturschützern dort treffen, so dass sie an der Sache vorbei gehen“, so Felke. „Die Grünen verabschieden sich damit endgültig von der Entwicklung der Wirtschaft im Raum Halle und den Interessen vieler Menschen in Stadt und Region. Zusammengefasst sind die Vorschläge damit kurzum: weltfremd.“

Von der insgesamt rund 22 Kilometer langen Trasse der A143 sind bereits neun Kilometer zwischen dem Autobahndreieck Halle Süd (A38) und der Anschlussstelle Halle-Neustadt (B80) unter Verkehr. Der Bau der knapp 13 Kilometer langen Strecke soll etwa drei Jahre dauern. Derzeit sind Baukosten von 240 Millionen Euro im Gespräch. Mit dem Bau der Westumfahrung sollen nach Hoffnung der Landesregierung die bestehenden Verkehrsachsen A38 und A14 miteinander vernetzt und der Verkehr im Ballungsraum Halle/Leipzig besser verteilt werden.

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