Gerichtsentscheid: Künstlerhaus 188 im Böllberger Weg darf nicht abgerissen werden

22. September 2015 | Umwelt + Verkehr | 81 Kommentare

Schlappe für die Hallesche Verkehrs AG (HAVAG) und die Stadtverwaltung Halle. Der Abriss des Künstlerhauses 188 im Böllberger Weg wurde am Dienstag gerichtlich untersagt. Eine Klage der HAVAG gegen einen bereits vor anderthalb Jahren vom Landesverwaltungsamt verfügten Abrissstopp wiesen die Richter des Verwaltungsgerichts ab.

„Wir nehmen die Entscheidung des Gerichtes zur Kenntnis und wollen die schriftliche Urteilsbegründung auswerten“, erklären die Stadtwerke zur Entscheidung. „Das Künstlerhaus 188 bleibt stehen. Demzufolge wird der Bereich vor dem Künstlerhaus nicht im Rahmen des Programms STADTBAHN Halle saniert.“

Der Verschleiß am Oberbau der Straßenbahn werde zur Sicherung und Aufrechterhaltung der Befahrbarkeit der Trasse beseitigt, zu gegebener Zeit werde es die erforderlichen Reparaturmaßnahmen am Schienenweg geben. Der ursprünglich geplante Ausbau aller Verkehrswege wie Fuß- und Radweg finde nicht statt, so die Stadtwerke.

Der nördliche Böllberger Weg solle ursprünglich ausgebaut werden. Die Straßenbahn sollte hier ein eigenes Gleisbett erhalten. Das jedoch gibt der Straßenquerschnitt im Bereich des Künstlerhauses her. In den langwierigen Ausschuss- und Stadtratsdiskussionen machten bereits einzelne Räte den Vorschlag, die Straßenbahn im Bereich des Künstlerhauses eingleisig zu gestalten oder auf einen eigenen Bahnkörper zu verzichten. Eine Mehrheit dafür fand sich nicht, auch weil die Stadtverwaltung mit einem kompletten Scheitern des Stadtbahnprogramms drohte. 4,4 Millionen Euro sollte der Ausbau kosten. Für das Künstlerhaus war einst eine Art Arkadenvariante vorgesehen. Das aber erwies sich als nicht realisierbar, weshalb die Stadt sich später für den Abriss entschied.

Das Urteil mache die Situation nicht einfacher, meint SPD-Stadtrat Eric Eigendorf. „HAVAG und Verwaltung werden nun neu planen müssen, für ein nahezu leerstehendes und energetisch katastrophales Gebäude braucht es nun ein Nutzungskonzept. Der versagte Abriss kostet Zeit und vor allem Geld, dass wir in anderen Bereichen der Kultur sinnvoller verwenden könnten.“

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Dieses Thema enthält 81 Antworten und 26 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Kenno vor 3 Jahre, 1 Monat.

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  • #176134

    Schlappe für die Hallesche Verkehrs AG (HAVAG) und die Stadtverwaltung Halle. Der Abriss des Künstlerhauses 188 im Böllberger Weg wurde am Dienstag ge
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    #176135

    Gute Nachrichten.

    #176136

    Jawoll! Endlich mal was, worüber man sich freuen kann.

    #176139

    Schlappe für den ÖPNV in Halle.

    Vielleicht kann man ja einen Kreisverkehr an der Kreuzung Torstraße einrichten.

    Mal sehen, ob einer die Schrottimobilie kauft.
    Vielleich welche, die geistig im Kaiserreich leben.

    #176150

    Ich bin dafür, dass der Denkmalschutz alle denkmalgeschützten Gebäude übernehmen muss, die ihm geschenkt werden.

    #176151

    Halle ist die konservativste Stadt Deutschlands. Sobald sich auch nur irgendeine Kleinigkeit im Stadtbild ändert, gehen die Bürger auf die Barrikaden. Somit regiert in Halle der Stillstand.

    #176152

    Anonym

    zitierte Beleidigung gelöscht- .

    deine Äußerung ist geistiger Müll!

    Wer im Eimer sitzt, sollte nicht mit Müll werfen

    Wenn man eine sinnvolle, also zuschussfreie Nutzung, findet, ist das nicht schlecht. Falls nicht, ist das ein Pyrrhussieg für den Haushalt.

    #176154

    Ich bin dafür, dass der Denkmalschutz alle denkmalgeschützten Gebäude übernehmen muss, die ihm geschenkt werden.

    Nee ich bin dafür das staatliche Denkmalschutzbehörden (wer kontrolliert die überhaupt?) Denkmaleigentümer den Mehraufwand an Sanierung und Unterhaltung von Denkmälern 1:1 erstatten.

    Ich empfinde dieses Urteil als lächerlich aber man muß es respektieren.

    #176155

    Nun kann die Stadt das „Künstlerhaus 188“ in die Prioritätenliste zur Förderung der Sanierung denkmalgeschützter hallescher Gebäude aufnehmen.

    Die HAVAG hat offensichtlich das Urteil schon vorausgeahnt, denn vor dem Künstlerhaus ist gerade eine neue Weiche eingebaut worden, die aber eher der Fertigstellung des Rannischen Platzes geschuldet ist, um dort eine neue vorübergehende Endhaltestelle einzurichten.

    #176179

    Bei der Abwägung zweier öffentlicher Belange, hier Stadtbahnprogramm, dort Denkmalschutz, hat die Waage zugunsten letzterem ausgeschlagen. Das kann man doch akzeptieren und mir gefällt das natürlich.
    Es gibt genug bedauerliche Entscheidungen zulasten der Denkmalpflege, da darf man sich über diesen kleinen Erfolg durchaus freuen.

    #176182

    Anonym

    Nee ich bin dafür das staatliche Denkmalschutzbehörden (wer kontrolliert die überhaupt?) Denkmaleigentümer den Mehraufwand an Sanierung und Unterhaltung von Denkmälern 1:1 erstatten.

    In Sachsen-Anhalt ist oberste Denkmalschutzbehörde das Kultusministerium.

    Wenn der Mehraufwand für Sanierung und Unterhalt von der Behörde erstattet werden soll, werden dafür ja Steuergelder ver(sch)wendet. Ist dann das Geschrei nicht noch größer?

    #176188

    Es gibt genug bedauerliche Entscheidungen zulasten der Denkmalpflege

    Welche?

    #176190

    Nee ich bin dafür das staatliche Denkmalschutzbehörden (wer kontrolliert die überhaupt?) Denkmaleigentümer den Mehraufwand an Sanierung und Unterhaltung von Denkmälern 1:1 erstatten.

    In Sachsen-Anhalt ist oberste Denkmalschutzbehörde das Kultusministerium.
    Wenn der Mehraufwand für Sanierung und Unterhalt von der Behörde erstattet werden soll, werden dafür ja Steuergelder ver(sch)wendet. Ist dann das Geschrei nicht noch größer?

    Wenn der Staat, in Form der „Denkmalschutzbehörde“ Hauseigentümern vorschreibt, wie sie mit ihrem Eigentum umzugehen haben, sollen sie auch dafür zahlen, wenn ihnen ein Gebäude als „Denkmal“ wichtig ist.

    Ich weiß das diese Position brutal und extrem ist aber man kann nicht Eigentümer ständig schikanieren und dafür kaum einen müden Euro aufbringen.

    Deshalb meine Frage, wer kontrolliert eigentlich die Arbeit dieser sog. „Denkmalschutzbehörden“?
    Diese reproduzieren sich durch immer neue Denkmale selbst, ohne das denen einer „auf die Finger“ schaut.

    #176192

    Das stimmt so nicht, die Eigentümer und bei Klagen die Gerichte „schauen denen auf die Finger“. Wir leben nämlich nicht in einer Diktatur, weder linken noch rechten noch Öko-.

    #176202

    Anonym

    sollen sie auch dafür zahlen

    Woher nehmen sie denn das Geld? Aus dem Steuertopf. Und ich möchte nicht zahlen, weil du in einem Denkmal wohnen willst.

    Deshalb meine Frage, wer kontrolliert eigentlich die Arbeit dieser sog. „Denkmalschutzbehörden“?

    Hab ich doch geschrieben: in Sachsen-Anhalt das Kultusministerium mit Dorgerloh an der Spitze. Bei dir ist es die Doris.

    #176205

    In diesem Gebäude schimmelt (oder schimmert) aus jedem Winkel der Kaiser, warum wohl wird es nicht mehr als Schule genutzt?

    #176214

    „Die Wiederherstellung und Modernisierung von denkmalgeschützten Bauwerken wird vom Staat stark gefördert. Mit der Denkmalschutz-AfA bietet sich Eigentümern die Möglichkeit, von hohen Abschreibungsmöglichkeiten zu profitieren. Die Investition in eine Denkmalschutz-Immobilie gilt daher als einer der attraktivsten (und letzten) Möglichkeiten, Steuervorteile für den eigenen Vermögensaufbau zu nutzen.“

    #176221

    es ist eben nur Senf den Du dazu gibst, um etwas „abzuschreiben“ muß ich erstmal potentiell zu versteuerndes Einkommen haben

    redahll hat es richtig geschrieben, die Bude ist marode…

    #176222

    @redhall: Mit dem Kaiser hat es herzlich wenig zu tun, daß das Haus nicht mehr als Schule genutzt wird. Zum Zeitpunkt der Errichtung war das ein großzügiges, helles, modernes Schulhaus, daß wegen des rasanten Bevölkerungswachstums in der Gründerzeit anstelle der alten Weingärtenschule errichtet wurde. Damals gab es aber unmittelbar vor dem Haus noch keinen Auto- und Straßenbahnverkehr, dafür nach Geschlechtern getrennte Schulhöfe, Zugänge, Treppenhäuser und Klassenzimmer. Den heutigen Anforderungen an eine Schule genügt das Haus nicht mehr, jedenfalls nicht ohne großen baulichen Aufwand.

    Herrn Eigendorfs Äußerungen sind ziemlich deplaziert. Das Haus ist inzwischen zu fast 100% ausgelastet – zuletzt ist im September die Singschule mit mehr als 100 Jungen und Mädchen eingezogen. Und was ein „energetisch katastrophales Gebäude“ ist, möge er mal näher erläutern.

    #176223

    was heißt denn „marode“?

    #176224

    So ein Käse dieses Urteil, auf derganzen Seite des Böllberger Weges steht kein einziges Haus, nur dieses eine „muss“ stehen bleiben. Sowas nennt man dann wohl Demokratie.

    Schwachsinn. WEG MIT DIESER RUINE. Selbst die Künstler, die in diesem Haus ansässig waren wollen raus, weil es unzumutbare Zustände in diesem Haus sind.

    Und nur weil eine Frau Honnecker dort in die Schule gegangen war ist kein Grund ein solches Gebäude zu erhalten. Vielleicht ging ja die Mutter oder einanderer Angehöriger dieses Richters auch diese ehemalige Schule.

    #176227

    Hier scheinen sich ja die Kulturexperten zu treffen. Wollt Ihr, dass Halle bald so aussieht wie Magdeburg?

    #176230

    @Xsara, die Frau heißt Honecker. Mit einem N, wie der olle Erich. Aber da die Schule nicht nach ihr benannt ist oder werden soll, können wir das getrost vergessen.

    Ich bin erstaunt über das Geschrei hier. Die HAVAG hat vor Gericht eine Schlappe eingefahren und ist nun verständlicherweise erstmal sauer. Das wird sich geben. Ich kenne die Fördervoraussetzungen für das ach so tolle Stadtbahnprogramm nicht, doch Umgehungslösungen gibt es immer. Auch die Steinstraße wird niemals einen eigenen Gleiskörper erhalten und soll trotzdemn nach diesem Programm ausgebaut werden. Und-im Gegenteil-am Curie-Platz soll dann sogar Straßen- und „Stadtbahn“verkehr auf gleichem Platz verflochten werden. Bisher fährt die StraBa dort ungehindert durch, in Zukunft steht sie mit allen anderen auf der Abbiegespur… Und es geht auch.

    Was das 188 betrifft-ich war da lange nicht mehr drin. Doch so schlimm kann der Zustand nicht sein, bisher war von den Nutzern kein Aufschrei dewegen zu hören. Nur, weil sie raus sollten.

    Und zum Schluß bietet sich immer noch die Nachnutzung als Flüchtlingsunterkunft an. Die Welle rollt und irgendwann wird auch das Maritim nicht mehr reichen. Hier steht ein großes Problem vor der Tür, was sämtlichen Abrißplänen zu öffentlichen Gebäuden (siehe Eissporthalle) und sonstigen Wohnblöcken an sich sofort Einhalt zu gebieten hat.

    Das nur am Rande=anderes Thema.

    #176233

    energetisch kata… dings wird aber durch Abriss nicht besser. Das sollte der Herr Eigennutz schon aber wissen…

    #176236

    Der Bau ist grundsolide, und hatte nicht nur ein Nutzungskonzept, sondern wurde genutzt. „Marode“ wurde er plötzlich, als er der Schnellbahntrasse im Weg stand.

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