Die Bäume am Riveufer

19. September 2018 | Umwelt + Verkehr | 1 Kommentar
Schon beim letzten Saalestammtisch hat Oberbürgermeister Bernd Wiegand verlauten lassen, dass er so viele Bäume wie möglich am Riveufer erhalten möchte. Dagegen wirft der BUND der Stadtverwaltung vor: Für die Sanierung des Riveufers sollen laut Beschluss von Mehrheiten im Planungs- und Umweltausschuss 155 Altbäume fallen, darunter 149 über hundertjährige Linden und 5 hundertdreißigjährige Kastanien zwischen Kita und Ochsenbrücke. Weitere 800 Quadratmeter Gehölzrodungen sind im Bereich der Felswand geplant. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert die geplante komplette Fällung als ungesetzlich, ökologisch kontraproduktiv und Geldverschwendung.

Der BUND erklärt weiter: Das Riveufer steht unter Denkmalschutz, die doppelreihige Lindenallee besitzt stadtprägenden Charakter. Die betroffenen Bäume sind nach Landesnaturschutzgesetz als Biotop sowie durch die Baumschutzsatzung der Stadt Halle geschützt. Zudem sind sie Lebensraum von geschützten Tierarten. Nicole Hermes vom BUND-Regionalverband Halle-Saalekreis hebt die Wichtigkeit der Bestandsbäume für das Stadtklima hervor: „Sie verbessern die CO2-Bilanz, binden Feinstaub, schützen vor Verkehrslärm und mildern als Schattenspender und durch Verdunstung das Aufheizen im Sommer.“

Junge Bäume einer Ersatzpflanzung können diese Ökosystemdienstleistungen für mehrere Jahrzehnte nicht ersetzen. Zudem sind sie deutlich anfälliger für Trockenstress, ein Überleben in Zeiten von Klimawandel und Dürre ist selbst bei aufwändigen und kostspieligen Gießmaßnahmen über Jahre hinweg ungewiss. Darüber hinaus ist bisher nur die Neupflanzung von 28 Junglinden sowie 8 weiteren Bäumen im Bereich des Riveufers geplant, von einem äquivalenten Ersatz kann also keine Rede sein.

„Enttäuschend und unverständlich für den BUND ist zudem“, so Ralf Meyer, Landesvorsitzender des BUND in Sachsen-Anhalt, „dass einige Stadträte anscheinend wenig Respekt geschützten Lebensräumen und dem Naturschutzrecht insgesamt entgegenbringen. Vom Stadtrat erwartet der BUND“, so Meyer weiter, „dass er sich statt dessen für den Baum- und Alleenschutz starkmacht und unnötige Fällungen am Riveufer, Uniring oder in der Heideallee konsequent verhindert.“

Stadtverwaltung will 118 alte Alleebäume am Riveufer erhalten

Der Oberbürgermeister bleibt in einer Verlautbarung bei seiner Meinung und bekräftigt diese: Die Baumallee des Riveufers soll bei der geplanten Hochwassersanierung der Uferpromenade nach Vorschlag der Stadtverwaltung weitgehend erhalten bleiben. Die dem Stadtrat am 27. August 2018 vorgelegte Planungsvariante sieht deshalb vor,

118 alte Bäume an der Promenade zu erhalten. Da mit müssten lediglich 28 Bäume gefällt werden, da deren Wurzeln die Erneuerung des Kanals in der Straße verhindern
würden. Die insgesamt 146 Alleebäume am Riveufer haben laut Gutachten aufgrund von Schädigungen mehrheitlich eine Lebenserwartung von rund 15 Jahren. Die
Verwaltung sieht im Erhalt dieser großen Alleebäume für diesen Zeitraum einen größeren Wert als in einem kompletten Neuaufbau mit jungen Bäumen. Alte Bäume
haben einen hohen ökologischen und gesellschaftlichen Wert. Darüber hat Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand im Ausschuss für Ordnung und Umweltangelegenheiten am 13. September 2018 informiert.
Die Verwaltung widerspricht der Darstellung in einem Artikel der Mitteldeutschen Zeitung am Dienstag, in dem der Eindruck vermittelt wird, dass die für den gesamten
Bereich Riveufer geplanten Fällungen in der Allee vorgenommen werden.
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