Autobahn 143 im Porzellanladen: Bürgerinitiative unterstützt Kaolinwerk Salzmünde und übt Medienkritik

15. Juni 2018 | Umwelt + Verkehr | 54 Kommentare

Weiß wie Schnee und heiß begehrt: Kaolin

Die Mitteldeutsche Zeitung, sonst immer sehr unternehmerfreundlich, hat in einem jüngst erschienenen Artikel den Unternehmer Dr. Jürgen Rohrmoser als Verhinderer des Weiterbaus der A 143 ausgemacht. In dem Artikel stellt die Zeitung das erfolgreiche Unternehmen, das in Mitteldeutschland mehrere Tongruben betreibt, als Scheinfirma dar („die wohl nur noch auf dem Papier existiert“, Zitat MZ). Worum geht es? die Autobahntrasse schneidet auch Flächen der Firma – und gerät damit wohl in Konflikt mit Abbaurechten an Kaolin.  Auch in anderen Regionen Mitteldeutschlands geraten schon einmal Verkehrsprojekte mit Abbaurechten aneinander.  Kaolin ist ein besonderer Stoff, er wird nicht nur in der Porzellanherstellung benötigt, sondern zur Produktion hochfester Fliesen und reinweißer Sanitärkeramik. Zu den Salzmünder Werken gehören Europas größte Gruben weißbrennender Tone – gewichtsmäßig wahrscheinlich (neben Agrarerzeugnissen) der größte Exportschlager aus dem Saalekreis. Eine seltene Allianz hat sich nun aufgetan: Naturschützer solidarisieren sich mit einem Tagebaubetreiber, konkret:„Bürgerinitiative Saaletal unterstützt die Klage der Ton und Kali GmbH gegen die Zerschneidung der Naturschutzgebiete westlich von Halle durch den drohenden Weiterbau der Autobahn 143“, wie es es in einer Erklärung der Initiative heißt.
„Wir wollen eine Zerschneidung durch eine Autobahn verhindern, wofür uns ausschließlich der Rechtsweg bleibt. Die Bürgerinitiative besteht aus Anwohner, Hallensern, Exilhallensern und Naturfreunden. Wir unterstützen die Klage von Herrn Rohrmoser vollauf. Wir verurteilen die Kampagne der Presse gegen Herrn Rohrmoser und hoffen, dass er dem Druck standhält und die Klage aufrechterhält.“ Der Schulterschluß mit dem Unternehmer wird dabei recht pragmatisch begründet: „Dies ist die letzte Chance, das Saaletal auf dem Gerichtsweg vor der drohenden Autobahn zu bewahren.“

 

 

Print Friendly, PDF & Email

Startseite Foren Autobahn 143 im Porzellanladen: Bürgerinitiative unterstützt Kaolinwerk Salzmünde und übt Medienkritik

Dieses Thema enthält 54 Antworten und 20 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Schulze vor 6 Monate.

Ansicht von 25 Beiträgen - 1 bis 25 (von insgesamt 55)
  • Autor
    Beiträge
  • #317033

    Die Mitteldeutsche Zeitung, sonst immer sehr unternehmerfreundlich, hat in einem jüngst erschienenen Artikel den Unternehmer Dr. Jürgen Rohrmoser als
    [Der komplette Artikel: Autobahn 143 im Porzellanladen: Bürgerinitiative unterstützt Kaolinwerk Salzmünde und übt Medienkritik]

    #317034

    Es gibt also doch noch Hoffnung.

    #317035

    Klar, eine ungenutzte Kaolinbude zu erhalten ist wichtiger als der Lückenschluss der A143. Diese Argumentation muss man erstmal verstehen. Letztlich geht es um Geld, da ein Gericht dem wohl kaum folgen wird.

    #317036

    Autobahnbau gehört zum übergeordneten Interesse , da kann und sollte er schnellmöglichst enteignet werden.

    #317037

    Hört, hört, Enteignung. Da biste aber fix.

    #317038

    Die frage ist aber, was eine angemessene Entschädigung ist. Wenn der Autobahnbau dazu führt, dass wertvolle Rohstoffe nicht abgebaut werden können, wird man die Entschädigung nicht nach dem Preis von Ackerland bemessen können.

    #317039

    Von fix kann bei der A143 gar keine Rede sein. Wenn beim Autobahnbau mit den Grundstücksbesitzern, meist sind es ja Landwirte, keine Einigung möglich ist, wird enteignet. Um die 625 m² von Rohrmoser kann die Autobahn keinen Bogen machen.

    #317040

    Das wird sich zeigen, ob es nur um die paar Quadratmeter geht, oder darum, ob das Bergrecht tangiert ist. Rohstoffabbau kann durchaus von übergeordneten Interesse sein. Oder warum werden für schäbige Braunkohle Städte und Dörfer weggebaggert?

    #317041

    Kaolin die Tonne 150 Euro. Braucht man nicht auch eine Lizenz für den Abbau?

    #317042

    teu

    Ich war ein paar Monate dort nicht unterwegs.
    Hat man denn mit dem Kaolinabbau wieder begonnen?
    Und wenn ja, wo hindert die Autobahn am Abbbau?

    #317043

    Bodenschätze werden beim Autobahnbau m.W. nicht entschädigt.

    #317048

    „Um die 625 m² von Rohrmoser kann die Autobahn keinen Bogen machen.“
    Wow, Wolli kennt jeden Morgen Boden da in der Gegend, alle Achtung.

    #317053

    „Kaolin die Tonne 150 Euro. Braucht man nicht auch eine Lizenz für den Abbau?“

    Ja, die hat er. Die ist bares Geld wert, da der Abbau nicht technisch aufwändig ist.

    #317055

    teu

    Der Knabe will also entschädigt werden.
    Mehr ist da nicht.
    625qm?

    #317056

    München hat keinen Autobahnring, Hamburg auch nicht. Aber Halle soll unbedingt einen bekommen. Schon irre oder ?

    #317057

    teu

    Diese Autobahn ist eine Uraltgeschichte aus Adolfs-Zeiten. Es gibt noch heute Merkmale, wo sie gebaut werden sollte.
    Naja, ein paar hundert Meter entfernt von der Jetzigen.

    #317058

    München hat keinen Autobahnring. Aha, frage mich, wo ich da gefahren bin.

    #317066

    Diese Autobahn ist eine Uraltgeschichte aus Adolfs-Zeiten

    Wenn das der Führer wüsste!

    #317067

    Wir sollten bei der Diskussion versuchen, nicht die Details außer acht zu lassen, damit dass hier nicht auf FOX-NEWS-Niveau absinkt.

    Soweit ich das in der MZ gelassen habe, geht es nur um das kleine 625 qm-Grundstück. Nicht der Kaolinabbau an sich wird hier in Frage gestellt- weil Heiwu hier schon wieder ganz groß ausholt- sondern eine kleine Fläche, die einem Unternehmen gehört, welches tw. auch in Region Kaolin abbaut oder abgebaut hat- aber scheinbar nicht dort an der kleinen Mini-Fläche. Da ist der Fuchs begraben.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 6 Monate von  Osmo.
    #317069

    „Oder warum werden für schäbige Braunkohle Städte und Dörfer weggebaggert?“

    Ein sehr schöner Selbstwiderspruch im Sinne Braunkohle-Wolli.

    #317070

    Osmo hat recht, es geht mit Sicherheit nicht um das Kaolin, sondern um ein kleines Stück Eigentum. Wenn sich der Herr nicht verspekuliert! Ich vermute, der Bund wird ihm schon eine lächerliche Summe angeboten haben und nun will er pokern. All in sozusagen. Mehr als 5000 Euro werden sie nicht angeboten haben, da kann er möglicherweise auch verzichten wenn es schlecht läuft. Oder er setzt auf das Interesse des Bundes schnell bauen zu wollen und verlangt Vervielfachung des Pre ises.

    #317072

    Wir sollten bei der Diskussion versuchen, nicht die Details außer acht zu lassen, damit dass hier nicht auf FOX-NEWS-Niveau absinkt

    Das Problem besteht darin, dass der MZ-Artikel lediglich Detailwissen suggeriert. Wie man dem Artikel entnehmen darf, scheiterte das Informationsbedürfnis des Redakteurs am Werkstor. Also fragt man die Oma in der Nachbarschaft über die Unternehmenspolitik aus. Sternstunden des Journalismus.

    #317074

    Der Kläger Rohrmoser gibt aber angeblich keine Auskunft. Welche Möglichkeiten hat denn dann ein Journalist noch?

    #317076

    „Sternstunden des Journalismus.“
    Also lieber gar nichts berichten? Wenn einer nicht will, dann will er eben nicht, oder?

    #317083

    Wenn ich mich an den Artikel richtig erinnere, hat der schon vor fünf Jahren geklagt.

Ansicht von 25 Beiträgen - 1 bis 25 (von insgesamt 55)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.