Altstadt von Halle ab nächster Woche Tempo 20-Zone

7. September 2012 | Umwelt + Verkehr | 2 Kommentare

„Runter von Gas“ heißt es künftig in der Altstadt von Halle (Saale). Baudezernent Uwe Stäglin wird am Dienstag das erste Tempo 20-Schild enthüllen, teilte die Stadtverwaltung mit. Grundlage sei das vom Stadtrat beschlossene Verkehrskonzept Altstadt, das die innerörtliche Höchstgeschwindigkeit durch die Einführung einer Tempo-20-Zone ermöglicht.

Tempo 20-Gebiet (Grafik: Stadtverwaltung)

Die neue, für die gesamte Altstadt gültige Geschwindigkeitsbegrenzung, gilt für alle Verkehrsarten. Auf dem Altstadtring – also Universitätsring, Hansering, Waisenhausring, Moritzzwinger, Hallorenring, Robert-Franz-Ring und Moritzburgring – kann jedoch auch weiterhin 50 km/h gefahren werden. In den vorhandenen verkehrsberuhigten Bereichen der Altstadt wie an der Salzstraße und der Großen Klausstraße darf auch zukünftig nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden.

„Durch die Einführung der Tempo-20-Zone entfallen zum Teil unterschiedliche Geschwindigkeitsregelungen, so dass sich die bisherige Verkehrsbeschilderung vereinfacht, vereinheitlicht und reduziert“, so die Stadt. „Darüber hinaus wird eine Erhöhung der Verkehrssicherheit erwartet.“ Außerdem können Einbahnstraßen nun grundsätzlich für Radfahrer auch in der Gegenrichtung befahren werden, wenn alle weiteren, noch zu berücksichtigenden Voraussetzungen dies erlauben.

Weitere Pläne:
Allerdings ist die Einführung der Tempo 20-Zone nur der erste Teil des neuen Verkehrskonzeptes. Denn die Stadt plant in Zukunft weitere Maßnahmen. So sollen die Zufahrtsbeschränkungen nur für Anlieger aufgehoben werden. Hintergrund der sind rechtliche Entscheidungen auf Bundesebene. Demnach darf es keine Zufahrtsverbote geben, die für bestimmte Nutzergruppen wie Anwohner oder Lieferfahrzeuge gelten. Denn gemäß dem Gemeingebrauchsrecht von öffentlichen Straßen muss es entweder allen Verkehrsteilnehmern grundsätzlich erlaubt sein, das gesamte Straßennetz zu befahren, oder es werden Einfahrtbeschränkungen angeordnet, die sich nur an bestimmte Verkehrsarten richten. Jeder darf also theoretisch mit Auto und LKW durch die komplette Altstadt bis hin zum Markt fahren. Damit das nicht passiert, werden deshalb bestimmte Straßen für alle Autos gesperrt. Zusätzlich soll die Einbahnstraßenregelung das Befahren so unattraktiv wie möglich machen und vor allem Durchgangsverkehr vermeiden. Parkplätze stehen nur für Bewohner zur Verfügung.

Die markanteste Änderung ist dabei die Große Steinstraße. Diese kann zur Zeit als Einbahnstraße vom Kleinschmieden aus bis zum Joliot-Curie-Platz komplett befahren werden. Künftig wird es drei Abschnitte geben. Vom Kleinschmieden bis zur Barfüßerstraße geht es wie bisher in Richtung Osten. Zwischen Kleiner Steinstraße und Barfüßerstraße wird jedoch eine in Richtung Westen verlaufende und damit entgegenkommende Einbahnstraße geben. Zwischen Kleiner Steinstraße und Joliot-Curie-Platz geht es wie bislang in Richtung Osten. Damit kann die Große Steinstraße nicht mehr in einem Zug komplett befahren werden. Als Ausfahrt für die nordöstliche Altstadt soll künftig die Schulstraße dienen, die vorher noch saniert wird.

Auch das Durchfahrtsverbot am Friedemann-Bach-Platz fällt. Damit können Autofahrer regulär durch die Kleine Ulrichstraße fahren. Das ist derzeit zwar untersagt, wird aber von einem Großteil ignoriert. Um aber die Kneipen- und Cafébesucher nicht mit Durchgangsverkehr zu belästigen, werden auch hier die Einbahnstraßenregelungen geändert. Zudem bleibt der komplette Bereich um die Kleine Ulrichstraße verkehrsberuhigte Zone, es ist also nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt.

Die Einfahrtszonen wird es geben. Die östliche Altstadt (bis Große Ulrichstraße, Kleinschmieden, Marktplatz und Leipziger Straße), Südliche Altstadt (bis Leipziger Straße, Marktplatz, Schmeerstraße, Alter Markt und An der Moritzkirche) und Westliche Altstadt (bis Große Ulrichstraße, Kleinschmieden, Marktplatz, Schmeerstraße, Alter Markt, An der Moritzkirche). Überfahrten von einer Zone zur anderen sind nicht möglich.

Als ein Problem stellt sich auch der Park-Such-Verkehr dar. Die komplette Altstadt wird zur Anwohner-Zone. Kunden, Besucher und Beschäftigte müssen hingegen auf die großen öffentlichen Tiefgaragen sowie die bewirtschafteten Parkplätze und -streifen am Altstadtring nutzen.

Wegen der vielen engen Straßen und Gassen soll in der Altstadt das zulässige Gesamtgewicht der Kraftfahrzeuge auf 7,5 Tonnen begrenzt werden, um große LKW von der Zufahrt abzuhalten. Ausnahmegenehmigungen werden für Bau- sowie Lieferfahrzeuge nach entsprechender Prüfung erteilt. Die City-Gemeinschaft, in der die Händler organisiert sind, ist hier mit eingebunden.

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