AHA fordert naturnahe Reide-Entwicklung und kritisiert Ausbaggerung

3. August 2014 | Umwelt + Verkehr | Keine Kommentare

Während die Saale im Blickpunkt der Hallenser steht, nimmt man die Reide nur eher selten war. Im vergangenen Jahr stand der kleine Fluss plötzlich doch im Fokus. Denn zum Juni-Hochwasser 2013 brach hier ein Deich, die Wassermassen fluteten den Osendorfer See.
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So etwas wollen Stadt und Saalekreis in Zukunft verhindern. Sie drängen das Land, die Reide im geschützten Schilfbereich zu vertiefen. „Dem liegt purer Aktionismus zum Schaden der Reide und ihres näheren Umfeldes zu Grunde“, kritisiert der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder (AHA). Dagegen werde vernachlässigt, dass die Reide nur in ihren teilweise überbauten Überflutungsraum vordringt, wenn Hochwasser ansteht. „Die Reide bedarf keiner Ausräumung eines sich strukturreicher entwickelten Gewässerbettes, sondern sich perspektivisch Gedanken und Vorschläge zusammenzutragen, inwieweit im Ober- und Mittellauf weitere Überflutungsräume erschlossen werden könne“, so AHA-Sprecher Andreas Liste.

Weitere Verbauungen an Reide und Kabelske dürften nicht zugelassen werden. Daneben müsse die Breite der Gewässerschonstreifen auf beidseitig 10 m ab Uferoberkante gewährleistet werden, Mäandrierungen sollten durch Belassen von Holz- und Steinhindernissen befördert werden. Somit werde eine weitere Eintiefung von Reide und Kabelske verhindert und die beiden Fließgewässer könnten schon rechtzeitig im Ober- und Mittellauf in ihre Auen Hochwasser abgeben. Eine Eintiefung sorge dagegen auch zur Senkung des Grund- und Schichtwassers, was sich negativ auf den Wasserhaushalt des Gesamtgebietes, insbesondere in trockneren Jahreszeiten, auswirke. Zudem könne der Überlauf in den Dieskauer Park regulierend auf den Wasserspiegel der Reide einwirken. Der AHA bekräftigt die Notwendigkeit der Einrichtung eines Landschaftsschutzgebietes Reidetal, welcher unbedingt die obengenannten Landschafts- und Naturräume einbeziehen muss.

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Daneben fordert der AHA auch Rückbaumaßnahmen an den Ufern. Die von Kleingartenvereinen immer wieder geforderte Erhöhung von Deichen sei ökologisch und ökonomisch vollkommen inakzeptabel. „Die von Überschwemmungen betroffenen Kleingartenvereine sollten sich bewusst sein, dass sich ihre Kleingartenanlagen in einem Hochwassereinzugsgebiet befinden“, so Liste. Sie sollten daher über Verlegungen an Alternativstandort nachdenken.

Die angedachte Ausbaggerung des Unterlaufes der Reide sehe man als AHA jedoch sehr problematisch. Man greife nicht nur in ein Naturschutzgebiet ein, sondern beeinträchtige ausgedehnte wertvolle Schilfgebiete sowie degradiere das Fließgewässer zu einer Abflussrinne, indem gewässerlebensnotwendige Hölzer, Steine, Kiese und Schlämme beseitigt seien. Derartige Schachtungen würden zudem zur weiteren Eintiefung der Reide beitragen. Der AHA warnt daher den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft davor, die Schachtungen einfach fortzusetzen. „Auch eine einfache Absprache mit den Naturschutzbehörden ist da unakzeptabel.“

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Ebenfalls warnt der AHA vor planerischen und baulichen Aktionismus im Bereich der Kabelske. Die angedachten Vorhaben des Gemeinderates von Kabelsketal die Kabelske streckenweise in Form von Kanälen von Ortslagen wegzuverlegen sind klare Gewässerausbaumaßnahmen. Dabei entschärfen derartige Baumaßnahmen in keinster Weise, da ja kein Stück an Überflutungsraum der Kabelske zurückgegeben wird. Zudem würden solche Vorhaben klar gegen die Europäische Wasserrahmenrichtlinie verstoßen. Es reiche nicht aus, wenn sich die Gemeinde den Namen dieses Nebengewässers der Reide gibt, aber die Verantwortung für einen ordnungsgemäßen Umgang mit dem Fließgewässer vermissen lässt.

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