70 Ehrenamtliche zählen Halles Tiere und Pflanzen

23. Juni 2015 | Umwelt + Verkehr | 1 Kommentar

Ein Drittel des halleschen Stadtgebiets steht unter Naturschutz. Und in den insgesamt 39 unter Schutz stehenden Gebieten steht nun eine Generalinventur an. Unter Anleitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) werden 70 Ehrenamtliche Waldgebiete, Trockenwiesen und Parks durchforsten, Flora und Fauna erfassen.
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„Die EU erwartet einen Bericht“, umschreibt Kersten Ruhl-Herpertz, Leiterin des Fachbereiches Umwelt, die Notwendigkeit. Andernfalls würde ein Vertragsverletzungsverfahren drohen. „Mit unseren paar Hanseln könnten wir das nicht stemmen.“ Insofern ist man bei oder Stadt froh, dass das UFZ auf die Verwaltung zugegangen ist.

Die letzte derartige Zählung gab es 1994/95. Damals haben 60 Ehrenamtliche Halles Naturschutzgebiete durchforstet. Für Dr. Sonja Knapp vom UFZ ist es ein Glücksfall, dass sich so viele Ehrenamtliche bereiterklärt haben. Denn für derartige Aufgaben stehe kaum Geld bereit. „Aber wenn wir die biologische Vielfalt schützen wollen, müssen wir wissen was da ist.“

Die Ehrenamtlichen teilen sich dabei in Gruppen auf. Jede Gruppe spezialisiert sich dabei auf einen bestimmten Bericht. Elisabeth Kühn beispielsweise kümmert sich um die Tagfalter, will diese in den Brandbergen, auf der Bischofswiese und den Seebener Trockenhängen zählen. „Wir gehen langsam durch und schauen was fliegt“, sagt sie. Bei einem Sonntagsspaziergang hat sie ihre erste Zählung durchgeführt. Doch dieses Jahr sei schlecht für Schmetterlinge, zu nass und zu kalt. Insgeheim hoffen die Helfer aber darauf, auch wieder seltene Tierarten zu finden. 1995 wurde beispielsweise in den Brandbergen die „Berghexe“ festgestellt, eine sehr seltene Schmetterlingsart.

Im Herbst wollen sich die Ehrenamtlichen mit dem UFZ zusammensetzen, dann soll ein Zwischenfazit gezogen und auch über etwaige Probleme gesprochen werden. Die Ergebnisse der Zählung werden später auch in einem Buch veröffentlicht. Die Tradition der biologischen Zählungen geht in Halle bis ins 17. Jahrhundert zurück. So hat der Arzt, Botaniker und Bibliothekar Christian Knaut bereits damals 800 Arten in Halle erforscht und ein Buch darüber veröffentlicht.

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