Betrug und Steuerhinterziehung? Strafanzeige gegen Eissporthallen-Betreiber

20. März 2013 | Sport | 12 Kommentare

Die Eissporthalle in Halle (Saale) kommt nicht zur Ruhe. In dieser Woche wurde bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen Frank Busch und Andreas Werkling wegen Untreue, Betrug und Steuerhinterziehung gestellt. Der Anzeigensteller selbst möchte anonym bleiben, hat den Behörden und den Stadträten allerdings umfangreiche Informationen zukommen lassen. Was an den Vorwürfen dran ist, müssen nun Richter klären.

Vorgeworfen wird Busch und Werkling als Vorstände des ESV Halle unter anderem, Vereinsgelder durch fingierte Rechnung in die Eishallen Betriebsgesellschaft transferiert zu haben. Auch bei dieser GmbH sind Busch und Werkling Gesellschafter. Daneben zahle sich der ESV-Vorstand monatlich eine Übungsleiterpauschale von 165 Euro, obwohl dies – so ist es in der Anzeige zu lesen – die Satzung gar nicht zulasse und Busch und Werkling außerdem gar keine Übungsleiterleistungen erbracht hätten.

Außerdem sollen beide Spendengelder veruntreut haben. Beispielhaft wird von einer 15.000 Euro-Zuwendung der Saalesparkasse gesprochen, mit der der ESV-Sanitärbereich saniert werden sollte, der durch das Hochwasser beschädigt wurde. Bis heute, so die Vorwürfe, sei nie saniert worden. Dagegen seien die Kabinen und der Sanitärbereich des MEC 04 gemacht worden – also das Geld für einen anderen Verein genutzt worden. „Zu prüfen wäre ebenfalls, ob mit den 15.000 Euro eine fingierte Rechnung der Sanitärfirma Frank Busch in Höhe von ca. 17.000 Euro beglichen wurde.“

Weitere Vorwürfe sind Verschwendung von Mitgliedsbeiträgen und die nicht zulässige Einsetzung von Bürgerarbeitern. Diese seien beim ESV eingestellt, kämen aber bei der Eissporthallen Betriebsgesellschaft zum Einsatz.

Auch die Steuerfahndung wurde bereits eingeschaltet. Anzeigen wurden hier neben Frank Busch und Andreas Werkling auch gegen Daniel Mischner und Saltan Gindulin gestellt. Unter anderem bestehe der Verdacht auf Steuerbetrug, heißt es in dem Schreiben vom 15. November 2012. Bemängelt werden unter anderem Ehrenamtspauschalen, die gezahlt worden sind, sowie nicht nachvollziehbare Zahlungsströme durch Unterverpachtungen.

Seit Jahren schon gibt es Diskussionen um die Eissporthalle, mehrfach stand diese vor der Insolvenz, letztmalig im September vergangenen Jahres.

Andreas Werkling, einer der Betroffenen der Anzeige, kann dagegen die Vorwürfe gar nicht verstehen. Wie er sagte, wisse er, wer die Anzeige gestellt hat, und wolle gegen diese Person Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Falschaussage stellen. Unter anderem ist in der 18seitigen anonymen Anzeige davon die Rede, dass Werkling bereits sein drittes Haus bau. „Das stimmt nicht. Ich wohne zur Miete.“ Auch eine Veruntreuung der Fördergelder der Sparkasse habe es nicht gegeben. Neben Kabinen seien auch die Beleuchtung erneuert und ein neuer Ballettsaal gebaut worden. Das habe man der Sparkasse auch mit Originalrechnungen nachweisen müssen. Den Vorwurf, dass über einen gewissen Zeitraum eine Ehrenamtspauschale ausbezahlt wurde, bestätigt Werkling dagegen. Man habe sich schließlich auch enorm im Kampf um den Erhalt der Eissporthalle eingesetzt. Das Finanzamt sei nach der bereits im November erfolgten dortigen Anzeige noch gar nicht tätig geworden. Auch die Unterverpachtung, wie in der Anzeige aufgeführt, gibt es tatsächlich, was aber auf Forderungen der Stadt zurückzuführen sei.

Verantwortlich für die Anzeige macht Werkling ein Vereinsmitglied, dessen zwei Kinder im ESV trainieren. Dieser habe sich ebenfalls in den Vorstand wählen lassen wollen. Den Verein überziehe er immer wieder mit Fragenkatalogen, aber auch mit Anzeigen. Beispielhaft nennt Werkling eine Anzeige beim Baumordnungsamt zur Deckenstatik. Diese würde den neu eingebauten Videowürfel nicht halten. „Das hat uns ein Gutachten von 3.000 Euro gekostet“, sagte Werkling. Ergebnis: der Videowürfel darf hängen bleiben.

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