Senioren in Halle in Not: Altersarmut steigt an

22. Juni 2015 | Soziales | Keine Kommentare

In Halle (Saale) sind immer mehr Senioren auf zusätzliche Hilfe vom Staat angewiesen. Das geht aus dem neuen Altersarmutsbericht der halleschen Stadtverwaltung hervor. Demnach beziehen 2.191 Personen über 60 Jahren eine sogenannte Grundsicherung im Alter, darunter 991 Über-65-Jährige.

Damit steigt die Zahl der Betroffenen seit zehn Jahren kontinuierlich an. So waren im Jahr 2005 erst 1.435 Personen betroffen, darunter 740 Über-65-Jährige. Daneben erhielten 592 Senioren Hilfe zur Pflege in Heimen. 1.850 Senioren erhalten Wohngeld.

Die Stadtverwaltung rechnet in den kommenden Jahren mit einem weiteren Anstieg. Bereits jetzt gebe es eine hohe Dunkelziffer bei der Beantragung von Sozialleistungen, „da mit der nötigen Inanspruchnahme von Sozialleistungen häufig Schamgefühle sowie das Gefühl, versagt zu haben einhergehen („verschämte Armut“).“

In den kommenden Jahren gehen viele Personen in Rente, die nach der Wende längere Zeit arbeitslos waren, wodurch ihre Rentenansprüche sinken. Zudem ziehen immer mehr Senioren aus dem umliegenden Saalekreis in die Stadt und nehmen hier Angebote zum Wohnen im Alter in Anspruch. „Im Saalekreis bestehen weitaus weniger Angebote für Senioren und die Infrastruktur ist weitläufiger ausgebaut als in Halle (Saale). Damit sind längere Wege verbunden, die einen erhöhten Aufwand für die Betroffenen bedeuten“, heißt es im Bericht. Für den Saalestadt ist das auch mit finanziellen Zusatzausgaben verbunden. Der Saalekreis und das Land würden finanziell nur für die Personen aufkommen, die sich in Pflegeheimen befinden. Entscheiden sich ältere Menschen für eine Wohnung oder betreutes Wohnen in Halle, musste die Stadt in der Vergangenheit die Kosten dafür anteilig tragen. Inzwischen werden für diese Personen alle Kosten (Hilfe zur Pflege, Grundsicherung) vom Bund getragen.

Viele Chancen auf Abhilfe hat die Stadt nicht. „Die Möglichkeiten, das Altersarmutsrisiko zu senken und einer Verarmung älterer Menschen entgegen zu wirken, liegen fast ausschließlich in den Handlungsfeldern der Bundesregierung“, führt der Bericht aus. „Wenn es nicht zu den erwähnten Gesetzesänderungen auf Bundesebene kommt bzw. bundesweit mit adäquaten Maßnahmen reagiert wird, wird sich die Situation auch in der Stadt Halle (Saale) verschlechtern.“

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