Sachsen-Anhalt mit Spitzenzahlen: Fast 12% verlassen Schule ohne Absschluss. Jetzt sollen die Gründe erforscht werden
8. Juli 2020 | Soziales | 3 Kommentare
Hasenschule
Eine trauriger Rekordwert zeichnet das Land Sachsen-Anhalt aus: 2019 verließen 11,4% der Schüler die Schule ohne jeglichen Abschluss. Arbeitslosigkeit ist in solchen Fällen vorprogrammiert. Die Gründe hierfür sind umstritten. Ein wissenschaftliches Projekt der Universität Magdeburg hat sich nun das hohe Ziel gesteckt, die Ursachen herauszufinden. Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Raphaela Porsch von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg startete am 1. Juni in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsdidaktiker Prof. Dr. Robert W. Jahn und der Psychologin Dr. Melanie Baumgarten eine Studie, in der die die Ursachen von Schulerfolg und Schulabbruch in Sachsen-Anhalt näher beleuchtet werden sollen.
Das Projekt SEASA soll Erkenntnisse über die Ursachen der hohen Anzahl von Sekundar- und Gemeinschaftsschüler*innen ohne Hauptschulabschluss in Sachsen-Anhalt gewinnen und sich auf schulische und unterrichtliche Merkmale sowie auf die Prävention und den Umgang mit Schulabsentismus beziehen. Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für Lehrkräfte, Schulen und Schulleitungen sowie bildungspolitische Einrichtungen abzuleiten, die speziell Lehrkräfte und Schulleitungen bzw. Schulen adressieren.
Bei der Studie stehen jedoch nicht etwa die Motive der Schüler odert der elterliche Hintergrund im Fokus: „Anders als in früheren Studien soll der zentrale Fokus nicht auf dem Hintergrund der Schülerinnen und Schüler liegen, sondern auf schulischen und unterrichtlichen Merkmalen“, sagt Prof. Dr. Raphaela Porsch: „Denn das ermöglicht Schlussfolgerungen für praktisches Handeln wie die Schaffung passender Fortbildungsangebote abzuleiten.“ Das Team bereitet nun die Befragung aller Sekundar- und Gemeinschaftsschulen in öffentlicher Trägerschaft in Sachsen-Anhalt vor. Nach den Sommerferien sollen dann Lehrkräfte und Schüler*innen an den Schulen mithilfe von Online-Fragebögen befragt werden. „Unser Ziel ist es herauszufinden, wie sich erfolgreiche und weniger erfolgreiche Schulen beschreiben lassen, so dass bedarfsorientiert Angebote geschaffen werden können“, so Prof. Dr. Porsch.
Die ersten Ergebnisse der Studie sollen im Februar 2021 zur Verfügung stehen.
Mehr Informationen unter:
https://forschung-sachsen-anhalt.de/project/schulische-unterrichtliche-determinanten-23850
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Tullnerismus ist das Hauptleiden unseres Schulsysrems!
„Fast 12% verlassen Schule ohne Abschluss. Jetzt sollen die Gründe erforscht werden.“
Möglicher Grund: 88 % sind zu brav und zu fleißig.
Naja, da freut man sich einerseits über eine solche Studie, aber andererseits bleibt einem die Freude sozusagen im Halse stecken, angesichts der (nach 2015 und 2017) nun dritten Unterrichtskürzung um je 5%, die Herr Tullner nun für die nichtgymnasiale Bevölkerungsschicht geplant hat. Könnte evtl DAS eine der Ursachen sein könnte, lieber Herr Tullner?
Und daß der „Fokus nicht auf dem Hintergrund der Schülerinnen und Schüler liegen, sondern auf schulischen und unterrichtlichen Merkmalen“ liegen soll, ist doch auch ein Hohn. Wie kann das losgelöst betracht-/beurteilbar sein?? Wenn es derart technisiert, reduziert, inkomplex und primitiv „hinter“fragt wird, ist es nicht von Bedeutung, nicht nützlich, nicht sinnvoll, nicht nachhaltig. Aber wenigstens ist es einfach gemacht und pressewirksam, nicht wahr? und eine Verhöhnung der Kinder, die ja durch ihre Wohn-, Herkunfts- und Schulblasen zu dem wurden, was sie sind.
Das Ziel, „Schlussfolgerungen für praktisches Handeln wie die Schaffung passender Fortbildungsangebote abzuleiten“ ist gar nicht oder zu kurz greifend. Ist, wie wenn der verspannte Schmerzpatient statt Dehn-, Kraft- und Abspeckübungen schmerzvermeidende Schonhaltung einübt – bis erneut Schmerzen vermehrt oder verlagert auftreten.
Das kann doch nicht befriedigend für Wissenschaftler sein?!