Projekte aus Halle gewinnen Integrationspreise

26. November 2012 | Soziales | Keine Kommentare

Gleich mehrere Projekte aus Halle (Saale) waren beim Integrationspreis 2012 des Landes Sachsen-Anhalt erfolgreich. Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung mit über 150 Gästen wurden die insgesamt 7 Preisträgerinnen und Preisträger im Gesellschaftshaus Magdeburg im Beisein von Arbeits- und Sozialminister Norbert Bischoff und Wissenschafts- und Wirtschaftsministerin Prof. Dr. Birgitta Wolff gewürdigt. Ausgewählt wurden die geehrten Projekte aus 37 Bewerbungen von einer neunköpfigen Fachjury.

Mit dem Integrationspreis soll besonderes Engagement für die Integration von Zugewanderten und ein respektvolles Zusammenleben gewürdigt werden. Der Preis wurde in drei Kategorien vergeben. Je Kategorie wurde ein erster und ein zweiter Preis vergeben, die mit jeweils mit 1.000 beziehungsweise 500 Euro dotiert sind.

In der Kategorie „Interkulturelle Begegnung“ wird das Engagement für mehr interkulturelles Verständnis und den praktischen Austausch zwischen Zugewanderten und Einheimischen geehrt. In der Kategorie „Interkulturelle Öffnung“ werden Organisationsprozesse interkultureller Sensibilisierung hervorgehoben. In der Kategorie „Arbeitsmarktintegration“ werden vorbildliche und erfolgreiche Beispiele bei der Förderung des Ausbildungs- und Arbeitsmarktzugangs bzw. der Qualifizierung von Zugewanderten gewürdigt.

In der Kategorie „Interkulturelle Öffnung“ ging der 1. Preis an die Grundschule „Juri Gagarin“ aus Stendal für das Projekt „Miteinander – Füreinander – Für alle gleiche Chancen“. Die Schule, die einen hohen Migrationsanteil hat, macht den respektvollen Umgang mit Vielfalt und die individuelle Förderung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund zu einem Kern ihres Schulprogramms. Interkulturelle Öffnung ist hier schon gelebter Alltag und Selbstverständlichkeit. Der 2. Preis ging an Radio Corax, Halle, für sein russischsprachiges Programm und sein Engagement für mehrsprachige Programme. Hervorgehoben wird die aktive Mitwirkung von Migrationsgruppen an der Programmgestaltung. Radio Corax gilt der Jury als vorbildlich für einen interkulturellen Öffnungsprozess in den Medien.

In der Kategorie „Arbeitsmarktintegration“ erhielt den 1. Preis der landesweite Projektverbund „Jobbrücke und Jobchance“, koordiniert von der SPI GmbH. Ziel des Projektes ist die Vermittlung von Flüchtlingen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Besonders hervorgehoben wird die erfolgreiche Sensibilisierung regionaler Unternehmen. Im Rahmen des Projektes konnten bereits viele Flüchtlinge in Qualifizierung und Arbeit vermittelt werden. Das Projekt hat sich dabei besonders engagiert für die häufig mit Vorurteilen kämpfenden in Sachsen-Anhalt lebenden Roma. Der 2. Preis ging an das Projekt „Sprachliche Qualifizierung und berufliche Orientierung für Migrantinnen und Migranten in eine Ausbildung als Erzieherinnen und Erzieher des DRK in Halle. Das Projekt will Migrantinnen und Migranten mit akademischen oder Berufsabschlüssen einen Zugang zum Erzieherberuf eröffnen. Im Mittelpunkt stehen ein einjähriges Praktikum in Kindereinrichtungen und ergänzende Sprachförderung. Ziel ist die Aufnahme in eine berufsbegleitende Ausbildung.

In der Kategorie „Interkulturelle Begegnung“ ging der 1. Preis an das Islamische Kulturzentrum Halle mit seinem Projekt „Muslimische Gesichter – wer kennt den Islam?“. Der Verein engagiert sich in herausragender Weise für den interkulturellen und interreligiösen Dialog. Immer stärker wird der Verein gebeten, im Religions- und Ethikunterricht den Islam vorzustellen, öffnet seine Räume für Interessierte und arbeitet intensiv mit Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen in Halle und Umgebung zusammen. Den 2. Preis erhielt das Projekt „Geschichten in der Einwanderungsgesellschaft – Erinnerung in der neuen Heimat“ des Multikulturellen Zentrums Dessau. Im Rahmen des Projektes werden Migrantinnen und Migranten von Schülerinnen und Schülern zu ihren Erfahrungen in der Vor- und Nachwendezeit interviewt. Die Begegnungen erschließen den Schülerinnen und Schülern die Blickwinkel von Zugewanderten und bereichern die gesellschaftliche Erinnerung um weitgehend ausgeblendete Perspektiven. Das Projekt soll einen Zeitzeugenpool erschließen und medial für die Bildungsarbeit zugänglich gemacht werden.

Die Jury hat sich außerdem entschieden, einen Sonderpreis ohne finanzielle Dotierung auszuloben, der ein Projekt als besonders innovativ, engagementfördernd und nachhaltig hervorheben soll. Dieser Sonderpreis ging an das Projekt „Vielfalt nutzen – Diversity Management und Servicelearning an Grundschulen“ der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis. Das Projekt zielt darauf, nachhaltige Partnerschaften zwischen Grundschulen und Migrantenorganisationen zu initiieren, bei denen die Migrantenorganisationen insbesondere Beiträge zum interkulturellen Lernen in den Schulalltag einbringen. Bereits 20 Partnerschaftsvereinbarungen konnten in Sachsen-Anhalt unterzeichnet werden.

Arbeits- und Sozialminister Norbert Bischoff, der auch Integrationsminister ist, betonte: „Integration kann nur gelingen, wenn Zugewanderte sich aktiv einbringen und Einheimische mit Offenheit auf sie zugehen. Insbesondere das Engagement in unseren Kindereinrichtungen und Schulen stimmt mich hoffnungsvoll für das künftige Zusammenleben in Sachsen-Anhalt.“

Wissenschafts- und Wirtschaftsministerin Prof. Dr. Birgitta Wolff sagte: „Sachsen-Anhalt braucht Fachkräfte. Deshalb wollen wir auch die Potentiale der bei uns lebenden Migranten noch stärker nutzen. Ich setze auf die Offenheit unserer Unternehmen und das Engagement der Zugewanderten.“

Die Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Susi Möbbeck, betonte: „Wir wollen in unserem Land eine offene, neugierige Willkommenskultur etablieren und Fremdenfeindlichkeit überwinden. Das beim Integrationspreis sichtbar gewordene Engagement ist dafür unersetzbar und muss gestärkt werden.“

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