Paul-Riebeck-Stiftung: Rück- und Ausblicke

10. Januar 2013 | Soziales | Keine Kommentare

Die Paul-Riebeck-Stiftung in Halle (Saale) hat am Donnerstag eine positive Bilanz über das vergangene Jahr gezogen und zeitgleich einen Ausblick auf das begonnene Jahr gegeben. Insgesamt 1,9 Millionen Euro hat die Pflegeheim-Stiftung 2012 investiert, so Vorstand Andreas Fritschek. Die Stiftung betreibt vier stationäre Altenhilfe- und zwei Behindertenhilfe-Einrichtungen. Die Auslastung aller Einrichtungen habe im letzten Jahr bei 98,1 Prozent gelegen.

Wie Fritschek sagte, seien nun die Umbau- und Sanierungsmaßnahmen in den beiden Haupthäusern Riebeckstift und Akazienhof soweit abgeschlossen. „Das hat uns gut auf Trab gehalten“, erklärte er, auch weil die Arbeiten unter laufendem Betrieb stattgefunden haben. Nun habe der Wohnstandard weiter verbessert werden können. Erworben hat die Stiftung im letzten Jahr auch alle Anteile der ewia GmbH. Die 2000 gegründete Gesellschaft betreibt altengerechte und behindertenfreundliche Wohnungen in der Otto-Kilian-Straße, Cantstein-Straße, Ernst-Eckstein-Straße und Gustav-Hertzberg-Straße.

Neuland sei die Organisation von Veranstaltungen zum Thema „Aktives Altern“ bei den Aktionstagen Alter:native gewesen. Hier gab es 16 verschiedene Veranstaltungen, die Lust auf ein selbstbestimmtes und aktives Altern machen sollten. In diesem Sektor will die Stiftung auch künftig aktiv sein. In diesem Jahr, so Fritschek, solle es um das Thema Demenz gehen, bei dem es immer noch ein großes Informationsdefizit gibt. Zusammen mit dem Puschkino oder dem Lux sollen im Sommer Filme zu diesem Thema gezeigt werden, verbunden mit einer Fachtagung zusammen mit dem Krankenhaus „Martha Maria“. Auch eine Ausstellung des Künstlers Marko Warmuth soll es in der Galerie „F2“ geben. Auf diese Weise wolle man den Hallensern einen etwas anderen Zugang zum Thema bieten. Wichtig sei es, die Demenz mehr in die Öffentlichkeit zu bringen. Schließlich steige der Anteil demenzkranker Menschen immer weiter an. Künftig werde man im Alltag immer mehr mit betroffenen Menschen zu tun, so Fritschek, der für einem normalen Umgang warb. Fritschek rechnet auch mit Blick auf die Babyboom-Generation der DDR, dass es in 15 bis 20 Jahren einen enormen Zuwachs dementer Personen geben wird. Wichtig sei es deshalb auch, stärker einen Fokus auf ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe zu legen. Die Stiftung selbst hat bereits 12 Senioren zu ehrenamtlichen Seniorenbegleitern ausgebildet. Als weitere Idee brachte Fritschek sogenannte Alten-WGs ins Gespräch. Die Generation der jetzt über 70jährigen sei wohl dafür noch nicht zu begeistern, die aktuell 50jährigen wohl schon. Derzeit betreibt die Riebeckstiftung bereits eine Wohngemeinschaft, die Platz für elf demenzkranke Menschen bietet. Im Akazienhof wird seit 2002 eine Hausgemeinschaft für Demenzkranke angeboten, die auf drei Wohnbereichen insgesamt Platz für 30 Erkrankte bietet. Ein Angebot, was wohl in der Zukunft nicht ausreichen wird. Je 100.000 Einwohner werde bis zum Jahr 2025 eine Verdopplung auf 2.500 Demenzkranke erwartet, zitierte Fritschek aus aktuellen Untersuchungen.

Mit Blick auf den demografischen Wandel erwartet Fritschek zahlreiche Herausforderungen für die Stadt. Dies betreffe Wohnungsgesellschaften ebenso wie die Verkehrsbetriebe und die Stadtwerke. Aus diesem Grund werden Ehrenamt und persönliches Engagement eine stärkere Rolle spielen. Die Paul-Riebeck-Stiftung will diese Entwicklung fördern, hat deshalb schon 2010 eine eigene Koordinationsstelle eingerichtet. Besuchs- und Begleitdienste werden dabei in den Einrichtungen der Stiftung ebenso angeboten wie Gestaltung von Freizeitangebote oder Hilfestellungen im Alltag. Allein in der Einrichtung Riebeckpark seien bereits 22 freiwillig Engagierte unterwegs. In diesem Jahr soll der Ansatz weiter ausgebaut werden.

Geben soll es auch in diesem Jahr wieder den Designpreis der Stiftung. Im Herbst soll das Thema des zweiten Förderstipendiums ausgelobt werden. Bereits 2010 wurde bereits ein Stipendium ausgelobt, wodurch zwei Absolventen der Burg Giebichenstein Kunsthochschule sich ein halbes Jahr mit dem Thema Alter auseinandersetzen konnten. Andrea Flemming überzeugte mit ihrer Idee, in einer Verbindung aus Glas und Fotografie Erinnerungen einzufangen. Carina Milbrandt hatte sich damals mit der Idee beworben, ein Produkt zu entwickeln, welches älteren Menschen als Alltagshilfe dienen kann. Entstanden ist unter anderem ein mobiler Getränkespender.

Größere bauliche Veränderungen seien in diesem Jahr seien laut Fritschek nicht geplant. „Die großen Sanierungen sind durch.“ Allerding gab er zu, dass es ihm beim Gedanken der Einrichtung einer zweiten Kita kribbelt. Im Mai 2011 war die Kita Kantstraße eröffnet worden. 52 Kinder aus 17 Nationen werden hier betreut. Vom Bau weiterer Pflegeheime hält er nichts, auch wenn derzeit immer wieder von fehlenden Betreuungsplätzen die Rede ist. Fritschek rechnet damit, dass es in ein paar Jahren einen ähnlichen effekt wie bei der geplatzten Immobilienblase gibt.

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