Hallenser werben für Aktion zum Welt-AIDS-Tag

1. November 2013 | Soziales | Keine Kommentare

Unter dem Motto „Positiv zusammen leben!“ ruft das Bundesgesundheitsministerium bundesweit zu mehr Solidarität mit HIV-positiven Menschen auf. Und auch zwei Hallenser geben der Aktion ihr Gesicht: Denis und sein bester Freund und Trainingspartner Matthias.

Anlass ist der Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember. Neben Plakaten, Anzeigen, Flyern und Postkarten gibt es im Rahmen der Aktion Materialien für die Arbeit vor Ort, Fachartikel für die Unternehmenskommunikation oder für Web- und Printauftritte. 78.000 HIV-positive Menschen gibt es in Deutschland, zwei Drittel von ihnen sind berufstätig. „Aber noch immer sind Ausgrenzung oder berufliche Benachteiligungen reale Gefahren, wenn sie sich dem Kollegenkreis oder den Vorgesetzten anvertrauen“, sagt Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. „Wir brauchen mehr Aufklärung und Unterstützung am Arbeitsplatz, um Menschen mit einer HIV-Infektion ein normales Leben zu ermöglichen. So hat unter anderem die Firma Ford das Problem erkannt und macht mit Aktionsmaterialien an allen Standorten HIV/AIDS zum Thema. Das zeigt vorbildlich, wie Arbeitgeber ein offenes Klima für HIV-Positive schaffen und Benachteiligungen im Arbeitsleben abbauen können.“ Aufgrund guter Behandlungsmöglichkeiten haben Menschen mit HIV in Deutschland heute eine annähernd normale Lebenserwartung. Weil die Zahl der Todesfälle durch HIV/AIDS geringer ist als die der Neuinfektionen, wird die Zahl der derzeit in Deutschland lebenden etwa 78.000 HIVpositiven Menschen in den kommenden Jahren weiter steigen.

Dr. Ulrich Heide, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung, erklärte. „Eine HIV-Infektion kann beim Verlust des Arbeitsplatzes schnell zu materieller Not führen. Immer häufiger muss die Deutsche AIDS-Stiftung dann finanzielle Hilfe leisten. Die Stiftung muss für Betroffene oft teilweise Selbstbehalte der Krankenkassen bei medizinischen Hilfen übernehmen. Wir geben häufig auch Zuschüsse für Einrichtungsgegenstände bei notwendigen Umzügen.“ Manuel Izdebski, Vorstandsmitglied der Deutschen AIDS-Hilfe, betonte: „Wir brauchen weiterhin authentische Kampagnen wie „Positiv zusammen leben!“, die über die Vielfalt des Lebens mit HIV heute aufklären und Menschen mit HIV Mut machen, im Job und privat selbstbewusst mit ihrer Infektion umzugehen. Aber wir brauchen nach wie vor auch Schutz – das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz muss künftig Menschen mit HIV und anderen chronischen Krankheiten vor Diskriminierung schützen.“

Denis war bis vor drei Jahren Abteilungsleiter in einer Schokoladenfabrik. Damals erfuhr er, dass er HIV-positiv ist. „Die erste Zeit war wirklich schwierig. Ich habe dann nach eineinhalb Jahren mit der Therapie begonnen, als sich meine Werte verschlechterten, obwohl mein Arzt sagte, ich könnte noch warten. Es war mir wichtig, unter die Nachweisgrenze zu kommen, auch wegen meines Partners“, erzählt der 33-Jährige. Denis ist Vorstandsmitglied eines Sportvereins, spielt Volleyball und geht ins Fitnessstudio. Hier trainiert er oft mit seinem besten Freund Matthias, der ihn als Botschafter der Kampagne„Positiv zusammen leben!“ unterstützt. „Ich habe keinen Moment gezögert, als Denis mich fragte, ob ich dabei bin. Für mich bedeutet Freundschaft, dass man zusammenhält. Gerade in schwierigen Lebenssituationen ist es doch wichtig, dass wir aufeinander bauen können“, sagt der selbständige Veranstaltungstechniker und DJ.

Vor seiner Infektion war Denis nur auf Karriere bedacht. Als gelernter Konditor fing er in der Produktion in der Schokoladenfabrik an. Vier Jahre lang studierte er berufsbegleitend BWL. Und kaum hatte er den Abteilungsleiterposten inne, hatte er schon die nächste Stufe der Karriereleiter im Visier – die Produktionsleitung. „Ich war nur noch auf Erfolg aus. Ich hatte das Wesentliche irgendwie aus den Augen verloren und habe mein Privatleben vernachlässigt“, erzählt Denis. HIV brachte ihn zum Umdenken. In den ersten Wochen litt er unter starken Nebenwirkungen der Medikamente. Damals dachte Denis, er überlebe diese Zeit nicht. Mittlerweile weiß er, dass er mit HIV gut leben kann, solange die Medikamente wirken. Er ist sich aber bewusst, dass ihm auch ein anderer Schicksalsschlag einen Strich durch die Rechnung machen könnte. „Heute besinne ich mich darauf, was wirklich wichtig ist in meinem Leben“, sagt Denis.

Mit Diskriminierung musste Denis selbst bisher keine Erfahrungen machen. Aber während seiner Beratertätigkeit in der Aids-Hilfe erlebt er immer wieder, dass HIV-Positive einen Teil ihres Freundeskreises verlieren oder Familienmitglieder sich abwenden. „Ich wünsche mir ein Umdenken in unserer Gesellschaft. Es darf nicht sein, dass jemand wegen einer Krankheit ausgegrenzt wird, nur weil diese mit sexuellen Tabus besetzt ist“, so Denis. Heute ist diese Offenheit für den schwulen Angestellten im sozialen Bereich selbstverständlich. Doch auch er musste sie erst lernen. 2012 berichtete er spontan in einem Interview in der lokalen Tageszeitung von seiner Infektion. So erfuhren es viele Freunde und sogar seine Eltern, die bis dahin nichts von der Krankheit ihres Sohnes wussten. „Ich habe mir vorher keine Gedanken über die Konsequenzen gemacht, habe total unüberlegt gehandelt. Es hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen und alle waren enttäuscht, dass sie es nicht früher und nicht von mir selbst erfahren haben. Heute sehe ich, dass ich mich viel früher hätte anvertrauen können“, sagt Denis nachdenklich. „Man lernt ja aus seinen Fehlern“, sagt Matthias, knufft Denis freundschaftlich in die Seite und meint zum Schluss: „Sicherlich sollte man gut überlegen, wann und wem man sich anvertraut. Aber meist ist es eine Erleichterung für beide Seiten und eine starke Basis für einen gemeinsamen Lebens¬weg.“

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