Frauentag 2013 in Halle (Saale)

7. März 2013 | Soziales | Keine Kommentare

Politische Diskussionen, fantasievolle Aktionen und viel Kultur bietet der DGB zum Internationalen Frauentag am 8. März 2013. Unter dem Motto „Heute für morgen Zeichen setzen“ steht die Forderung nach gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit im Mittelpunkt. Höhepunkt der vielen Aktionen ist die Frauentags-Straßenbahn-Tour durch die Stadt Halle. Auf einer zweistündigen Tour durch die Stadt Halle werden ca. 100 Frauen mit Gesprächen – Musik – Straßentheater und Aktionen auf die noch unbefriedigende Gleichstellung von Frauen in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen aufmerksam machen. Mitfahrerinnen sind unter anderem Prof. Dr. Angela Kolb (Ministerin für Justiz und Gleichstellung), Dr. Petra Bratzke (Vors. der Geschäftsführung Arbeitsagentur Halle, Susanne Wildner (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Halle) sowie Frauen aus den Einzelgewerkschaften, Vereinen, Verbänden Organisationen. Um 13 Uhr wird im Ratshof die Ausstellung „Gesichter der Pflege“ der Hobbyfotografin Katrin Riedel eröffnet. Um 19 Uhr lädt das neue theater zu einem Frauentagsprogramm ein. Gezeigt wird der Fröhlich Hypochonder mit Reinhard Straube.

Der größte Teil der Bevölkerung Sachsen-Anhalts ist weiblich. Wie das Statistische Landesamt in Halle mitteilt, lebten Ende des Jahres 2011 rund 1,18 Millionen Mädchen und Frauen im Land. Das waren 51 Prozent der Bevölkerung. 13 Prozent der Mädchen und Frauen waren jünger als 20 Jahre, 59 Prozent der Frauen waren im Alter zwischen 20 und 65 Jahren und 28 Prozent waren 65 Jahre und älter. Die Frauen in Sachsen-Anhalt sind durchschnittlich 48,7 Jahre alt und damit drei Jahre und 10 Monate älter als Männer. Der Kinderwunsch erfüllt sich immer später. Während im Jahr 1990 die 23jährigen Frauen die höchsten Geburtenraten hatten, bringen gegenwärtig die 28jährigen Frauen die meisten Kinder zur Welt. Rund 35 Prozent aller Lebendgeborenen kamen in einer bestehenden Ehe zur Welt. Nach dem Familienstand betrachtet ist ein Drittel der weiblichen Bevölkerung Sachsen-Anhalts ledig, 43 Prozent sind verheiratet, 14 Prozent verwitwet und 10 Prozent geschieden. Ledige Frauen wagen im Durchschnitt mit 31 Jahren (Vergleich 1990: 24 Jahre) den Weg ins Eheglück, die Männer starten den ersten Versuch durchschnittlich 3 Jahre später. Die Lebenserwartung neugeborener Mädchen hat sich seit 1992 um 5,1 Jahre erhöht. Nach aktuellen Berechnungen beträgt sie 81,9 Jahre und liegt damit 6,2 Jahre über der Lebenserwartung eines neugeborenen Jungen (75,7 Jahre).

„Viel mehr Frauen wollen sich politisch engagieren, aber es gibt immer wieder Gründe, warum sie es nicht können. Deswegen ist es wichtig, dass Frauen ihre eigenen Netzwerke aufbauen, in denen sie ihre Forderungen diskutieren und sich gegenseitig stärken“, sagt die gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Cornelia Lüddemann. Um über dieses Thema zu sprechen, organisiert die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am Donnerstag, 14. März, ab 17.00 Uhr im Volksbad Buckau, Karl-Schmidt-Straße 56 in Magdeburg die Diskussions- und Festveranstaltung „Mehr Frauen in die Politik“. Nach einer kleinen, kabarettistischen Vorstellung begrüßt die Vorsitzende der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Dr. Claudia Dalbert, die Gäste. Anschließend beginnt das Podiumsgespräch zwischen Cornelia Lüddemann und der Vizepräsidentin des Landtags Baden-Württemberg, Brigitte Lösch über das Paritégesetz. Lüddemann: „Nach diesem Gesetz müssen Männer und Frauen auf einer Liste immer gleich stark vertreten sein. Viele sagen aber, wir brauchen so ein Gesetz gar nicht, wir müssen uns selber stärken. Die Vor- und Nachteile abzuwägen und vielleicht auch Verabredungen zu treffen, was wir unternehmen können, um es besser zu machen, ist das Ziel der Veranstaltung.“ „Wir wollen, dass sich Sachsen-Anhalt bewegt. Dafür braucht es Frauen – erst recht in der Politik.“

Sachsen-Anhalts Justiz- und Gleichstellungsministerin Prof. Angela Kolb hat die Einrichtung eines bundesweiten Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ begrüßt. „Das erleichtert den Zugang zu Hilfsangeboten auch in Sachsen-Anhalt“, sagte Kolb. Das unter der Rufnummer 08000 116 016 erreichbare Hilfetelefon werde auf Grundlage eines neuen Gesetzes eingerichtet und übernehme eine Lotsenfunktion, Opfer würden gezielt weiter vermittelt. Die Leitungen seien rund um die Uhr geschaltet. Bei Bedarf gebe es kostenlose Hilfe, die noch dazu mehrsprachig angeboten werde. Kolb verwies auf ein Netz von Beratungsstellen für Opfer von häuslicher Gewalt und Stalking in Sachsen-Anhalt und strich die besondere Bedeutung der Frauenhäuser heraus. Eine Studie des Bundesfamilienministeriums zeige, dass 40 Prozent aller Frauen im Erwachsenenalter körperliche oder sexuelle Übergriffe erfahren hätten, mehr als jede zweite Frau sei Opfer unterschiedlicher Formen sexueller Belästigung geworden. „Im Notfall müssen die Frauen schnell und verlässlich erfahren, wer helfen kann. Dazu trägt die Hotline bei“, sagte Kolb am Rande der gemeinsamen Festveranstaltung zum Internationalen Frauentag des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung, des Landesfrauenrates, der LandesArbeitsGemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragen und des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Merseburg. Bei den vier „Interventionsstellen häusliche Gewalt und Stalking“ seien 2011 über 900 Fälle häuslicher Gewalt und 522 Stalking-Fälle erfasst worden, sagte Kolb. „Vor allem Frauen werden Opfer. Kinder sind häufig mit betroffen“, so die Ministerin. Für Opfer sexualisierter Gewalt stünden die Beratungsstellen von Wildwasser in Magdeburg, Halle, Dessau und Miss-Mut e.V. in Stendal zur Verfügung: Hier seien 2011 fast 1.300 Personen beraten worden, sagte die Ministerin: „Dazu zählen neben den Betroffenen selbst auch Unterstützungspersonen und Familienmitglieder.“ Insgesamt seien 6.228 Beratungen gezählt worden. Die Fachstelle „Vera“ kümmere sich unter dem Dach der AWO explizit um Opfer von Frauenhandel und Zwangsverheiratung. Daneben bestehen in Sachsen-Anhalt 20 Frauenhäuser mit 127 Plätzen, die vorübergehenden Schutz für gewaltbetroffene Frauen und ihren Kindern gewährleisten. Sieben Frauenzentren bieten niedrigschwellige Beratung, Kommunikation, Integration, Bildung und Kultur. LIKO (Landesintervention und -koordination bei häuslicher Gewalt und Stalking) vernetzt die Arbeit Träger der Interventionsarbeit zur Bekämpfung der Gewalt in engeren sozialen Beziehungen und Stalking. In den vier LIKO-Beratungsstellen in Magdeburg, Halle, Dessau und Stendal informieren die Mitarbeiterinnen über polizei- und zivilrechtliche Möglichkeiten, vermitteln einen Rechtsbeistand, sind bei der Erstellung von entsprechenden Anträgen behilflich und nehmen an Krisen- und Orientierungsgesprächen teil. Täterberatung bietet die Beratungsstelle „ProMann“ mit Sitz in Magdeburg an, die auch Sprechstunden in Halle und Aschersleben anbietet. In der Beratung werden Strategien angeboten, um den Alltag ohne gewaltsame Übergriffe in engen sozialen Beziehungen zu bewältigen. Im Jahr 2011 suchten 202 Männer eine Beratung auf. Neben Einzelberatungsstunden können auch Gruppenangebote in Anspruch genommen werden. 2011 ergriffen 328 Männer dieses Hilfeangebot.

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