Es geht auch anders: Hallenser spenden mehr als 150 Willkommenspakete für Geflüchtete in Leipzig

19. August 2015 | Soziales | 29 Kommentare

Vielerorts entlädt sich immer dann, wenn mal wieder Geflüchtete irgendwo untergebracht werden müssen, der Hass – sowohl in den sozialen Netzwerken als auch in der echten Welt. Auch in Halle (Saale) ist das so, was man unter andrem daran erkennt, dass die NPD am Samstag in Halle-Neustadt gegen eine mögliche Zentrale Aufnahmestelle protestieren will.

PicsArt_1439987229050Es gibt jedoch immer mehr Initiativen, die zeigen, dass es auch anders geht, und die den selbsternannten „Asylkritikern“ etwas entgegensetzen. So geschehen in den vergangenen Tagen auch in Halle. Vergangenen Samstag setzte sich die junge Franzy Hänsel aus Halle mit foodsharing-Macher Marco Pellegrino in Verbindung und bat um Verbreitung eines Aufrufs zur Spende von Willkommenspaketen für Geflüchtete in der Leipziger Ernst-Grube-Halle. In besagter Halle kommen im Laufe der Woche bis zu 500 Menschen aus verschiedenen Ländern unter.

Pellegrino zögerte nicht lange und verbreitete den Aufruf über alle möglichen foodsharing-Kanäle, sodass in Windeseile mehrere Tausend Menschen damit erreicht wurden. Der entsprechende Effekt ließ nicht lange auf sich warten: bereits am Samstagabend brachten einige Leute Spenden zum Lebensmittel-FairTeiler am Uniplatz, welcher normalerweise dazu genutzt wird, nicht mehr benötigte Lebensmittel vor der Tonne zu retten und zu verteilen.

Auch die beiden anderen FairTeiler im Umsonstladen des Postkult e.V. und am Peißnitzhaus füllten sich in den darauffolgenden Tagen immer wieder, sodass Hübner mehrmals losfuhr, um die FairTeiler zu leeren. Unterstützt wurde sie dabei sowohl von Pellegrino als auch vom Küchenchef des Peißnitzhauses. Auch im Peißnitzhaus und im Umsonstladen zeigte man sich dabei kooperativ: wenn die Regale mal wieder zu voll waren, wurden Sachen im Lager verstaut.

Ende der Spenden-Aktion war heute Nachmittag um 13 Uhr, denn dann brachte Hänsel die Spenden mit Hilfe ihrer Mutter nach Leipzig. Gezählt wurden dabei ca. 160 Willkommenspakete, jeweils bestehend aus einer Zahnbürste, einer Zahncreme, einem Deo und einem Stück Seife – teilweise waren in den Paketen auch Kekspackungen und Grußkarten enthalten. Darüber hinaus wurden insgesamt 5 Säcke und 4 Kartons voll mit Kleidung sowie ca. 200 einzelne Hygiene-Artikel gespendet.

Besonders der FairTeiler am Uniplatz direkt neben den Räumlichkeiten des Studierendenrats wurde heute so ausgiebig genutzt, dass gar nichts mehr reinpasste und viele Sachen daneben gestellt werden mussten. Am Ende waren es so viele Spenden, dass gar nicht alles ins Auto passte. Hier sprang dann der Studierendenrat der MLU ein, welcher spontan anbot, einen Teil der Spenden vorübergehend in seinen Räumlichkeiten zu lagern.

Kurz nach 13 Uhr machten sich Hänsel und ihre Mutter dann auf dem Weg und wurden in Leipzig begeistert empfangen: mit solch tatkräftiger Unterstützung aus der Saalestadt hatte man nicht gerechnet. Alle Beteiligten waren von der Anzahl der Spenden und der Hilfsbereitschaft der Hallenser überwältigt.

Marco Pellegrino, der aufgrund seines Engagements für Flüchtlinge bereits diffamiert wurde, äußerte sich dazu wie folgt: „Viele Menschen in Halle haben in den vergangenen Tagen gezeigt, dass das Bild vom hässlichen Deutschen längst nicht immer stimmt. Es gibt in diesem Land und auch in dieser Stadt viele Menschen, die auf rassistische Hetze nicht reinfallen, sondern ganz selbstverständlich ihre Hilfe anbieten.“

Es ist gut zu wissen, dass es in Halle Menschen gibt, die zeigen, dass es auch anders geht und die ihre Solidarität mit Geflüchteten auch in die Tat umsetzen. Auch am Samstag ist praktische Solidarität gefordert, denn wie weiter oben bereits erwähnt plant die NPD eine Kundgebung in Halle-Neustadt. Um das nicht unkomentiert zu lassen, ruft Oberbürgermeister Bernd Wiegand seinerseits zum Willkommensfrühstück für Geflüchtete vor dem Neustadt Centrum auf. Beginn ist Samstagmorgen um 8 Uhr.

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  • #169241

    Vielerorts entlädt sich immer dann, wenn mal wieder Geflüchtete irgendwo untergebracht werden müssen, der Hass – sowohl in den sozialen Netzwerken als
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    #169242

    FH

    kleiner namens Fehler 😉 Franzy Hänsel nicht Hübner

    #169243

    Was macht eigentlich das NPD- Verbot?
    War doch mal als Damm gegen die Dummheit gedacht?

    #169244

    Es gäbe sicher noch mehr Willkommenspakete, wenn Merkbefreite nicht alle, die nach Deutschland kommen, als Hilfsbedürftige bezeichnen würden.

    #169245

    Wieviel Hilfe kommt denn von Dir so, @Farbspektrum ? Du mußt ja nicht wirklich allen helfen.

    #169246

    Zitat redhall „Was macht eigentlich das NPD- Verbot?
    War doch mal als Damm gegen die Dummheit gedacht?“

    das NPD-Verbot, welches 2003 kläglich scheiterte, hat diese Partei erst wachsen lassen.

    Ich behaupte, dass diese Art von Engagement Einzelfälle sind.

    #169247

    Ach, @farbspektrum,niemand verläßt freiwillig und ohne Not seine Heimat.
    Schön, das sich in Deutschland eine Willkommenskultur entwickelt,
    schließlich war es deutsche Außenpolitik, die die Fluchtbewegungen vom Balkan und aus den arabischen Ländern in Gang setzte.
    Die Zerstörung staatlicher Strukturen auf dem Balkan und in den arabischen Länder zahlt sich jetzt aus.

    #169249

    Ach @redhall, zur Erinnerung speziell für dich: Zu DDR-Zeiten wollten Millionen ihre Heimat verlassen und man hat sie nicht gelassen. Stell dir jetzt mal Ulbricht vor, wenn er sagen würde: „Niemand verlässt freiwillig und ohne Not seine Heimat.“

    #169250

    Anonym

    Bei allem was in der Welt passiert, laut redhall ist ja immer die dt. Außenpolitik schuld. Na klar.
    Im Tatsachenverdrehen, speziell was den Balkan betrifft, ist er ohnehin eine Nummer für sich.

    #169251

    > schließlich war es deutsche Außenpolitik, die die Fluchtbewegungen vom Balkan und aus den arabischen Ländern in Gang setzte.

    Noch nicht mal so sehr die deutsche, sondern die US-amerikanische Kanonenboot-Politik.

    #169252

    Anonym

    Versteht mich nicht falsch aber die Person auf dem Bild sieht schon nach einem Hardcore-Grünen-Weltverbesserer-Vegetarier-Dauerstudent aus.

    #169253

    Ach @bollwerk, war es nicht die deutsche Außenpolitik, die jede Dorfrepublik in Jugoslavien als selbständig anerkannte?
    Und dann kam das Märchen von de blühenden Landschaften!
    Das Versprechen wollen die eben schnell erfüllt dehen, das geht am bestem im Orginal.Und offene Grenzen in einem vereinigtem Europa, die machen es einfach. Basta!
    Die Willy Brandt Ära ist ja nun seid gestern vorbei!
    RIP

    #169285

    Anonym

    Stell dir jetzt mal Ulbricht vor, wenn er sagen würde: „Niemand verlässt freiwillig und ohne Not seine Heimat.“

    Hat er doch. Er hat dem Ganzen sogar ein eigenes Bauwerk gewidmet. Damals. Vor ziemlich genau 54 Jahren.

    #169292

    Wer Jahrzehnte der Propaganda erlebt hat, ist es gewohnt damit umzugehen. Die Methoden sind feiner geworden. Nicht mehr so plump wie früher.
    Wer nicht für den unkontrollierten Zuzug ist, ist ein Fremdenhasser, ein Rassist, ein Rechtsradikaler , ein … die Politiker und Merkbefreiten überschlagen sich in Ausdrücken.

    Auch die GdP ist zum „Fremdenhasser“ geworden:
    „GdP warnt vor Rechtsterrorismus
    Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnt nach den Vorkommnissen in Heidenau vor Rechtsterrorismus in Deutschland.
    Bundesvorsitzender Wendt sagte, der Mix aus konzeptionsloser Politik und massiven Flüchtlingsströmen sei der ideale Nährboden dafür. Der Politik warf er vor, hilflos und ohne erkennbares Konzept von einer Empörung zur nächsten zu stolpern. Im Ergebnis würden Gewalt, Extremismus und auch Rechtsterrorismus folgen, so Wendt.
    Deutschland müsse stationäre Grenzkontrollen einrichten. Menschen, die aus sicheren EU-Ländern kämen, müssten noch an der Grenze zurückgewiesen werden. “

    #169294

    Ach, @farbspektrum,niemand verläßt freiwillig und ohne Not seine Heimat.

    Und was war mit den Millionen Ossis, die nach der Wiedervereinigung in den Westen migriert sind? Litten die etwa Not?

    #169295

    Versteht mich nicht falsch aber die Person auf dem Bild sieht schon nach einem Hardcore-Grünen-Weltverbesserer-Vegetarier-Dauerstudent aus.

    Das ist nur Oberflächlich. Innerlich ist der nette Antifa Anhänger genauso ein freundliches Wesen wie die braunen Idioten. Fragt sich nur ob die Pest oder die Cholera jetzt Braun oder Rot ist. Am Ende des Tages ist das aber auch kein großer Unterschied.

    #169316

    Ach @redhall, zur Erinnerung speziell für dich: Zu DDR-Zeiten wollten Millionen ihre Heimat verlassen und man hat sie nicht gelassen. Stell dir jetzt mal Ulbricht vor, wenn er sagen würde: „Niemand verlässt freiwillig und ohne Not seine Heimat.“

    Millionen?
    Haste es nicht ne Nummer kleiner?
    Jetzt sind Millionen unterwegs, du ewig gestriger!

    #169321

    Haste es nicht ne Nummer kleiner?

    „Insgesamt verließen zwischen 1989 und 2008 per Saldo etwa 1,6 Millionen Menschen die ostdeutschen Bundesländer. “
    Und obwohl der Westen zu ihnen gekommen war. Wenn die Grenze offen und Krenz immer noch Generalsekretär wäre, hätte er wohl ohne Frühstücksbrötchen und mit handgeschriebenem „Neuen Deutschland“ leben müssen.

    #169327

    Und obwohl der Westen zu ihnen gekommen war.

    Ja, weil „der Westen im Osten“ nicht genug war. Im Westen gab’s ja mehr zu verdienen und so. Gier ist keine Frage der Nationalität; das sieht man ja derzeit an der griechisch-mazedonischen Grenze.

    #169330

    Ich habe mir mal auf Fotos die Zusammensetzung von Flüchtlingsströmen aus verschieden Jahrzehnten angesehen. Dort wo man vor allem Familien sieht, habe ich Mitleid empfunden.
    http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/blob/33155804/4/data.jpg
    http://polpix.sueddeutsche.com/polopoly_fs/1.1837985.1386349700!/httpImage/image.jpg_gen/derivatives/640×360/image.jpg
    http://www.nrhz.de/flyer/media/12905/Palestinian_refugees48.jpg

    #169334

    #169582

    Merkel kommt heute nach Marxloh. Sicherlich will sie sich über dieses Viertel informieren, weil demnächst noch anderswo solche Quartiere entstehen werden.
    Seltsam, ich habe noch nie etwas von diesem Viertel gehört. Der bunte Teppich, der uns von Deutschland und Europa von der Presse vorgejubelt wird, bekommt immer mehr Löcher, durch den man ganzen Modder drunter sieht.

    #169583

    tja farbspektrum, wenn Du Dich nicht bloß über die DuMont-Presse informieren würdest, wüsstest Du das Duisburg-Marxloh schon seit längerem ein Problemviertel ist.
    Mittlerweile sind die Mißstände dort schienbar so offensichtlich, dass man das Ganze nicht mehr als „kulturelle Bereicherung“ politisch korrekt unter den Teppich kehren kann.

    #169588

    @farbspektrum: falls noch etwas Platz für weiteres Mitleid ist: Durch Krieg, Flucht und Vertreibung werden Familien oft zerstört und auseinandergerissen.

    #169591

    Schaue ich mir den Flüchtlingsstrom hinsichtlich seiner Zusammensetzung nach Geschlecht an, wird man ob der vielen jungen Männer Frischfleisch aus Osteuropa brauchen. Dafür brauchen sie aber Geld.
    Das bekommen sie sicher nicht aus den Spielhöllen, wo man sie jetzt schon häufig sieht.

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