„Wenn rot der Sonnenball im Rosentau sich spiegelt …“

21. Oktober 2018 | Rezensionen | Keine Kommentare

Der ehemalige hallesche Agrarmeteorologe Jurik Müller ist vielen Hallensern noch bekannt als der frühere „Wetterfrosch“ von TV Halle. Außerdem beschäftigte er sich nebenbei intensiv mit Bauernregeln und Bauernbrauchtum. Einige Bücher, die auf hallespektrum.de auch vorgestellt wurden, und zahlreiche Zeitungsartikel zu diesem Thema waren das Ergebnis.

Nun ist Müller lyrisch geworden und das ebenfalls mit Erfolg. Im Rostocker BS-Verlag ist unter träumerischen Titel in Sammelband mit Naturgedichten und Liebeslyrik erschienen. Dabei hat der Autor intensive Stimmungsbilder entwickelt, die sich mitunter erst beim zweiten Lesen erschließen. Man muss sie behutsam lesen, diese zarten, ungereimten und leisen Gedichte:

Die Bäume schreiben

ihr Alter

in den Himmel.

Den Schwalben der Sonne

Ahornnektar

und Birkenwein servierend,

spenden sie mir

Schatten.

Hier eine Zeile wie gemeiselt, die nächste wie ein flüchtiger Pinselstrich … Müller versucht immer, Gefühle auszuloten, eine Verbindung zwischen Natur und Liebe zu schaffen. Es sind Naturbilder, die entschlüsselt werden wollen. Die Liebesgedichte dagegen halten immer die Balance zwischen Unschuld und Erotik. Auf den 262 Seiten ist die Vielfalt der Formen, Themen und Metaphern schon erstaunlich. Illustriert werden die Gedichte durch einige Blumen-Farbfotos, die Müller selbst aufgenommen hat.

Wer noch mehr und regelmäßig neue Gedichte und Farbfotos von Jurik Müller bestaunen will, der sollte einmal bei https://twitter.com/drjurikmueller?lang=de nachschauen. Hier gibt es fast täglich lyrische und fotografische Neuigkeiten. Heute z.B.:

Verschwunden sind die letzten Garben,

nur Stoppeln stehn noch auf dem Feld;

der Herbst streut nun des Sommers Farben,

als bunte Blätter auf die Welt.

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